Am vergangenen Wochenende feierten Naturfreunde (NF) aus ganz Deutschland 90 Jahre Naturfreundehaus Markelfingen. Wie es sich bei einem Geburtstag gehört, wurde dieser mit vielen Geschenken, einer Torte und Musik gefeiert.

Doch die Feierlichkeiten wurden nicht nur genutzt, um sich über "Ort der Zuflucht, der Erholung und des Friedens" (Regina Schmidt-Kühner, stellvertretende Bundesvorsitzende) zu freuen, sondern die anwesenden Naturfreunde auch zu ermahnen, in der heutigen Zeit nicht wegzusehen, wenn Missstände herrschen. "Denn die Zerstörung der Natur ist auch ein Angriff auf die Menschheit selbst", so Schmidt-Kühner. Nicht nur auf die Natur müsse man achtgeben, sondern auch aufstehen – gegen Rassismus zum Beispiel.

Regina Schmidt-Kühner, stellvertretende Bundesvorsitzende der Naturfreunde, spricht nicht nur von den Errungenschaften der Naturfreunde, sondern ruft zur Aktion auf.
Regina Schmidt-Kühner, stellvertretende Bundesvorsitzende der Naturfreunde, spricht nicht nur von den Errungenschaften der Naturfreunde, sondern ruft zur Aktion auf. | Bild: Jennnifer Moog

Im Jahre 1930 bereits 8300 Übernachtungen

Daran solle auch das Heinrich-Weber Mahnmal, welches an diesem Wochenende auf dem Grund des Naturfreundehauses Markelfingen eingeweiht wurde, erinnern. Heinrich Weber, der als Vater dieses Hauses gilt, wurde im Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner politischen Einstellung verhaftet und starb bald darauf im KZ Mauthausen. "Das Mahnmal mahnt uns, aus der Vergangenheit zu lernen und nicht zu schweigen", fordert Ursel Georg, Landesvorstand der Naturfreunde Baden.

"90 Jahre, das ist ein Grund zum Feiern", fand Karin Höweler, Mitglied des Landesvorstandes der Naturfreunde. Man könne auf eine lange Geschichte des Naturfreundehauses zurückblicken, die nicht immer einfach war. Bereits 1921 habe man an den Plänen für den Bau eines Naturfreundehauses am Bodensee gearbeitet. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück hatte sich jedoch als schwierig erwiesen. Erst 1927 bot die Ortschaft Markelfingen den Naturfreunden das heutige Grundstück mitsamt einem kleinen Haus zum Kauf an. Im Dezember 1927 wurde der Kaufvertrag über das zirka 20 000 Quadratmeter große Grundstück unterschrieben, und bereits an Ostern des darauffolgenden Jahres konnte das Haus eröffnet werden. Wie Karin Höweler herausarbeitete, lief es sehr gut, denn bereits 1930 konnten 8300 Übernachtungen registriert werden.

Seit 2008 steht ein Neubau

Während der Zeit des Nazi-Regimes wurden die Hauswärter enteignet und das Haus von der SS beschlagnahmt. Doch bereits in den letzten Tagen des Krieges beanspruchten die Naturfreunde das Haus wieder für sich. Es sollte jedoch noch fast ein Jahr dauern, bis den rechtmäßigen Eigentümern das Haus wieder zurückgegeben wurde.

Die darauf folgenden Jahre waren durch verschiedene Um- und Neubaumaßnahmen geprägt. Im Jahre 1967 konnte das Grundstück auf über 40 000 Quadratmeter erweitert werden. Aufgrund des schlechten Zustandes des Haupthauses wurde 2007 beschlossen, einen Neubau zu wagen. Ein Grund für diese Entscheidung war auch die schlechte Energiebilanz des Gebäudes. Seit 2008 steht der Neubau.

Ortsgruppe zeichnet verdiente Mitglieder aus

"Das Naturfreundehaus ist nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Wunsch nach einer friedlichen Welt entstanden", erzählte Schmidt-Kühner. Es sei nicht leicht gewesen, 1928 ein Naturfreundehaus zu errichten. Umso stolzer dürften die Naturfreunde auf ihre Vorreiter sein. Gleichzeitig liege es auch in ihrer Verantwortung, diese Tradition fortzuführen.

Zwei Naturfreunde, die sich der Weiterführung dieser Tradition verschrieben hatten, sind Heidi Lorenz Schäufele und Erwin Renner. Beide wurden für ihre langjährige Tätigkeit bei den Naturfreunden mit der Heinrich-Coblenz- Medaille ausgezeichnet. "Ihr beide habt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Naturfreunde gegeben", so Markus Zähringer, Vorsitzender der Ortsgruppe Radolfzell. Wie beide bei Entgegennahme der Ehrung betonten, hätten sie das gerne getan, denn: "Naturfreunde sind Heimat". Genauso wie das Naturfreundehaus für viele Menschen zu einer Heimat geworden ist.