Die Markolfhalle wird nach dem Brand im Februar abgerissen und deutlich größer als Eineinhalbfach-Halle neu aufgebaut. Das hat der Gemeinderat Radolfzell mit 19 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und vier Enthaltungen beschlossen. Die Stadtverwaltung konnte sich mit ihrer Empfehlung nicht durchsetzen, zuerst für die zwei Szenarien Wiederaufbau mit einer kleinen Vergrößerung oder Abriss und Neubau einer Eineinhalbfach-Halle Entwürfe mit Kostenschätzungen einzuholen und dann zu entscheiden.

Ortschaftsräte melden sich zu Wort

Dass es in dieser Sitzung bereits zu einer Neubau-Entscheidung kommen wird, wie von der CDU beantragt, zeichnete sich schon früh in der Beratung ab. In der Bürgerfragestunde ergriffen die Markelfinger Ortschaftsräte Michael Jentsch und Andreas Blum das Wort. Sie forderten endlich eine Entscheidung: „Es ist höchste Zeit, dass wir darüber reden“, sagte Jentsch. Andreas Blum forderte: „Wir haben schon in den vergangenen Jahren Platznöte gehabt, bitte kein Flickwerk mehr für die nächsten Jahre.“

Die Liste der Leiden

Diese Einstimmung konkretisierte Ortsvorsteher und CDU-Stadtrat Lorenz Thum bei der Beratung der Verwaltungsvorlage. Seine Auflistung der Mängel der alten Markolfhalle und dem tatsächlichen Bedarf im Dorf bezeichnete FGL-Stadtrat Thilo Sindlinger etwas abschätzig als „Liste der Leiden“ (siehe Infokasten). Diese Liste zeigte bei den anderen Stadträten aber Wirkung. Thum beendete seine Rede mit den Worten: „Ich bitte im Namen des Ortschaftsrates, der Vereine und der Bürger von Markelfingen den Mehrbedarf anzuerkennen und schnellstmöglichst eine Lösung zu finden.“

Stadtrat Diehl kritisiert die Verwaltung

Bernhard Diehl legte für die CDU-Fraktion noch einmal nach und sparte nicht mit Kritik an der Verwaltung: „Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es ein CDU-Antrag war, dieses Thema zehn Monate nach dem Brand endlich in den Gemeinderat zu bringen.“ Diehl erinnerte an den Hallenbrand in Böhringen im Jahr 1981: „Damals ist die Halle am Samstag vor der Fasnacht abgebrannt.“ Innerhalb von zwei Jahren sei die Halle wieder aufgebaut worden. Aus dieser Erfahrung wisse er: „Es ist eine Katastrophe für den Ort, wenn man keinen Platz hat, sich zu treffen.“ Diehl drängte darauf, für den Neubau einer größeren Halle zu stimmen.

Lumbe: "Existentielle Situation für Markelfingen"

Dem pflichtete Norbert Lumbe für die SPD bei: „Es ist eine existentielle Situation für Markelfingen.“ Für seine Fraktion stehe fest: „Wir werden uns für den Neubau aussprechen.“ Dietmar Baumgartner (Freie Wähler) mochte sich nicht mit dem von der Verwaltung angegebenen Zeitkorridor von mindestens drei Jahren für die neue Halle abfinden: „Wenn man will, kann man das ganz schnell voranbringen.“

Sindlinger: "Die Augen sind größer als der Verstand"

Siegfried Lehmann (FGL) verstand nicht, „warum wir zehn Monate brauchen, um Varianten für eine Vorentscheidung zu beraten“. Er fragte die Verwaltung: „Warum geht das so lange? Das versteht man auch als Gemeinderat nicht.“ Sein Fraktionskollege Thilo Sindlinger sah den Neubau einer Eineinhalbfach-Halle mit Blick auf die Kosten kritisch. Den Wünschen der Markelfinger hielt Sindlinger entgegen: „Da sind die Augen größer als der Verstand.“

Die Kosten sind noch nicht ermittelt. Die Entschädigung der Versicherung fällt nach Angaben der Stadtverwaltung bei einem Neubau geringer als bei einem Wiederaufbau aus. Für den Neubau einer Eineinhalbfach-Halle wolle die Versicherung nur die Minimalentschädigung von rund 850 000 Euro zahlen, beim Wiederaufbau mit einer aufgestockten Fläche 1,35 Millionen Euro. Auch diese Zahlen seien nicht verbindlich, warnte FDP-Stadtrat Jürgen Keck.

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