Jetzt wurde es doch noch ernst: Im großen Abschlusskonzert stellten sich alle acht Nachwuchs-Dirigenten und zwei Solistinnen dem Publikum im mit rund 300 Zuhörern gut besuchten großen Saal im Milchwerk vor. Eine Woche lang hatten sie im geschützten Raum unter der Anleitung von Professor Johannes Schlaefli aus Zürich gelernt, worauf sie besonders acht geben müssen. Um es vorweg zu sagen: Allen Kandidaten muss eine große Professionalität bescheinigt werden: Keine Schweißausbrüche mehr, kein Taktstock-Zittern! Wie ihre etablierten Kollegen bewältigten die sechs Herren und zwei Damen das Programm souverän.

Das war von Johannes Schlaefli gut ausgewählt. Barg doch jedes Stück ganz unterschiedliche, dirigentische Schwierigkeiten: Yalda Zamani aus dem Iran wies die Kontraste von ruhiger Stimmung und düsteren, aufschreienden Klängen in Carl Maria von Webers Freischütz-Ouvertüre treffend an. Hun Chung aus Süd-Korea war bei dem Vorspiel zu Debussys „Nachmittag eines Fauns“ gefordert: ruhige Bewegungen begleiteten die schwebende Musik vom betörenden Gesang der Nymphen, bevor der nach Liebe schmachtende Faun mit flirrenden Klangfarben und wallendem Auf- und Abschwellen der Musik dynamisch kontrastreich dargestellt, schon große Dirigier-Kunst erfordert.

Im ersten Satz von Sibelius' Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47 war Rachel Buquet die Solistin, vom Griechen Georgios Balatsinos perfekt geleitet. Er beherrschte die Kunst des Vor-Dirigierens: Bruchteile von Sekunden vor dem eigentlichen Impuls weist der Dirigent ihn an, so dass sich die Orchestermusiker und Solistin perfekt darauf einstellen und ihn umsetzen können. Der Violine gehören lange Passagen und wichtige Solo-Kadenzen, von der Solistin mit Empathie und technischer Reife vorgestellt. Auch Cellistin Hyazintha Andrej meisterte ihre Solo-Rolle in Dvoraks Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104 mit bewundernswerter Perfektion. Daniele Ruffino aus Italien verstand es mit seinem Dirigat, Solo-Instrument und Orchester in dichtem Wechselspiel zu verweben, denn Solo-Konzerte sind noch einmal eine besondere Herausforderung für den Dirigenten.

Auch Dvoraks achte Sinfonie G-Dur op. 88 war bei den Dirigenten in guten Händen. Der dritte Satz der viersätzigen Sinfonie blieb aus zeitlichen Gründen ausgespart. Im ersten zeigte Edward Mauritius Münch aus Deutschland, wie man mit exponierter Körpersprache ein Orchester führen kann: Melodisches Leitthema und temperamentvolle Durchführungen konnte er so klangvoll vermitteln. Der schöne, ruhige zweite Satz lag Elsine Haugstad aus Norwegen ganz besonders. Den breiten Trauermarsch wies sie mit weichen Bewegungen an, setzte deutliche Zäsuren, um neue musikalische Gedanken vorzubereiten und Kontraste herauszustellen. Yuan-Hung Liao aus Taiwan schließlich oblag der Finalsatz mit seinen ebenso lyrischen wie turbulenten musikalischen Szenen. Er konnte Fanfaren und Marsch, aber auch Spielerisches und Poesievolles mit sicheren Gesten anweisen.

Quasi als Zugabe durfte James Ham aus Großbritannien die Operetten-Ouvertüre „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss dirigieren. Er tat es mit spannungsreichem Dirigat, um die höchst unterschiedlichen Stile und Stimmungen der Musiknummern herauszustellen.

Der lang anhaltende Applaus mit Bravo-Rufen des begeisterten Publikums war auch verdientes Lob an den Ausbilder, die Absolventen, Solistinnen und das einfühlsame Orchester – bis zum Wiedersehen und -hören im nächsten Jahr beim neuen Meisterkurs Dirigieren.

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