Für berufstätige Eltern ist eine verlässliche Kinderbetreuung mit das Wichtigste im Alltag. Nicht jeder kann der Arbeit spontan fern bleiben und auch die Großeltern oder andere Familienangehörige sind nicht immer bereit einzuspringen. Da war es für die betroffenen Eltern im Dezember 2018 eine kleine Katastrophe, als der Werner-Messmer-Kindergarten wegen vielen Krankheitsausfällen die Öffnungszeiten von 17 Uhr auf 14 Uhr reduzieren musste.

Damit dies nicht noch einmal passiert, hat die CDU-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag gestellt, dass die Stadtverwaltung einen Notfallplan erarbeiten soll. Dieser ist jüngst im Ausschuss für Bildung, Sicherheit und Soziales vorgestellt worden und die Ernüchterung war auf beiden Seiten deutlich spürbar.

Drei neue Anerkennungspraktikanten sollen die Einrichtungen unterstützen

Der erste Notfall-Plan der Stadt Radolfzell sieht vor, drei neue Stellen für Anerkennungspraktikanten zu schaffen, die dann Krankheitsausfälle abfangen sollen. Und zwar sollen sie nicht für krank gewordenen Erzieherinnen und Erzieher einspringen, dies wäre auf Grund ihres Ausbildungsstatus gar nicht erlaubt. Viel mehr sollen sie in den besser besetzten Einrichtungen mithelfen, dass dort Fachkräfte für die Aushilfe zur Verfügung gestellt werden können. Diese sollen dann im Notfall in die anderen Einrichtung gehen und den Betrieb am Laufen halten.

Eine vertraute Person soll in den Gruppen immer dabei sein

So dass es zu keinem Ausfall oder einem verkürzten Angebot kommen soll. Eine Vertretung in Gruppen mit Kinder unter drei Jahren könne laut Notfall-Plan nur dann erfolgen, wenn wenigstens eine, den Kindern vertraute Bezugsperson, anwesend ist. In Gruppen mit Kindern über drei Jahren reicht es, wenn eine vertraute Bezugsperson in der Einrichtung anwesend ist.

Stadträte sind nicht zufrieden mit dieser Lösung

Martina Gleich (CDU) sagte gleich zu Beginn, dass sie mit dem Notfallplan nicht wirklich zufrieden sei. "Es ist ein Anfang, aber es genügt auf jeden Fall nicht". Auch Siegfried Lehmann (FGL) machte deutlich, dass Eltern eine verlässliche Kinderbetreuung erwarten und das Personalproblem eher schlimmer statt besser werde. "Das Problem wird in den nächsten Jahren nur noch schärfer. Wir werden um Stellen für Aushilfen nicht herumkommen." Es genüge nicht, einfach nur Praktikanten einzustellen. Man müsse Fachpersonal parat haben, um die Qualität der Betreuung aufrecht erhalten zu können.

GEB Kita kritisiert die grundsätzliche Minimalbesetzung in den Einrichtungen

Anselm Böhmer, Mitglied des Vorstandes des GEB-Kita, kritisierte, dass Schwächen im System nicht angegangen würden. "Der Personalschlüssel ist nur mit dem Minimum erfüllt, da ist noch Luft nach oben", sagte er. Eine Kita sei eine Bildungsstätte, auch für Kinder, deren Eltern nicht berufstätig sind. Er betonte, dass der Gesamtelternbeirat mit der Betreuungssituation zufrieden sei. Dennoch wünsche er sich für die vielen unterschiedlichen Familienformen eine verlässliche Betreuung.

Stadt hat nur so viele Erzieherinnen und Erzieher, wie sie mindestens haben muss, aber extra Stellen für Praktikanten

Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg gibt den Mindestschlüssel für die Anzahl der Mitarbeiter vor. Diesen erfülle die Stadt Radolfzell, wie Anette Hemmie, Leiterin der Kindertagesbetreuung erläuterte. Weitere Mitarbeiter in Form von Praktikanten seien in den Einrichtungen zusätzlich zum Personalmindestschlüssel angestellt. Sie verstehe zwar die Enttäuschung, wie sie während der Sitzung sagte. Aber dies sei eben ein Notfallplan, betonte sie.

"Wir brauchen ein völlig neues Konzept, das geht nicht über den normalen Stellenplan", erläuterte sie. So wie die Einrichtungen aktuell organisiert seien, könne man keine hundertprozentige Verlässlichkeit bieten. Man müsse für die Kinderzeit und die Kindertageseinrichtungen ein gemeinsames Konzept erstellen, damit das Personal zwischen diesen beiden Formen besser aushelfen und zusammenarbeiten könne.

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