Die Brunnen am René-Moustelon-Platz und am Gerberplatz sprudeln nicht mehr. Die Stadt wolle wohl Strom sparen, mutmaßt schwerzhaft ein Tourist aus Norddeutschland. Doch der wahre Grund liegt ganz woanders. "Diese Brunnen werden vom Böhringer Mühlbach gespeist", erklärt Moritz Schade von der Pressestelle im Rathaus – und der Mühlbach liefert derzeit nicht. Das hat nicht zuletzt auch mit Niedrigwasser infolge der Trockenheit und mit dem starken Wachstum einer Wasserpflanze zu tun.

Der Mühlbach liefert den Brunnen kein Wasser mehr

Der Mühlbach kommt von Steißlingen, durchfließt Böhringen, gibt dann südlich des Dorfes die Hälfte seines Wassers an den Riedgraben ab und fließt weiter Richtung Radolfzell. Südlich von Böhringen hat die Abteilung Landschaft und Gewässer ein marodes Wehr abreißen lassen und durch eine raue Rampe mit Beckenstruktur ersetzt. So kann die Durchgängigkeit für Organismen und auch die Wasseraufteilung gewährleistet werden.

Auch die Brunnen am Gerberplatz sprudeln nicht mehr.
Auch die Brunnen am Gerberplatz sprudeln nicht mehr.

Trockenheit bringt Bäche-Kreislauf durcheinander

Doch jetzt tritt ein anderes Problem auf. Während der Riedgraben ein starkes Gefälle aufweist, besteht beim Böhringer Mühlbach zwischen Böhringen und Radolfzell kaum noch ein Höhenunterschied. Das hat zur Folge, dass bei einem niedrigen Wasserstand mehr Wasser in den Riedgraben fließt als nach Radolfzell. "Das Wasser sucht sich immer den einfacheren Weg", schildert Moritz Schade.

Das raue Wehr in Böhminnen ist verengt. Eigentlich sollte trotzdem genügend Wasser in Radolfzell ankommen.
Das raue Wehr in Böhminnen ist verengt. Eigentlich sollte trotzdem genügend Wasser in Radolfzell ankommen.

Die Abteilung Landschaft und Gewässer habe zwar dafür gesorgt, dass der Mühlbach gut durch Böhringen fließt und möglichst viel Wasser bis zur rauen Rampe befördert wird; des Weiteren wurden die Durchlässe an der Rampe verengt, um den Abfluss Richtung Süden zu reduzieren und mehr Wasser Richtung Radolfzell zu schicken.

In diesem Jahr, so Schade, komme aber erschwerend hinzu, dass eine Wasserpflanze gerade stark wachse, große Ballen bilde und so das Wasser zusätzlich zurückstaue: das Ährige Tausendblatt.

Eine Wasserpflanze beginnt zu wuchern

Die Stadtverwaltung könnte die Wasserpflanzen komplett ausmähen. "Das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht erlaubt", schildert der Pressesprecher: Eine Schonzeit für die Organismen und Vielzahl von Tieren, die im Umfeld eines Baches leben, lassen einen Eingriff in das Gewässer nur zwischen Mitte August und Ende Oktober zu.

"Das hat ja auch seinen Grund", sagt Thomas Giesinger vom BUND-Ortsverband. Man denke nur an Libellen, Amphibien und Muscheln. Deren Vegetationsphase würde durch einen Mähkorb, wie man ihn verwenden müsste, total zerstört werden können. Die Stadtverwaltung habe deshalb vorgesehen, per Hand zu entkrauten. "Das ist jederzeit zulässig", erläutert Pressesprecher Schade.

Jetzt wird per Hand entkrautet

Gegenwärtig lässt die Stadtverwaltung das Ufer des Mühlbaches zwischen der Rauen Rampe und der Firma Hügli mulchen. So soll ersichtlich werden, wo sich die größten Vorkommen von Wasserpflanzen befinden. "Danach können wir den Mühlbach per Hand entkrauten", schildert Schade das weitere Vorgehen.

Eine behutsame Methode, die aber sehr zeitintensiv ist, kommentiert Thomas Giesinger. "Da schafft man wohl keinen Kilometer Bachstrecke am Tag." Man wird also wohl warten müssen, bis in Radolfzell wieder alle Brünnlein fließen.