Das Bühnenbild war passend inszeniert. Das Schlagzeug wurde von Totenköpfen gesäumt. Im Hintergrund hing das Logo an einem Banner. In silber und schwarz kündigten vier Buchstaben an, was an diesem Abend im Milchwerk geschehen sollte: Doro.

Die Königin des Heavy Metal, Doro Pesch, spielte vor einem fast vollen Milchwerk. Und wo Doro drauf steht, ist auch Doro drin. Was ihre Fans erwarten, das hatte die wohl bekannteste Metal-Sängerin der Szene auch dabei.

Doro hat sich die letzten Jahre und vielleicht Jahrzehnte kaum verändert

In Lederkluft gehüllt – genauer gesagt trägt Tierschützerin Doro nur Kunstleder – mit silbernen Ketten und Nieten behangen, ein Shirt mit einem Totenkopf-Motiv, ihre blonden Haare von der Windmaschine verweht, wirbelte Doro über die Bühne des Milchwerks. Sie sieht aus und klingt, wie man sie seit 36 Jahren kennt.

So lange steht die 55-Jährige mittlerweile auf den Bühnen der Welt. Die Zeit scheint beinah spurlos an ihr vorüber gegangen zu sein, das dunkle Make-Up und das grelle Licht der Bühne verbergen etwaige Alterserscheinungen. Und körperlich ist Doro ohnehin in Höchstform, wie sie im Interview im Vorfeld versichert hatte.

Gut drauf beim Konzert in Radolfzell: Doro im Milchwerk .
Gut drauf beim Konzert in Radolfzell: Doro im Milchwerk . | Bild: Jarausch, Gerald

Der Zahn der Zeit nagte allerdings an ihren Fans. Das Publikum war überwiegend männlich und im eher mittleren Alter. Das ehemals lange Headbanger-Haar ist hier und dort schütter geworden. Das geliebte Wacken-Shirt spannte über manchen Bäuchen.

Doch sind diese Art Oberflächlichkeiten in der Metal-Szene schlicht egal. Die Musik ist ein Lebensgefühl, und Doro verkörpert ihn wie kaum eine zweite Frau. Sie ist Stammgast auf Heavy-Metal-Festivals und weiß, die Menge zu begeistern.

Ein bisschen schwer hatte sie es mit dem üblicherweise eher reservierten Publikum in Radolfzell. Aber Doro wäre nicht seit 36 Jahren erfolgreich, wenn das für sie ein Problem wäre.

Eine Metal-Show wie sie im Buche steht

Für ihre Fans zieht sie alle Register, die seit Jahrzehnten zu einer ordentlichen Heavy Metal-Show dazu gehören. Immer wieder wird die Bühne und dunkles rotes Licht gehüllt. Eine gruselige Gestalt im Umhang wandert hinter der energiegeladenen Doro hin und her.

Sie selbst heizt dem Publikum mit einer Nebel-Pistole ein, während sie mal mit kratziger Stimme neue und alte Songs singt. Immer wieder die wütende Hand zur „Pommesgabel“ in die Luft gestreckt. Der Gruß der Heavy-Metal-Szene wird stets erwidert.

Gut drauf beim Konzert in Radolfzell: Doro im Milchwerk.
Gut drauf beim Konzert in Radolfzell: Doro im Milchwerk. | Bild: Jarausch, Gerald

Das wohl inszenierte Bühnenstück hat viele Unterhaltungselemente, die junge Newcomer-Bands vielleicht ablehnen würden. Eine vermummte Gestalt herumlaufen lassen hat schon etwas von Geisterbahn. Die Inszenierung des Erwartbaren ist aber sicher einen Teil des Erfolges von Doro. Und wirkt bei ihr in keiner Weise aufgesetzt.

Sie lebt für die Bühne. Ihre sympathischen Ansagen zwischen den Liedern vermitteln auch nach all den Jahren eine Begeisterung für das, was sie tut und das, was sie mit den Fans erlebt. Zwar alles schon einmal gesehen, alles schon einmal gehabt – aber genau das wollen ihre Anhänger.

Eine leidenschaftliche Metal-Sängerin, die ihre größten Hits singt, ohne sich selbst damit zu langweilen, wie es so vielen erfahrenen Künstlern nach einer Weile mit ihren eigenen Songs geht. Und Doro hat abgeliefert.

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