Was trägt der Mann schon drunter? Wenn er männlich, über 40 ist – wer jünger ist, hat eh keine Ahnung von vernünftigen Unterhosen – und aus Radolfzell kommt: was von Schiesser. Feinripp oder Doppelripp, da unterscheiden sich die Geschmäcker, ansonsten sind die Daten gefühlt statistisch gesichert. Doch so einfach, wie Mann sich die Welt strickt, ist es nicht.

Er muss um seine Dominanz in Schiesser-Unterwäsche fürchten. Das sagt jedenfalls der scheidende Vorstandsvorsitzende der Schiesser AG Rudolf Bündgen: "Wir verkaufen zwar immer noch mehr Herrenprodukte, aber das stärkste Wachstum haben wir im Damenbereich." Da will man ja gleich mit den Isländern in die Hände klatschen und ein lautes Huh durch die Schützenstraße rufen. Denn das sind gesicherte Zahlen, harte Fakten.

Da sind noch nicht einmal die von Männern an ihre Frauen mehr oder minder freiwillig ausgeliehenen Unterhemden und Unterhosen mitgezählt. Huh. Wären diese textilen Teile in die Absatzrechnung mit aufgenommen, der Mann hätte keine Chance, er würde die 50-Prozent-Hürde der verkauften Maschenware glatt reißen. Denn wer sagt, dass alle verkauften Doppelripp­unterhemden und Feinrippunterhosen wirklich im Schlafzimmerschrank eines Mannes landen?

Und selbst wenn sie dort gelandet sind, ob sie auch wirklich zu seiner Verfügung stehen? Huh. Der Anteil an Frauen, die Männern ihre Unterwäsche klauen, wird seit jeher unterschätzt. Nicht nur in Radolfzell, der Hauptstadt der Männerunterhose. Der Sender Deutschlandfunk Nova berichtet: "Frauen lieben den Boyfriend-Look und tragen da am liebsten Boxershorts – aus der Männerabteilung." Als Quelle beruft sich der Sender auf Angaben des britischen Kaufhauses Marks & Spencer. Dort soll aufgefallen sein, dass die Hälfte der Männerunterwäsche von Frauen eingekauft wird. Das wäre wenigstens ein legaler Erwerb. Huh.

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