Was soll in Zukunft mit dem Heilig-Geist-Spital geschehen? Um die Meinung der Bürger über das Gebäude in der Post- und Seestraße zu erfahren, hat die CDU-Fraktion in Radolfzell kürzlich eine öffentliche Veranstaltung organisiert. Auf dem Areal der Altenpflegeeinrichtung konnten die Bürger nicht nur die Ansichten der CDU zu dem Punkt erfahren, sondern auch eigene Vorschläge formulieren. Der Tenor der geäußerten Wünsche ist der Fortbestand einer Wohnanlage für Menschen im fortgeschrittenen Alter, für die auch betreutes Wohnen möglich sein soll. Gleichzeitig wünschten sich die rund 60 Teilnehmer der Veranstaltung ein christlich-soziales Miteinander, das möglichst Generationen-übergreifend funktionieren soll. Damit deckten sich die Wünsche der Bürger weitestgehend mit den vier Leitaussagen, die die CDU-Fraktion des Radolfzeller Gemeinderates im Vorfeld der Veranstaltung formuliert hatte.

Der Fraktion ist es wichtig, dass das Spital in seinem Bestand in der See- und der Poststraße mit Innenhof zusammenbleiben soll. Das Spitalareal soll zudem weiterhin im Besitz der Stiftung verbleiben. Das könnte erreicht werden, indem die Stadt das Stiftungskapital erhöht, indem sie zustiftet oder ein zinsloses Darlehen gewährt. Ein direkter Zuschuss ist wegen des Subventionsverbotes unzulässig. Es besteht der Wunsch, dass in den Gebäuden betreutes Wohnen und ein Begegnungsort entsteht. Eine Anzahl der Wohnungen könnte mit sozialverträglichen Mieten vergeben werden. "Wichtig ist uns, dass die Bewohner sich als lebendige Gemeinschaft verstehen", heißt es dazu.

Vorschläge zur Zukunft der Innenstadtgebäude des Heilig-Geist-Spitals wurden beim CDU-Termin im Innenhof gemacht: Xaver Müller vom Seniorenrat trägt seine Wünsche auf einer Tafel ein.
Vorschläge zur Zukunft der Innenstadtgebäude des Heilig-Geist-Spitals wurden beim CDU-Termin im Innenhof gemacht: Xaver Müller vom Seniorenrat trägt seine Wünsche auf einer Tafel ein. | Bild: Jarausch, Gerald

Der Unmut bei den Bürgern über bisher vergebene Chancen bei Bauprojekten mit sozialem Anspruch war nicht zu überhören: "Bisher hieß es immer nur Geld, Geld", monierte eine Teilnehmerin. Und Xaver Müller vom Seniorenrat konkretisierte: "Das darf nicht wieder laufen wie bei anderen Bauprojekten, wo sich Leute mit Rendite einkaufen", sagte er. CDU-Gemeinderat Christof Stadler teilte die Sorge der Bürger: "Für uns ist es wichtig, dass die Gebäude nicht an einen Investor gehen", sagte er.

Die Entscheidung, ob Gebäudeteile verkauft werden und an wen, wird nicht leicht für die Verantwortlichen werden. Denn Stiftungsrat und Gemeinderat sind identisch besetzt. Dadurch kann bei einen Verkauf oder Teilverkauf der Immobilien in der Seestraße 44 (Tagespflege) und Poststraße 15 (Pflegeheim Heilig Geist) an die Stadt Radolfzell nur schwerlich ein finanzieller Vorteil erzielt werden. Dabei wäre ein maximaler Verkaufswert aus Sicht der Spitalstiftung durchaus wünschenswert. Das Geld braucht man, um die nötige Eigenkapitalquote von rund 63 Prozent für den Neubau des Pflegeheims auf der Mettnau zu bekommen. Dessen Kosten schätzt die Stadtverwaltung auf 13,8 Millionen Euro. Beschließt der Stiftungsrat den Verkauf der Gebäude, muss der Gemeinderat entscheiden, ob die Stadt die Poststraße 15 kaufen soll. Der Wert wird auf rund 2,5 bis 3 Millionen Euro geschätzt. Mit diesem Erlös hätte die Spitalstiftung genug Eigenkapital für den Neubau auf der Mettnau.

Grundsätzlich sähe es die CDU-Fraktion gerne, wenn die Spitalstiftung in Zukunft wieder durch ein altes Finanzierungsmodell gestärkt werden würde: "Früher haben sich Menschen in das Spital eingekauft, indem sie ihren Grundbesitz hergaben", führte CDU-Stadtrat Helmut Villinger dazu aus. Dass der Standort in der Post- und Seestraße als Altenpflegeeinrichtung verlassen werden muss, ist unstrittig. Die Landesbauordnung fordert von solchen Einrichtungen ab dem Jahr 2019 verbindlich Einbettzimmer ein. Bisher sind über die Hälfte der Bewohner im Heilig-Geist-Spital in Zweibettzimmern untergebracht. Grundsätzlich wird der Bedarf an Wohnplätzen dieser Art in der Zukunft steigen. Das Problem wird verschärft, weil einige Einrichtungen aufgrund der Landesbauordnung schließen müssen.