Die Bilanz nach über einem Jahr "Weckruf" fällt für die Initiatoren gemischt aus. Die Stadträte Bernhard Diehl für die CDU und Siegfried Lehmann für Freie Grüne Liste hatten Ende November 2017 mit einem offenen Brief das schlechte Klima im Rathaus und den Umgang des OB mit seinen Mitarbeitern angeprangert. Der Brief gipfelte in dem Vorwurf, es gebe illegale Aufzeichnungen von Mitarbeitergesprächen im Rathaus.

Die Arbeitsebene funktioniert wieder

Dieser Teil ist abgearbeitet. Auch für Lehmann und Diehl ist das ein Erfolg des offenen Briefs. "Es hat sich was bewegt, die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet", sagt Lehmann. Konkret ging es um eine E-Mail, in der OB Martin Staab selbst behauptete, Gespräche mit der Bürgermeisterin Monika Laule aufgezeichnet zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, beschlagnahmte einen Computer, um dann im September festzustellen, dass es keinen hinreichenden Tatverdacht auf eine Straftat gebe. Zuvor gab es schon das Vermittlungsverfahren (Mediation) zwischen dem OB und seiner Bürgermeisterin. Für Diehl ist das eine weitere positive Folge des offenen Briefs: "Damit ist das Verhältnis zwischen den beiden wieder auf eine Arbeitsebene gestellt worden, so dass es funktioniert."

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Schwieriger wird es beim Überbau des "Weckrufs", wollten die 14 Unterzeichner doch einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit der Belegschaft des Rathauses. In ihrem Brief schlossen die Stadträte mit der Forderung: "Wir erwarten deshalb, dass OB Martin Staab seine Personalpolitik deutlich verändert und mit dem Gemeinderat nach Wegen sucht, damit die Verwaltung motiviert und engagiert ihren Aufgaben nachgehen kann."

Die Stadt als Arbeitgeber

In diesem Punkt sehen beide Fraktionssprecher keinen grundlegenden Wandel nach einem Jahr Beobachtung. Für diese Einschätzung gebe es entsprechende Rückmeldungen aus den Reihen der Mitarbeiter. Die Attraktivität der Stadt als Arbeitgeber bleibe begrenzt: "Nach meinem Wissen gibt es nach wie vor keinen neuen Stadtplaner", merkt Bernhard Diehl an.

An diesem Punkt setzte die Kritik von OB Staab an dem offenen Brief an. Er bemerkte, dass dessen Veröffentlichung nicht hilfreich bei der Suche nach einem neuen Stadtplaner gewesen sei. Für Siegfried Lehmann ist das ein absurder Vorwurf: "Das liegt nicht am offenen Brief, sondern daran, wie mit Mitarbeitern umgegangen wird." Bernhard Diehl erinnert die Kritik an ein Kartenspiel: "Da wird täglich der Schwarze Peter verschoben."

Entscheidendes Signal

Diehl wie Lehmann sind überzeugt, dass der offene Brief ein entscheidendes Signal für das Personal war. "Da wären Dämme gebrochen, wenn wir nichts gemacht hätten", glaubt Diehl. Und Lehmann sieht das Grundproblem im Rathaus als nicht behoben an: "Es ist zuwenig Vertrauen und Wertschätzung in die Arbeit der Belegschaft da."

Mit ihrem Weckruf und dem Durchbrechen "der Mauer des Schweigens" haben sich die Fraktionssprecher nicht nur Freunde im Gemeinderat gemacht, vor allem aus den Reihen der Freien Wähler kam deutliche Kritik. "Wir waren schon die bösen Buben", sagt Lehmann. Bernhard Diehl hält die Entscheidung, mit der Debatte über das Arbeitsklima im Rathaus an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, nach wie vor für richtig. Natürlich sei er gefragt worden, ob das hätte sein müssen. Für ihn steht nach mehr als einem Jahr aber fest: "Es gab keinen anderen Weg, als in die Öffentlichkeit zu gehen." Sonst hätte es keine Vermittlung zwischen dem OB und der Bürgermeisterin gegeben.

Stadträte wollen wachsam bleiben

Für Lehmann ist das Thema nicht abgehakt: "Wir bleiben wachsam." Die Drähte in die Verwaltung hinein seien da: "Es gibt keine Brandmauer." Die Zufriedenheit der Mitarbeiter habe für sie als Stadträte eine hohe Priorität. Es gebe Anzeichen auch nach der jüngsten Personalversammlung, dass man davon ein gutes Stück weit entfernt sei. Diehl ergänzt: "Wir wollen die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung gewährleistet wissen." Der CDU-Stadtrat verspricht: "Wir kümmern uns."

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