Radolfzell Drucken in drei Dimensionen

Berufe sollten im Idealfall auch immer ein Stück weit Berufung sein. Für den promovierten Chemiker Mario Hüttenhofer war das viele Jahre auch so.

Mario Hüttenhofer mit einigen Druckprodukten, die er seit März im Radolfzeller Innovations-Zentrum (RIZ) anbietet.
Mario Hüttenhofer mit einigen Druckprodukten, die er seit März im Radolfzeller Innovations-Zentrum (RIZ) anbietet. | Bild: Gerald Jarausch

Seine berufliche Laufbahn machte ihn zum Laborleiter, Projektmanager und Einkaufsleiter in unterschiedlichen Unternehmen und verschiedenen Städten Deutschlands. Anfang 40 beschäftigte er sich dann immer mehr mit einer beruflichen Neuorientierung. Er suchte nach etwas, mit dem er sich selbständig machen konnte und dessen wirtschaftliche Entwicklung Erfolg versprechend aussah. „Ich wollte einfach etwas Neues machen“, sagt er. Gefunden hat er das seiner Ansicht nach in einem Druckverfahren, über das er vor wenigen Jahren in einem wissenschaftlichen Magazin gelesen hat. Dabei handelt es sich um ein so genanntes „additives Verfahren“. Damit ist ein Schichtverfahren gemeint, bei dem ein spezieller Drucker praktisch jede erdenkliche Konstruktion in einem Verfahrensschritt dreidimensional herstellen kann. Auf diese Weise müssen nicht nachträglich mehrere Bauteile zusammengefügt werden. Technisch betracht wird bei dem Verfahren in einer verhältnismäßig kurzen Zeit Druckschicht um Druckschicht ein Objekt erstellt. Jede dieser Schichten aus Gipspolymer ist ein zehntel Millimeter stark. Bei der Herstellung wächst ein Objekt pro Stunde rund um 1,5 Zentimeter in die Höhe. Interessant ist der Herstellungsprozess vor allem für das so genannte „Rapid Prototyping“, zu Deutsch etwa schnelle Prototyperstellung. Auf diese Weise können Kleinserien bis zu tausend Stück verhältnismäßig wirtschaftlich erstellt werden.

Voraussetzung für ein derartiges dreidimensionales Objekt ist eine entsprechende Computerdatei aus einem CAD-, beziehungsweise CAAD-Programm. Die Bandbreite der Objekte reicht von vollkommen organischen Formen bis hin zu den üblichen Modellbauten. „Das macht den klassischen Modelbau wieder interessanter“, ist Mario Hüttenhofer sicher. Das wirklich Besondere an dem Verfahren ist nämlich die Tatsache, dass die Oberflächen geradezu fotorealistisch bedruckt werden können. Ob Holzstrukturen bei Gebäuden oder das Firmenlogo auf einem neuartigen Produkt, alles ist möglich. Auch für Künstler kann das Druckverfahren bei Kleinserien interessant sein, da so eine Reproduzierbarkeit von Unikaten möglich ist.

Liegen einmal keine Computerdaten vor, kann die Technik auch anders eingesetzt werden. Mittels eines Scanners werden Objekte abgetastet und in einem speziellen Computerprogramm dann entsprechend umgewandelt. Mit diesem „Reverse Engineering“ können zum Beispiel Oberkörper für Filme und Werbung vervielfacht werden. Diese beiden Dienste bietet Mario Hüttenhofer mit seinem Unternehmen „3d Fab“ seit März 2012 im Radolfzeller Innovationszentrum (RIZ) an. Den Standort hat er der Stadt Konstanz bewusst vorgezogen, weil er hier von dem ansprechenden Ambiente und dem Mietzuschuss der Stadt (siehe Infokasten) begeistert war. Am heutigen Freitag bietet sein Unternehmen „3D Fab“ von 10 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür an.

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