Das Schicksal meint es nicht gut mit der Banane. Einst war sie eine härtere Währung als die Ost-Mark, heute ist sie aus dem Stadtgarten in Radolfzell verbannt. Wenn der OB über sie spricht, klingt das fast so gequält, als läge ihm eine der von ihm so geziehenen Paradiesfeigen – so heißt die Frucht auch – quer im Mund. Bananen, so sagt es Martin Staab, seien nicht mehr zeitgemäß. Schon gar nicht heimisch. Schon gar nicht nachhaltig. Also hier in Radolfzell. Die armen Bananen. Verbannt sind ihre Stauden aus den Gärten der städtischen Lustbarkeit. Nicht nur aus dem Stadtgarten, auch vor dem Scheffelschlösschen sind sie verschwunden, wo sie einst die Mitarbeiter der Kurverwaltung elegant vor dem Kurgast abschirmten und dezent einen Hauch tropischer Exklusivität versprühten.

Weg sind sie, nur weil Bananen im Winter ein behütetes Heim brauchen. Zu teuer, zu aufwendig, zu außerhalb der Zeit gestellt, sei diese Frucht. Soll man ein Gewächshaus heizen nur für ein paar immergrüne Palmwedel, die hierzulande ohnehin nix Essbares abwerfen? Dahin sind wir gekommen. Alles wird nach der reinen Lehre der Effizienz betrachtet. So führt die Inaugenscheinnahme der Pflanze in dieser Gegend doch nur zu unnützen Überlegungen: Sind wir schon auf Malle oder doch auf den Kanaren? Und ist das jetzt eine zu schmale und in die Höhe geschossene Ananas? Bildungstechnisch passt das Gewächs in ihrer originalen Staudenform eben nicht in die Landschaft. Sollen unsere Kinder nicht mehr glauben, Bananen wachsen im Regal?

Wir meinen es nicht gut mit der Banane. Als Vereinigungsziel hat sie ausgedient und als exotischer Hingucker wird sie verschmäht. Die Rache der Banane wird kommen. Bei diesem Wetter wächst sie, auch ohne gesetzt zu werden. Im Stadtgarten und vor dem Scheffelschlösschen. Wie Unkraut und ohne mit ihren großen Blättern nur einmal zu rollen. Gewächshaus im Winter? Pah, das ist Schnee von gestern.

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