Julia Stocker und Ina Callejas vertreten eine gemeinsame Meinung: „Als Musiker ist es schön, wenn man sein Talent nutzen kann, um etwas Gutes zu tun.“ Gemeint ist damit nicht nur die Unterhaltung der Menschen, sondern auch das Konzert, das sie im Rahmen einer Spendenaktion geben, mit deren Hilfe die Rückführung des verstorbenen Geflüchteten Solaiman Azimi in dessen Heimat Afghanistan finanziert werden soll.

Ins Leben gerufen wurde diese von Asim Mohammadi, einem Freund des Toten, der vor drei Jahren zeitgleich wie Azimi nach Deutschland gekommen war. Er kann die Geschichte des Verstorbenen genau erzählen: Weil Solaiman Azimi in Afghanistan für das US-Militär gearbeitet haben soll, soll er von den Taliban verfolgt worden sein. Er sei deshalb über die Türkei nach Deutschland geflüchtet, wo er lange Zeit in Radolfzell in der Gemeinschaftsunterkunft in der Herrenlandstraße gelebt habe, bevor er schließlich nach Konstanz zog.

Anfang des Jahres wurde der Krebs diagnostiziert

Obwohl sein Asylantrag abgelehnt wurde, soll er aufgrund seiner Anstellung als Küchenhilfe in einem Sushi-Restaurant in Deutschland geduldet worden sein. Asim Mohammadi gegenüber soll er mehrmals über starke Schmerzen geklagt haben, gegen die ihm Schmerzmittel verschrieben wurden. Was lange Zeit niemand wusste: Solaiman Azimi litt an Krebs. Im Januar dieses Jahres wurde dieser im Konstanzer Krankenhaus schließlich diagnostiziert, trotz Chemotherapie kam jede Hilfe zu diesem Zeitpunkt allerdings zu spät und Azimi starb vor wenigen Monaten.

Asim Mohammadi setzte sich dafür ein, dass der Leichnam seines Freundes zu seiner Familie nach Afghanistan zurückkehren konnte. „Er hatte einen großen letzten Traum“, erklärt er seine Beweggründe. Azimi habe gehofft, seine Frau wieder zu sehen, zusammen mit seiner Tochter, die nach seiner Flucht in Afghanistan zur Welt kam und die er nie treffen konnte. Eine Familiennachzug sei nicht zustande gekommen.

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Viel Unterstützung für die Spendenaktion

Tatsächlich konnte Solaiman Azimi mittlerweile für 2700 Euro nach Afghanistan überführt werden, seine Unterstützer mussten dafür jedoch einen Kredit aufnehmen, obwohl sich die Stadt Konstanz und die muslimische Gemeinde laut dem Freundeskreis Asyl an den Kosten beteiligten. Für die Rückzahlung dieses Kredits und die Unterstützung von Azimis Familie hat Asim Mohammadi die Spendenaktion gestartet, bei der er von dem Freundeskreis Asyl, der Diakonie im Evangelischen Kirchenbezirk Konstanz und dem Verein Humanitas unterstützt wird. Und auch Julia Stocker und Ina Callejas, die schon seit Jahren Kontakt zum Freundeskreis Asyl haben und bereits in der Vergangenheit ein Benefizkonzert zugunsten von Asylbewerbern gegeben haben, wollen helfen. Im Milchwerk möchten die Musikerinnen, die in Radolfzell und Moos leben, ein spanisch-lateinamerikanisches Konzert geben, dessen Einnahmen an die Spendenaktion gegeben werden sollen.

Einzelschicksal steht im Fokus

Dennoch – so selbstlos der Einsatz der beiden Musikerinnen, der Stadt Konstanz und des Freundeskreises Asyl ist, könnte er nicht auch zu Problemen führen? Wenn einmal Spenden für die Rückführung eines Asylbewerbers gesammelt werden, müssten sie dann nicht auch in Zukunft gesammelt werden, wenn erneut ein Asylsuchender in Deutschland stirbt? Und ist das überhaupt möglich? Schließlich wurden alleine im Mai 2019 laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bislang rund 13 000 Asylanträge in Deutschland gestellt. Sie alle im Todesfall zurück in ihre Herkunftsländer zu bringen dürfte kaum möglich sein.

Ina Callejas, Julia Stocker und der Freundeskreis Asyl Radolfzell machen sich darüber keine Sorgen. „Ich denke, das was wir machen ist eine einzelne Aktion, die in Deutschland keine Wogen schlägt“, sagt Stocker. Es ginge schließlich darum, in diesem Einzelfall einem Verstorbenen und seiner Familie zu helfen: „Wir wollen politisch gar kein Statement setzen.“ Zudem sei die Hilfe freiwillig, wer diese oder ähnliche Aktionen nicht unterstützen möchte, der müsse das weder jetzt, noch in Zukunft. Dennoch ist es ihrer Meinung nach wichtig, Nächstenliebe zu zeigen und zu helfen.