Ein Pfarrer hat nie Feierabend. Die Abende und die Wochenenden gehören stets der Gemeinde. Da muss die Familie manchmal zurückstecken. Ulrich Donner ist seit mehr als 52 Jahren Pfarrer, seit 50 Jahren verheiratet und nun auch noch stolze 80 Jahre alt geworden.

Das Leben als Pfarrer, Ehemann und Familienvater kennt er sehr gut. "Das schlechte Gewissen kam in den letzten Jahren, da ich vieles als selbstverständlich erachtet habe", sagt er mit Blick auf seine Frau Helga. Doch diese nickt lächelnd und sagt, es sei auch selbstverständlich gewesen, den Gatten zu unterstützen. Auch wenn es nicht immer leicht gewesen sei.

Kindheitserinnerungen, die für immer prägen

Ulrich Donner wird am 19. März 1939 in Pommern an der Ostsee geboren. In frühster Kindheit erlebt er den Zweiten Weltkrieg und das Kriegsende mit der Vertreibung durch die russischen Soldaten. Erinnerungen, die er nicht wieder loswird. "Dieses Gefühl der absoluten Hilflosigkeit hat mich mein Leben lang begleitet und beeinflusst. Das wollte ich nicht noch einmal erleben", erinnert sich der Pfarrer.

Also gestaltete er sein Leben aktiv. Bevor er sich für den Dienst in der evangelischen Kirche entschied, arbeitete er beim evangelischen Presseverband. Eine Karriere als Journalist reizte ihn Ende der Fünfzigerjahre auch. Doch über die Evengelistenschule Johanneum fand er den Einstieg in die Laufbahn als Pfarrer.

Sein Lebensmittelpunkt ist in Radolfzell

1967 kam Ulrich Donner nach Radolfzell, wurde in der neu gebauten Christuskirche ordiniert, heiratete kurze Zeit später Helga, eine Krankenschwester aus Konstanz. "Damals war die Suche nach Pfarrern sehr groß", erinnert sich der 80-Jährige. Er war erst als Jugendpfarrer im Bezirk Konstanz tätig, dann als Pfarrer der Christusgemeinde. Sein Einsatzgebiet als Jugendpfarrer war damals enorm groß, es reichte bis Markdorf und Stetten am kalten Markt.

Bis 1989 war Donner in der evangelischen Christusgemeinde aktiv, hat sich vor allem um die Jugendarbeit gekümmert. Er organisierte etliche Jugendfreizeiten im Sommer. Für viele Jugendliche war es der erste richtige Urlaub. "Mit den Eltern in den Ferien wegfahren war damals nicht sehr verbreitet. Unser Angebot wurde sehr gut angenommen", sagt Donner.

Gute Zusammenarbeit mit anderen evangelischen Pfarrern

Besonders gerne erinnert er sich auch an die Feier zum 1. Mai auf einer Hütte auf der Höri, mit einem schönen Fest für die gesamte Gemeinde. Gemeinsam mit den beiden Pfarrern Gerhard Stöcklin und Robert Krimm, die jeweils eine Zeit lang seine Kollegen waren, konnte Donner viel bewirken. "Unsere Zusammenarbeit war sehr gut und das hat sich auf die gesamte Gemeinde ausgewirkt", ist sich der 80-Jährige heute sicher.

Später gingen die Jugendfreizeiten auch ins Ausland. Eine besondere Freundschaft verband die Radolfzeller Gemeinde mit der Kirchengemeinde in Wittstock an der Dosse, damals noch in der DDR. Um der strengen Beobachtung des DDR-Regimes aus dem Weg zu gehen, habe man sich in Tschechien getroffen. "Wichtig war es, dass wir getrennte Unterkünfte hatten, damit keiner Verdacht schöpft", erzählt der evangelische Pfarrer.

Völkerverständigung und Freundschaft europaweit

Völkerverständigung und Freundschaften über Grenzen hinweg wollte Donner damit fördern. Immer wieder führten die Jugendfreizeiten ins Ausland und die Jugendlichen seien Neugierig gewesen auf die Nachbarn. "Heute geht es in der EU nur noch um wirtschaftliche Interessen, um Geld und Gesetze.

Doch damals ging es um die Menschen, die dort leben. Diese wollten wir kennenlernen", erinnert sich der 80-Jährige. Für viele Jugendliche war es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt gewesen. Und immer dabei zur Unterstützung war Ehefrau Helga, die für das gesamte Zeltlager gekocht hatte.

Wechsel nach Boxberg

Von 1989 bis 2009 war Ulrich Donner Dekan und Pfarrer im Kirchenbezirk Boxberg bei Würzburg. Auch dort führte er seine intensive Jugendarbeit fort und knüpfte vor allem Freundschaften nach Frankreich. 1999 ging Ulrich Donner in den Ruhestand und zog zurück nach Radolfzell in das Haus in Böhringen. Hier wollte das Paar, welches drei Kinder und acht Enkelkinder hat, ihren Lebensabend verbringen.

Ulrich Donner hat in seinem Ruhestand immer wieder phasenweise die Betreuung von christlichen Gemeinden in Namibia übernommen. Der Gottesdienst fand immer im Freien statt.
Ulrich Donner hat in seinem Ruhestand immer wieder phasenweise die Betreuung von christlichen Gemeinden in Namibia übernommen. Der Gottesdienst fand immer im Freien statt. | Bild: Privat

Doch der sehr sportliche Ulrich Donner ging in seinem Ruhestand noch einmal neue Wege. Über einen Bekannten fand er Kontakt zur evangelischen Gemeinde in Namibia. Dort gebe es immer Bedarf an Pfarrern, die für ein paar Monate oder ein ganzes Jahr die kirchlichen Aufgaben in der Region übernehmen. So zog Donner 2002 das erste Mal nach Afrika, um bei den weißen Afrikanern, wie sich die europäischstämmigen Bewohner in der mittlerweile achten Generation nennen, zu leben.

Er hielt dort sonntags den Gottesdienst, meistens im Freien, er taufte und vermählte. "Das Land ist sehr groß, aber rar besiedelt, die Menschen nehmen weite Strecken in Kauf, um am Gottesdienst teilnehmen zu können", erzählt der Pfarrer.

Neue Erfahrungen in Afrika

Doch auch er habe viel in Afrika gelernt. Die entspannte und stressfreie Lebensweise habe ihm sehr gefallen. Auch die Gastfreundschaft haben ihn und seine Frau stets begeistert. Bisher waren Ulrich und Helga Donner elf Mal in Namibia, jeweils für ein halbes bis ganzes Jahr. Bald wollen sie wieder hinfliegen und einige Zeit bleiben.

Aber ihr Leben in Böhringen ganz aufgeben kommt für die beiden nicht in Frage. Noch immer hält er ein Mal im Monat den Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche. Das Paar ist Teil eines ökumenischen Seniorenkurses, bei dem bei jedem Treffen über unterschiedliche Themen gesprochen wird. Das nächste Mal soll es über die Bedeutung von Kreuzen in der Religion und anderen Kulturen gehen.

Liebe für Oldtimer und Sport

Ein weiteres großes Hobby sind Oldtimer, die Ulrich Donner selbst restauriert. In dem Büro im ersten Stock des Wohnhauses in Böhringen hängen Bilder der vielen Motorräder und Autos, die Ulrich Donner im Lauf seines 80-jährigen Lebens besessen hat oder noch besitzt. Auf dem Rentnerbänkle sitzt der passionierte Langstreckenläufer noch lange nicht.

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