Radolfzell Die unendliche Geschichte: Will die Stadt Radolfzell tatsächlich einen neuen Zugang zum See? Fünf Varianten, über die der Gemeinderat endlich entscheiden soll

Eine neue Episode im Geschichtsbuch der Stadt Radolfzell wird - aller Voraussicht nach - am 8. Mai 2018 geschrieben: An diesem Tag soll der Gemeinderat entscheiden, ob und wie er denn gern den neuen Zugang zum See hätte - eine neue Unterführung, eine neue Brücke oder es bleibt bei der bestehenden Unterführung. Wir zeigen, worüber entschieden werden soll.

Wo geht's denn hier zum See? Seit 20 Jahren diskutiert man in Radolfzell über einen neuen Zugang zum See. Viele Gemeinderatsentscheidungen und einen Bürgerentscheid später heißt es wieder einmal: Jetzt fällen wir die Entscheidung. Endgültig. Zur Wahl stehen drei neue Unterführungsvarianten, eine Brücke und die Bestandsvariante – das ist der bestehende Tunnelschlauch am Bahnhof unter den sechs Gleisen entlang, die den Fußgänger vom See trennt. 

Der Tunnel zum See 

Der Ist-Zustand: Wer zum See will, muss durch den Tunnel. 27 Stufen die Treppen hinunter, 60 bis 70 Schritte oder 55 Meter durch die Unterführung – gerne auch mit musikalischer Begleitung durch eine zu jeder Jahreszeit Balalaika spielende Dame – 20 Stufen die Treppen hinauf. und siehe da: Da liegt er, der See!

 

 

Diesen Weg gehen die Einheimischen und die Besucher der Stadt Radolfzell seit dem Jahr 1970. Damals ist der neue Bahnhof und die neue Unterführung als Quantensprung der Zugangsqualität zum See gefeiert worden. Doch für viele ist er zu lang, zu dunkel, zu schmal. Die Unterführung  ist gerade mal 4,50 Meter breit. Doch eine breitere, kürzere Unterführung kommt die Stadt teuer. Jenseits der 20 Millionen Euro, so viel steht fest.

Die Vorzugsvariante

Der Vorzug der ersten Vorzugsvariante: Die Unterführung modern und neu ist 8,50 Meter breit und führt nur noch unter vier Gleisen hindurch. Sie verspricht also mehr Luft. Kosten – naja, die Verwaltung schätzt knappe 25 Millionen Euro.

<h2>Vorzugsvariante</h2>Der Vorzug der ersten Vorzugsvariante: Die Unterführung modern und neu ist 8,50 Meter breit und führt nur noch unter vier Gleisen hindurch. Sie verspricht also mehr Luft. Kosten – naja, die Verwaltung schätzt knappe 25 Millionen Euro.
Bild: Stadtverwaltung Radolfzell

Leicht veränderte Vorzugsvariante

Die Vorteile der leicht veränderten oder „modifzierten Vorzugsvariante“ lauten: Material getauscht, die Seitenwände werden mit spiegelnden Edelstahlblechen verkleidet und der Preis ist  gedrückt – das Ganze kostet immer noch 22,9 Millionen Euro. Geschätzt!

<h2>Leicht veränderte Vorzugsvariante</h2>Der Vorteil der leicht veränderten Vorzugsvariante: Material getauscht, Preis gedrückt – kostet immer noch 22,9 Millionen Euro. Geschätzt!
Bild: Stadtverwaltung Radolfzell

"Light" heißt etwas enger

Es gibt - wie immer im Leben - noch eine leichte Ausgabe der „modifizierten Variante“. Die im Verwaltungsjargon so genannte „modifizierte Vorzugsvariante  light“ bedeutet: Sie ist enger im Tunnelbau geschnürt, statt 8,50 Meter nur noch 6,50 Meter breit. 

<h2>"Light" heißt etwas enger</h2>Es gibt – wie immer im Leben – noch eine leichte Ausgabe der modifzierten Variante. Sie ist enger im Tunnelbau geschnürt, aber zwei Meter Einsparung in der Breite bringen nur schlappe 700&nbsp;Euro weniger in der Kostenschätzung. Das Ding kostet immer noch 22,2 Millionen Euro.
Bild: Stadtverwaltung Radolfzell

Die zwei Meter weniger sparen dem Bauherrn nicht viel, nur schlappe 700.000 Euro weniger rechnen die Experten.  Das Ding „light“ kostet immer noch 22,2 Millionen Euro.

Wie wär's mit einer Brücke? 

Eine Brücke gibt's im Seezugangsvarianten-Markt natürlich auch. Mindestens eine. Das in einem Wettbewerb ausgewählte Pylonen-Modell schlägt die Unterführung nach Länge – die Wegstrecke hinauf über die Bahngleise misst 248 Meter, der Weg unter die Gleise hinauf zum See beträgt dagegen nur 93 Meter. Dafür wäre die Brücke ein Hingucker, ein Bauwerk mit städtebaulichen Anspruch: die Kurve über den See dürfte ein neues Wahrzeichen von Radolfzell werden. 

<h2>Wie wär's mit einer Brücke?</h2>Eine Brücke gibt's im Seezugangsvarianten-Markt natürlich auch. Mindestens eine. Das in einem Wettbewerb ausgewählte Pylonen-Modell schlägt die Unterführung nach Länge – die Wegstrecke über die Bahngleise misst 248 Meter, die unten durch nur 93 Meter. Es wäre ein Bauwerk mit dem städtebaulichem Anspruch, ein neues Wahrzeichen von Radolfzell zu werden. Auch die Brücke kostet 20 Millionen Euro. Und würde den Radolfzellern zu mehr Bewegung verhelfen. Nur will der Mensch das – einen längeren Weg zum See?
Bild: Architekturbüro Grube, Jakel, Löffler

Das kostet auch, die Schätzung für die Brücke liegt bei 20 Millionen Euro. Und würde den See-Wanderern zu mehr Bewegung verhelfen. Nur will der Mensch das – einen längeren Weg zum See?

Oder ist der alte Tunnel vielleicht doch nicht so schlecht? 

Nichts geht über den bestehenden Tunnel. Bei so viel Kopfzerbrechen und so viel Geld, das für die neuen Lösungen ausgegeben werden soll, gibt es nicht wenige, die sagen: Wir bleiben bei dem, was wir haben. Und die Bahn kann selber schauen, wie sie die Barrierefreiheit für ihre Bahnsteige hinbekommt. Kost' nichts, macht nichts, bleibt halt so: Zurück vom See durch den Tunnel hinauf in die Stadt, willkommen Radolfzeller Münster. Dieses Wahrzeichen stellt keiner in Frage.

Bild: Georg Becker

 

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