Obwohl die Kommunalwahlen am 26. Mai ihren Schatten vorauswerfen, bleibt das politische Säbelrasseln in Radolfzell derzeit noch aus. Während sich die SPD oder die CDU etwa in Stockach bereits aus der Deckung gewagt haben, ist es in Radolfzell noch erstaunlich ruhig. Dabei wird hinter den Kulissen schon fleißig an den Listen der Kandidaten gebastelt. Der SÜDKURIER sprach im Vorfeld der Wahl mit den jeweiligen Stadtverbänden und Fraktionssprecher, der im Gemeinderat vertretenen Parteien. Vorab: Bis auf Antje Hauck (CDU), haben alle derzeitigen Stadträte bereits ihre Bereitschaft erklärt, abermals für ihre Farben zu kandidieren.

Die CDU nominiert öffentlich

Einen fixen Termin für die Nominierungsveranstaltung kann die CDU benennen. Wie Sabrina Weidlich, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, informierte, findet diese am Montag, 4. Februar, um 19 Uhr in der Seerose statt. Öffentlich, wie Weidlich betont: „Die CDU hat nichts zu verstecken. Es wäre ein völlig falsches Signal für die Mitarbeit in der Lokalpolitik zu werben und dann hinter verschlossenen Türen zu tagen.“ Im Lager der Radolfzeller Christdemokraten plant man mit 28 oder mehr Listenplätzen – damit man auch Reservekandidaten zur Verfügung hat. „Die letzten ein bis zwei Plätze sind immer die schwierigsten, aber unsere Liste ist schon gut gefüllt“, sagt Weidlich. „Wir wollen die stärkste Partei im Gemeinderat bleiben“, benennt Weidlich ein klares Ziel. Sie persönlich kandiert ebenfalls und wünscht sich für das zukünftige Gremium mehr Frauen und mehr junge Politiker unter 35 Jahren.

FGL will zusätzlichen Sitz

Nichtöffentlich will hingegen die Freie Grüne Liste (FGL) ihre Kandidaten am Mittwoch 30. Januar, nominieren. „Wir werden an diesem Abend auch unser Wahlkampfporgramm diskutieren, das wollen wir intern besprechen“, nennt Siegfried Lehmann, FGL-Fraktionssprecher im Gemeinderat, den Grund. Er verspricht aber, dass die Ergebnisse schnellst möglich öffentlich gemacht werden. Ziel sei es, die FGL-Liste mit 26 Namen zu füllen, was noch nie leicht gewesen sei. „Wir sind aber in den letzten Zügen und werden wieder eine starke Liste präsentieren“, so Lehmann. Angesprochen auf die Ziele seiner Fraktion, gibt er sich kämpferisch: „Wir erhoffen uns einen zusätzlichen Platz!“ Derzeit hat die FGL sechs Mandate. Den bundesweit starken Lauf der Grünen, will die FGL auch in Radolfzell nutzen. Dafür solle auch eine starke Liste sorgen, auf der die Frauenquote ein Selbstläufer sei. „Im Gegenteil, wir müssen schauen, dass wir genügend Männer bekommen“, sagt Lehmann.

Freie Wähler haben bereits eine volle Liste

„Unsere Liste ist bereits voll“, verkündet Walter Hiller, Vorsitzender der Freien Wähler (FW). Ein Termin für die Nominierung sei noch nicht spruchreif, da der ein oder andere Bewerber noch wackle. Für Hiller sei es ein wichtiges Signal, dass alle bisherigen FW-Stadträte eine erneute Legislaturperiode anstreben. „Das sind wir den bedeutenden Zukunftsthemen, die wir mit angestoßen haben, schuldig“, so Hiller. Als Beispiele nannte er das weitere Vorgehen beim Strandbad, den geplanten Neubau des Pflegeheims auf der Mettnau und das Radolfzeller Jahrhundertprojekt Seetorquerung. „Die Qualität unserer Liste wird weiterhelfen und uns ein oder zwei Sitze mehr im Radolfzeller Stadtgremium verschaffen“, hofft Hiller. Bis Mitte Februar will die Fraktion einen Termin für die Nominierungsveranstaltung bekannt geben. Als größten Vorteil der Freien Wähler sehe Hiller indes, dass man sich voll und ganz auf die Politik für Radolfzell konzentrieren könne. Eine bundespolitisches Korsett müsse man nicht tragen.

SPD will Transparenz schaffen

Kein Zweifel gibt es bei der SPD: Es wird öffentlich nominiert – im Reißverschlussverfahren zwischen Mann und Frau. Am Montag, 11. März, um 19 Uhr in der Villa Windschief. „Die SPD steht für Transparenz“, betont Markus Zähringer, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes. Nur durch eine öffentliche Abstimmung könne man Menschen dazu bewegen, sich ehrenamtlich bei den Sozialdemokraten zu engagieren. Überhaupt sei man derzeit noch auf Kandidatensuche. „Eine Parteimitgliedschaft ist nicht erforderlich“, klärt Zähringer auf. Das Bewerberfeld sei noch überschaubar, dies solle sich aber bis März ändern. Den landesweiten Trend, bei dem die SPD herbe Verluste zu verzeichnen hatte, sehe Zähringer mit Sorge entgegen. „Das spielt uns nicht in die Karten“, sagt er. Anders wie in der Studenten-Stadt Konstanz oder in Singen, das einen hohen Anteil an Arbeitern vorweiset, habe die SPD in Radolfzell an Zuspruch verloren. „Wir wollen aus der Wahl gestärkt hervorgehen und mindestens unsere vier Plätze verteidigen, wenn nicht sogar zulegen", sagt Zähringer.

FDP sieht sich als demokratische Alternative

Als demokratische Alternative will sich die FDP in Radolfzell präsentieren. Einen Termin für die Nominierung haben die Liberalen indes noch nicht. Auch einen Entscheid ob öffentlich oder hinter verschlossenen Türen abgestimmt wird, gibt es laut Jürgen Keck, Fraktionsvorsitzender der FDP im Gemeinderat, noch nicht. Am 8. Februar soll im Rahmen eines internen Treffens über das weitere Prozedere entschieden werden. „Wir tun uns bei der Kandidatensuche nicht mehr so schwer wie etwa 2014“, sagte Keck. Das liege seiner Meinung nach daran, dass die FDP bundesweit nach den Wahlschlappen der jüngsten Vergangenheit wieder zurück auf dem Boden sei. Angesprochen auf die Ziele der Radolfzeller FDP entgegente Keck, dass man gewillt sei, die drei vorhandenen Sitze möglichst zu behalten. „Wir freuen uns, dass die FDP wieder eine Liste mit vielen Frauen und hoher Qualität hat“, so Keck weiter.

AfD will in den Stadtrat

Mit einem einfachen Ja teilte Walter A. Schwaebsch, Sprecher des Kreisverbandes der Alternative für Deutschland (AfD), auf SÜDKURIER-Nachfrage mit, dass man gewillt sei, in den Radolfzeller Gemeinderat einzuziehen. Eine Liste werde derzeit vorbereitet. Der Ort und den Termin für die Nominierung will die AfD zeitnah auf der Internetseite des Kreisverbandes Konstanz publizieren. „Die Versammlung wird öffentlich sein“, verspricht Schwaebsch. Aufgrund der „Bedrohungslage von AfD-Mitgliedern“ seien derzeit allerdings nicht alle Kandidaten bereit sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch bei Zielvorgaben, will sich die AfD nicht in die Karten schauen lassen. „Die Anzahl der Plätze, die wir erreichen wollen, ist offen“, so Schwaebsch.

Keine ISR-Liste

Zerschlagen haben sich die Gerüchte, dass es eine eigene Liste der Initiative Seeanbindung Radolfzell (ISR) geben wird. „Das gehört in die Rubrik Seetorheiten“, bestätigten die beiden Sprecher Heinz Künster und Gerald Thom auf Nachfrage. Vielmehr wolle man sich der Devise treu bleiben, unabhängig die Entwicklung der Seetorquerung kritisch zu begleiten. Ohne dabei die eigenen Ziele, die Herstellung eines behindertengerechten Seezugangs, aus den Augen zu verlieren.