Mit dem Start von Radio Seefunks bekam der Narrenspiegel zur Fasnacht 1988 einen neuen musikalischen Programmpunkt mit begabten Musikern und textlich ideenreichen Gardisten. Bei ihrem ersten Auftritt parodierten sie unter anderem den neuen regionalen Radiosender und nannten sich daher auch „Seefunk“. 210 Hits haben sie seither auf das Radolfzeller Stadtgeschehen sowie andere Ereignisse hin neu getextet und auf so fantastische Weise umgesetzt, dass sie damit jedes Mal das Publikum von den Stühlen holen.

Ob von den Beatles, Abba, Herbert Grönemeyer, Augsburger Puppenkiste oder Rossini, Beethoven, Mozart, Dvorak, aber auch von Helene Fischer, den Klostertalern und anderen – schon viele bekannte Melodien beschrieben seither die Stimmung im Rathaus, bei den VIPs der Stadt, den Bürgern, am See, im Wirtschafts-, Kultur- und Gesellschaftsleben von Radolfzell. Viele dieser Seefunk-Hits wurden über die närrischen Tage zu wahren Gassenhauern, die unter anderem jeder gerne am närrischen Rosenmontags-Jahrmarkt mitsingt. Manche Akteure wie Thomas Uhl (besser bekannt als "Stecke"), Wolfgang Uhl, Thomas Kauter, Franz Bromma und Dieter Franz Pauli sind von Anfang an dabei, andere kamen und gingen wieder. Im Jubiläums­programm darf man sich neben den Genannten auch auf den tastensicheren Neuling Uwe Kemmer freuen. Sie setzen dabei die im Jahr 2015 begonnene Änderung – weg vom Notenständer – fort, sodass man nach „Starlight Express“, „Bergwerkarbeiter“ sowie „Poseidon und seine Nixen“ auf ein neues musikalisch-schauspielerisches Feuerwerk gespannt sein darf. Aber wie immer heißt es: „Mir verrote nix.“ Mal sehen, ob es im Gespräch mit der heiteren Truppe nicht doch so manchen Hinweis gibt…

„Jeder muss ein Lied einbringen, hat schon irgendwelche Titel im Kopf und sammelt Textideen dazu, denn bis zum ersten Brainstorming Ende Oktober sollte da schon viel stehen – bei manchen geht’s etwas kurzfristiger zu, gell Franz“, so Thomas Uhl mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Musikerkollegen. Viel Spaß und das sich gegenseitig die Bälle zuspielen sind ohnehin ein Markenzeichen der verschmitzten Truppe. Jeder bringt seine Stärken ein: Thomas Kauter beispielsweise seine räumlich-gestalterische Kreativität und technische Umsetzung, Wolfgang Uhl immer wieder neue, passende Bassgeigen-Unikate, Thomas Uhl sein breites, aus vielen Gruppierungen bekanntes musikalisches Talent oder Franz Bromma seine stoische Gelassenheit vor ausgelassenem Publikum. Thomas Uhl investiert in die Erweiterung seiner musikalischen Bandbreite und Uwe Kemmer hat sich nach gardemäßiger Überzeugungsarbeit problemlos bei den „Chaoten“ integriert.

 

 

 

Trotz der intensiven Arbeit, bis alles steht und sitzt und dem harten Probewochenende am Bürserberg Ende November zusammen mit Rollenschreibern, Regie und so weiter ist für sie diese Vorbereitungszeit das Schönste. „Gerade, weil wir nicht übers Jahr zusammen auftreten, freuen wir uns ganz besonders auf diese Zeit. Darauf, den Radolfzellern wieder was richtig Tolles zu bieten und dabei auch selbst viel Spaß zu haben“, so Thomas Kauter. „Auch wenn wir diesmal vielleicht etwas ‚farblos‘ daher kommen“, ergänzt Wolfgang Uhl. Aha! Ein Hinweis. Nun ja, es soll wohl um alte und neue Radolfzeller Rituale gehen und um ein weiteres dreißigjähriges Bestehen...? Lassen wir uns überraschen von einer sicher wieder bestens aufgelegten Seefunk-Gruppe.

 

Übrigens: Von den Regisseuren Peter Gätjens und Sebastian Möhrle hörte man noch weitere leichte Andeutungen heraus auf Klamauk mit überraschenden Lösungen sowie auf Makabres. Die Radolfzeller und ihre Gäste von auswärts können sicher sein, dass die närrische Garde übers Jahr 2017 wieder sehr genau hinschaute und zuhörte, also nah an Sorgen, Nöten und auch Freuden der Bürger ist. So wird sie im Narrenspiegel 2018 eine humorvolle Salve sicherer Treffer landen – mit der jubilierenden Seefunk-Gruppe als fulminantem musikalischem Höhepunkt.

 

Die musikalischen Seefunk-Gardisten und wann sie zu erleben sind

  • Thomas Uhl ist seit 1981 in der Narrizella, zunächst drei Jahre als Hansele, ehe er 1984 zu den Gardisten wechselte. Seit 1988 ist er in der Seefunk-Gruppe aktiv und war bis 2016 über 14 Jahre beliebter und geschätzter "Huptmaa" der Garde. Nachdem er nach eigener Aussage als „musikalisch-Unbedarfter“ von den Seefünklern entdeckt wurde, arbeitet er nun schon anderthalb Jahre an seiner neuen Tenorhornisten-Karriere.
  • Thomas Kauter kam nach zwei Jahren als Narrenmusiker 1985 zur Garde. Da er schon über Jugendblasorchester, Stadtkapelle und Musiker wie Dieter Franz Pauli viele Kontakte hatte, startete er von Anfang an mit der Seefunk-Gruppe durch. Auch das Singen macht ihm schon lange Spaß. „Dass er aus dem klassischen Bereich kommt, hört man ja so ab und an…“, kommentieren die Kollegen.
  • Wolfgang Uhl führte der Narrizella-Weg geradewegs zur Garde, Bruder und Freunde waren schon dabei. Auch das Theaterspielen im Narrenspiegel zog ihn magisch an. Startete er zunächst als Autodidakt mit dem Bass-Spielen und 1988 bei der Seefunk-Gruppe, so kam mittlerweile etlicher Unterricht hinzu. Bei Bass-Kreationen kommt dem Schuhmacher-Meister sein handwerkliches Geschick und sein Ideenreichtum zugute.
  • Dieter Franz Pauli vorzustellen wäre wie Eulen nach Athen tragen. Wer kennt diesen Vollblut-Musiker nicht als beliebten Teil von beispielsweise der Oldie- und Rockband Veteranilli oder den bis zum SWR bekannten Schlegele Kings. Er kam 1976 als Trommler zur Garde, startete dann mit den Seefunk-Musikern und ist übrigens der einzige Rentner der Seefunk-Gardisten.
  • Franz Bromma und seine Gitarre sind längst fester Bestandteil der Seefunk-Gruppe. 1987 kam er zur Garde, führte 24 Jahre Regie beim Narrenspiegel und ist nicht der einzige Bromma, der bei den Narrenspiegel-Auftritten schon lange aktiv ist. Mit seiner unnachahmlichen Art, Lieder und Texte umzusetzen, hat er eine große Fangemeinde im Publikum. Und auch in der internen Seefunk-Runde scheint sein trockener Humor zu zünden.
  • Uwe Kemmer, der 2016er Junggardist, wurde sogleich auf seine Narrenspiegel-Talente hin getestet. Da alles was Tasten hat, insbesondere das Akkordeon, es ihm angetan hat, war seine rasche Eingliederung in die Truppe der Seefunk-Musiker beschlossene Sache. Ihm gefällt die breit gefächerte Zusammenstellung der musikalischen Stilrichtungen bei den Auftritten – was wohl sein 2018er Hit sein wird?
  • Termine: Der Narrenspiegel ist zu erleben am Samstag, 27. Januar, 20.11 Uhr, Sonntag, 28. Januar, 14 und 20.11 Uhr, Montag, 29. Januar, 20.11 Uhr.
  • Vorverkauf: Samstag, 13. Januar, 10 bis 13 Uhr im Zunfthaus der Narrizella, Eingang Kaufhausstraße (Saalöffnung 8 Uhr), danach bei EP Hiller, Löwengasse, und samstags zur Marktzeit an der "Roten Tonne" in der Schützenstraße.