Dass Musik in Radolfzell lebt und gelebt wird, hob OB Martin Staab in seiner Ansprache zum Start der 28. Internationalen Sommerakademie hervor: „Die Stadt wird mit Musik gefüllt, die Sommerakademie ist ein musikalisches Highlight unserer Stadt.“

Die drei Dozenten, die in zehn Tagen 19 Schüler in intensivem Einzelunterricht betreuen und in der ganzen Stadt Möglichkeiten bieten, sich öffentlich zu präsentieren, zeigten im Eröffnungskonzert erst einmal, was sie selbst als Meister auf ihren Instrumenten leisten. Zu gut drei Vierteln war der große Milchwerk-Saal mit erwartungsvollen Zuhörern gefüllt, und sie wurden nicht enttäuscht. Mit Mozarts G-Dur-Trio (KV 564) starteten Anke Dill (Violine), Gustav Rivinius (Violoncello) und Carmen Piazzini (Klavier) gleich mit stimmigem und frischem Spiel. Dabei ist es nicht einfach, im ursprünglich als Klaviersonate komponierten Werk die Stimmen gleichberechtigt auszubalancieren.

Unbändige Musizierlust

Kontrastreich schloss sich die Sonatine für Violine und Violoncello vom Schweizer Arthur Honegger an: Nach klassischem Beginn dann der Ausflug in die wilden 1930er Jahre. Die Sonatine beginnt mit düsterem Unisono des Duos, bevor ein rhythmisch-expressiver Mittelteil von der Zerrissenheit von Gefühl und Vernunft kündet. Das Andante ist ein klagendes Lamento, ungemein fein und kapriziös musiziert. Mit unbändiger Musizierlust spielen die Duopartner schließlich das quirlige, finale Allegro – eine ungleiche „Unterhaltung“ zwischen melodischen, aufpeitschenden Linien der Violine und harschen Akkordschlägen des Cellos. „Ein echter Rausschmeißer“, wie Rivinius eingangs erläuterte. So ging es durch das exzellente Spiel gelöst, für Künstler und Publikum in die wohlverdiente Pause.

Perfekt aufeinander bezogenes Spiel

Pianistin Carmen Piazzini führte danach in Maurice Ravels Trio von 1914 ein. So half sie vielleicht vielen, das nicht einfache Werk besser zu verstehen. Denn es ist dicht komponiert, und die Einzelstimmen sind nicht immer leicht zu verfolgen. Das ausgezeichnete und perfekt aufeinander bezogene Spiel des Trios provozierte begeisterten Applaus. Die Zugabe war ein ruhiger Menuett-Satz aus einem frühen Werk Ravels, der die Gemüter beruhigte und zufrieden in den Sommerabend entließ.

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