Der Kindergarten in Stahringen hat eine Frischzellenkur erhalten. Nach über drei Jahrzehnten im Betrieb war diese aber auch dringend vonnöten. Wie Bürgermeisterin Monika Laule während eines Pressegesprächs informierte, habe an der nun abgeschlossenen Sanierung kein Weg mehr vorbeigeführt. Denn am Kindergarten, der 1988 errichtet wurde, seien seit seiner Eröffnung keine weiteren baulichen Maßnahmen vorgenommen worden. Dem habe man nun Abhilfe geschaffen: Nach und nach wurden im Rahmen der Modernisierung ein barrierefreier Eingang gebaut, der Windfang saniert, ein Büroraum für die Kindergartenleitung geschaffen, ebenso ein Personalraum für die Angestellten und eine Schlaflandschaft für die Kleinsten.

Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann, Bürgermeisterin Monika Laule, Anette Hemmie, Leiterin der Kindertagesbetreuung, Kindergartenleiterin Dagmar Lempp, Architekt Ersoy Engin und Macrus Pelgau von der Stadtverwaltung (von links) vor dem neuen barrierefreien Eingang.
Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann, Bürgermeisterin Monika Laule, Anette Hemmie, Leiterin der Kindertagesbetreuung, Kindergartenleiterin Dagmar Lempp, Architekt Ersoy Engin und Macrus Pelgau von der Stadtverwaltung (von links) vor dem neuen barrierefreien Eingang. | Bild: Matthias Güntert

Maßnahmen, die sich nach Einschätzung von Bürgermeisterin Laule gelohnt haben: "Jetzt haben wir in Stahringen wieder einen Kindergarten, der richtig heimelig ist und Charme versprüht." Sie betonte, dass zu einer guten Kinderbetreuung auch eine entsprechend moderne Infrastruktur gehöre. Deshalb seien die Maßnahmen nötig gewesen, um den Bedürfnissen und Ansprüchen einer bedarfsorientierten Betreuung gerecht zu werden. Kindergärten und Kindertagesstätten seien ihrer Einschätzung heute mehr als nur reine Betreuungseinrichtungen. "Hier wird auch Bildung vermittelt und die Grundlage für die spätere Entwicklung der Kinder gelegt", so Laule. Eine große Stärke der Radolfzeller Kindergärten sei die hohe Übergangsrate in die Grundschulen, die auch im neuen Bildungsbericht der Stadt gargestellt wird. "Das liegt auch an der extrem guten Arbeit in diesen Einrichtungen", sagte Laule.

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75 000 Euro hat die Sanierung gekostet. 45 000 Euro davon kamen an Fördermittel vom Land. "Im Haushalt waren 100 000 Euro für das Projekt veranschlagt, damit liegen wir unter Plan", sagte Laule.

Situation war teils beengt

Für Kindergartenleiterin Dagmar Lempp erfüllte sich mit der Sanierung ein lange gehegter Wunsch. Gerade ein Raum für Eltern- oder Personalgespräche habe gefehlt, wie sie gegenüber dem SÜDKURIER bestätigte: "Die Situation war zum Teil schon sehr beengt. Rückzugsmöglichkeiten gab es eigentlich fast keine." Die vorgenommenen Arbeiten tragen ihrer Einschätzung nach maßgeblich dazu bei, dass das Hauptziel des Stahringer Kindergartens weiter verfolgt wird: Den Kindern eine unbeschwerte Zeit zu verschaffen, um sich bestens entwickeln zu können.

Kindergarten ist Teil des Dorflebens

Nicht nur das Kindergarten-Team begrüßte die Sanierung. Auch beim Stahringer Ortschaftsrat stand das Vorhaben weit oben auf der Agenda. "Ein neuer Kindergarten macht Stahringen auch als Ortsteil attraktiver", merkte Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann an. Gerade in Hinblick auf das neue Baugebiet im "Freiwiesle" ein wichtiger Punkt, um junge Familien von Stahringen zu überzeugen. "Der Kindergarten ist sehr aktiv ins Dorfleben eingebunden", so Aichelmann weiter.

Stadt kämpft mit Engpässen

Auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigte Anette Hemmie, Leiterin der Kindertagesbetreuung bei der Stadt, dass der Kindergarten in Stahringen komplett ausgelastet sei. Überhaupt habe man im Bereich der über Dreijährigen in den Ortsteilen aber auch in der Kernstadt mit Engpässen zu kämpfen. Man sei aber aktiv daran, dieses Problem zu lösen. "Wir haben bei allen Erweiterungen auf die Qualität geachtet und nicht einfach nur schnell, schnell gebaut", nannte Bürgermeisterin Laule einen Grund hierfür. Ein weiterer ist die Zunahme an Geburten in Radolfzell. Die Zeit der geburtenschwachen Jahrgänge ist vorbei. Derzeit sei man intensiv auf der Suche nach weiteren Räumlichkeiten – zur Miete auf für zehn Jahre. "Wir wollen deshalb mieten, weil wir das Mietverhältnis nach dieser Zeit aufkündigen können, sollten die Geburtenzahlen wieder sinken", erklärte Anette Hemmie.

Die Kinder und das Team des Kindergarten in Stahringen freuen sich, dass sie nun mehr Platz zum Spielen und Toben haben.
Die Kinder und das Team des Kindergarten in Stahringen freuen sich, dass sie nun mehr Platz zum Spielen und Toben haben. | Bild: Matthias Güntert

Schuld an den Engpässen sei auch die Erweiterung einiger Einrichtungen auf den Ganztagesbetrieb. Bürgermeisterin Laule rechnet vor: Eine Regelgruppe, die im Durchschnitt von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr geöffnet hat, hat 28 Plätze. Nach der Umstellung auf den Ganztagesbetrieb von 7 bis 17 Uhr reduziert sich die Anzahl auf 20 Plätze. Diese Zahl sei eine Vorgabe der Landesregierung. "Der Betreuungsbedarf ist einfach höher", machte Laule deutlich. So müsse beispielsweise ein Schlafplatz garantiert werden oder eine warme Mahlzeit über Mittag. Das Problem hierbei: Es gibt mehr Einrichtungen in Radolfzell als jemals zuvor, doch die Plätze haben sich durch die Umstellung auf den Ganztagesbetrieb oder auf Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit reduziert.

Neue Abenteuer für Stahringer Kinder

Davon ungeachtet freuen sich die Kinder in Stahringen ihren "neuen" Kindergarten nun endlich wieder uneingeschränkt in Beschlag nehmen zu können. "Für die Kinder waren die Bauarbeiten zwar ein Abenteuer", sagte Dagmar Lempp. Doch jetzt dürfen die Kids ihre eigenen Abenteuer bestreiten. Den dafür nötigen und modernen Platz zum Spielen und Toben haben sie nach der Sanierung nun.