Die Gerüchte waberten seit Kurzem durch die Stadt. Inzwischen ist es offiziell: Der Frischemarkt Günther in der Nordstadt ist geschlossen. Inhaber Hermann Günther öffnete seinen kleinen Nahversorger am Samstag zum letzten Mal. "Es lief nicht. Das Minus, das wir erwirtschaftet haben, war einfach zu groß. Es kommt einfach nicht genug dabei heraus", nannte Günther auf SÜDKURIER-Nachfrage die Gründe. Er habe die Reißleine ziehen müssen, auch um die benachbarte Metzgerei nicht zu gefährden.

Hermann Günther: "Die Auswahl in Radolfzell ist einfach zu groß"

Hermann Günther hatte den Frischemarkt erst vor zwei Jahren 2017 vom damaligen Inhaber Albert Schnee übernommen. Doch bereits im ersten Jahr habe der Markt nicht den erhofften finanziellen Erfolg erwirtschaften können. Innerhalb dieser Zeit sei man immer weiter in die roten Zahlen abgerutscht. So sei nach Angaben Günthers ein Minus von 120 000 Euro entstanden. Zuviel für den Geschäftsmann. "Die Auswahl in Radolfzell ist einfach zu groß, es gibt hier alles", sagt Günther. Auch ein Gespräch mit dem Handelsverband und einem Unternehmensberater habe ihn in seinem Beschluss bestärkt. Sein Pachtvertrag für die Räumlichkeiten des Frischemarktes läuft noch für drei Jahre.

Verschiedene Szenarien in der Prüfung

Im Moment gebe es verschiedene Szenarien, was im Frischemarkt passieren kann. "Es gibt mehrere Anfragen zur Untermiete, alle im Bereich Lebensmittel", verrät Hermann Günther. Das Angebot müsse aber zum Gebiet und den Menschen, die darin wohnen, passen.

Metzgerei bleibt offen

Eine gute Nachricht gibt es trotz der Schließung des Marktes dennoch: Die benachbarte Metzgerei Günther bleibt weiterhin geöffnet. "Gerade für die älteren Menschen in der Nordstadt wollen wir einen Teil der Nahversorgung aufrecht erhalten", sagte der Metzgermeister Günther. Auch Gespräche mit der Post und der Totto-Lotto-Annahmestelle über eine Wiedereröffnung in den Räumlichkeiten des ehemaligen Getränkemarktes laufen derzeit. "Noch ist aber nichts unterschrieben", sagt Günther. Wahrscheinlich sei eine Wiedereröffnung im März, so Günther weiter.

Edeka will auf das Schoch-Areal

Für die Nahversorgung der Nordstadt ist seit Längerem ein neuer Edeka auf dem ehemaligen Schoch-Areal im Gespräch. Laut der städtischen Pressestelle haben bereits mehrere Sitzungen mit dem Investor stattgefunden. Die Verwaltung erwartet in Kürze den Antrag zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans.

Schwerer Schlag für Seniorenrat

Für Xaver Müller, Vorsitzender des Seniorenrates, ist der geplante Edeka am Schochkreisel allerdings zu wenig: "Er ist für mobilitätseingeschränkte Menschen zu weit entfernt." Den Wegfall des Frischemarktes bezeichnete er als "schweren Schlag". Auch der soziale Kontakt gehe durch die Schließung verloren. Denn er sei auch ein Treffpunkt gewesen. Ohnehin sei der geplante Edeka für gehandicapte Menschen nur schwer zu erreichen, da die Unterführung zum Altbohl nicht behindertengerecht sei. "Zu einem Nahversorger gehört ein uneingeschränkter Zugang", kritisiert er. Laut Pressestelle werde eine barrierefreie Ertüchtigung gerade geprüft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit Unverständnis habe Müller zudem den Beschluss der Stadt zur Kenntnis genommen, im Zuge der Stadterweiterung Nord keinen Nahversorger zu integrieren. Er sieht die Stadt in der Pflicht: "Die Nahversorgung gehört auch zur Stadtentwicklung."