Die Altstadt hat in Radolfzell ihr eigenes Fest. Die drei Hausherren sowieso. Nun bekommen auch der Klimaschutz und die Nachhaltigkeit ihre eigene Veranstaltung. Am Samstag, 5. Oktober, heißt es von 11 bis 17 Uhr auf dem Gerberplatz im Rahmen des ersten Nachhaltigkeitsfestes der Stadt: Kochen satt Wegschmeißen, Tauschen statt neu Kaufen oder unverpackt statt Plastikmüll.

Stadt hat Klimaschutz auf der Agenda

„Wir müssen schonend, vernünftig und bewahrend mit unseren Ressourcen umgehen“, macht Oberbürgermeister Martin Staab beim Pressegespräch deutlich. Klima- und Umweltschutz mache auch vor der Stadtverwaltung nicht Halt. „Das Thema geht die gesamte Gesellschaft an. Die Bewegung Fridays for Future hat uns wach gerüttelt. Die Kinder und Jugendlichen helfen uns zurück in die Spur zu kommen“, glaubt Staab. Als Umweltstadt wolle man mit gutem Beispiel vorangehen. Dies zeige sich alleine auch daran, dass Radolfzell vier von 14 Projekten aus dem Stadtentwicklungsplan realisieren werde, die den Klimaschutz zum Ziel habe. Als Beispiel nannte OB Staab den Clean-Energy-Park Blurado. Ab dem Jahr 2020 solle es zudem kein Plastikgeschirr mehr an städtischen Festen geben.

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Bei der Premiere des Nachhaltigkeitsfestes erwartet Besucher eine bunte Mischung aus ehrenamtlichen Initiativen, die Nachhaltigkeit erlebbar machen. Vom Kleidertausch über Upcycling-Workshops und Informationsstände bis hin zu einem Nachhaltigkeits-Quiz – alle Beteiligten widmen sich dem Umweltschutzgedanken. „Mit der Veranstaltung sollen Bürger informativ mit interaktiven Angeboten und Spaß für eine Zukunft mit weniger Müll begeistert werden. Nachhaltigkeit muss Kult werden“, sagt Bürgermeisterin Monika Laule. Oberbürgermeister Martin Staab ergänzte: „Wir wollen die Menschen mit dem Fest sensibilisieren.“

Kein „Besserwisserfest“

Ein „Besserwisserfest“ solle nicht entstehen, wie die Organisatoren erklären, sondern eines zum Mitmachen. An zwölf Ständen können Interessierte mitmachen beim ersten Nachhaltigkeitsfest, voneinander lernen und gemeinsam ein ressourcenfreundliches Handeln für den Alltag erproben. „Vieles wird in einem direkten Gespräch ersichtlicher“, sagt Bürgermeisterin Laule. Das Café Connect wird sich mit einer Kleidertauschbörse beteiligen. Unter dem Motto „Kleidertausch statt Moderausch“ können dort Kleidungsstücke, die nicht mehr passen oder seit Jahren ungebraucht im Schrank hängen, getauscht werden. „Wir müssen Kleidung einfach länger tragen“, betont Susanne Schmidt vom Café Connect. Sie rechnet vor: Für die Herstellung einer normalen Jeans werden rund 11 000 Liter Wasser benötigt.

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Mitmachen kann bei der Kleidertauschbörse jeder: „Wir nehmen alles bis auf Unterwäsche“, sagt Schmidt. Bis zu fünf Kleider, allesamt sauber und ganz, können an die Kleiderstangen der Börse gehängt werden. „Für jedes Stück kann ein anderes mitgenommen werden“, so Schmidt weiter. Der BUND will die Veranstaltung nutzen, um auf das Artensterben aufmerksam zu machen. Laut Ingrid Kandler werde es deshalb viele Informationen rund um den Insekten- und Bienenschutz geben. „Unsere Artenvielfalt ist unverzichtbar“, sagte sie. Mit einem kleinen Garten, selbst auf Balkonen, könne man schon viel erreichen. Auf dem Fest werde den Teilnehmern gezeigt, wie etwa ein Insektenhotel oder ein Nistheilfe gebaut wird.

Mitmachen und mitnehmen

Wichtige Utensilien an diesem Nachmittag sind Schalen, Behälter und Flaschen. Diese können Besucher von daheim mitbringen, um ihre Kostproben gleich mit nach Hause zu nehmen, wie Elena Avagliano vom Safran betont. Das Bio-Restaurant sorgt für die Bewirtung. „Viele wissen gar nicht, was sie selbst daheim für den Klimaschutz tun können“, sagte sie.