Es ist eine Geschichte, die sich so in jedem Kinderzimmer abspielen könnte: "Herbert und Mimi sind alleine daheim". Für die Kinder-Theater-Tage schlüpften die österreichischen Clowns Manfred Unterluggauer und Helga Jud in einen Jumpsuit und bewaffneten sich mit je einer roten Nase. Dabei wurden für ihre nächtlichen Ritterspiele schon mal ein Wischmopp zum Ross, ein Metalleimer zum Helm und eine Schwimmnudel zur Lanze umfunktioniert. Das Clownsduo startete mit Geschichten über Mut, Siegen und Verlieren einen humorvollen Angriff auf die Gefühlswelt der Radolfzeller Grundschüler und versetzte sie in ein andauerndes Juchzen, Lachen und Staunen. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER verraten die Clowns ihren Erfolg bei den Kindern.

Wie sich die Clowns dem Publikum zuwenden

Theaterbühnen erscheinen oftmals wie ein Guckkasten mit drei Wänden, wobei der Zuschauer auf das Geschehen der Bühne blickt. Die zum Publikum offene Seite wird hierbei als "die vierte Wand" bezeichnet. Diese imaginäre Wand wird von Schauspielern für gewöhnlich weder durchbrochen noch durchschritten. Nur in den seltensten Fällen treten Darsteller in unmittelbare Interaktion mit ihrem Publikum.

Was "die vierte Wand" für zwei Clowns bedeutet

Unbeabsichtigt entsteht so eine Distanz zwischen Theaterstück und Zuschauer. Vollkommen anders ist der Auftritt der Theaterclowns "Herbert und Mimi" aufgebaut. Ihr Theaterstück "allein daheim" ist auf die Interaktion mit dem jungen Publikum angewiesen und lebt quasi von ihm. Ein Theaterstück könne auch ohne Publikum gespielt werden, erläutert Manfred Unterluggauer überspitzt: "Hat der Clown jedoch kein Publikum, dann geht er wieder. Er spielt für das Publikum und braucht dessen Feedback. Das macht den Clown erst interessant."

Mimi steht vor dem Spiegel und die Kinder machen alles nach

Bei Clown Mimi wird das Publikum zum Spiegelbild der königlichen Schönheit. Kinder fungieren dabei als Inhalt eines Spiegels: Sie ziehen imaginär den Lippenstift nach, plustern ihre Backen auf und machen Grimassen – so wie es Mimi vor dem "Spiegel" vormacht. Kein Kind kann sich dem Spaß entziehen, den Mimi vorgibt. Sie stellen Fragen, die von den Clowns beantwortet und in das Schauspiel integriert, aber manchmal ignoriert werden, wenn sie die Geschichte in eine andere als die vorgegebene Richtung zu drängen scheinen.

Die Dramaturgie spielt eine wichtige Rolle

Für das interaktive Theater mit Kindern seien zwei Regeln wichtig, erklärt Helga Jud alias Clown Mimi: Das Timing und die Dramaturgie. Beim Timing müsse man spüren, wann man die Zügel locker lassen kann und wann man sie wieder anzuziehen habe. Auch die Dramaturgie einer Geschichte habe Einfluss auf das Verhalten der Kinder: Wenn die Geschichte interessant genug sei, hören Kinder plötzlich wieder still zu. Manfred Unterluggauer machte eine weitere Beobachtung: Bei Aufführungen vor Klassen erfährt er die geballte Energie der Kinder. Bei einem Theaterpublikum, bei dem die Eltern dazwischen sitzen, seien die Aufführungen hingegen zahmer.