Der mit dem Narrenbaum tanzt, ist in Radolfzell Oberholzer Roland Zimmer. Auf seinem Ritt auf dem Narrenbaum – oder auf Radolfzellerisch Narrebom – von der Bismarkstraße auf den Marktplatz kam er nur ganz selten ins Straucheln. Kein Wunder. Der Narrenbaum ist in diesem Jahr besonders lang.“Sicher 36 Meter, eher mehr“, berichtete der Oberholzer der Holzhauergilde. Und deshalb ist er auch dicker und schwerer als ein Radolfzeller Durchschnittsnarrenbaum mit 33 Metern Länge, wie er in den vergangenen Jahren meistens von den Holzern der Narrizella auf dem Marktplatz hochgezogen worden war.

Da lässt es sich für Holzer Zimmer besser auf dem Stamm balancieren, wenn der Durchmesser des Narrenbaums mehr Standbreite hergibt. Eine Tücke birgt allerdings so ein ganz langer Narrenbaum, er ist nicht so leicht um die Kurven zu manövrieren. Weil so ein Sattelzugfahrer meinte, er müsste mit seinem Kraftfahrzeug am Schmutzige Dunschtig kurz vor Halbvier in die Bismarkstraße fahren, zog er halt den Kürzeren und hatte vorübergehend auf dem Gehweg zu parken. Auch eine Audifahrerin wählte an der Kreuzung Schützenstraße/Teggingerstraße erst den Rückwärtsgang, als sie sah, mit welchem Langholz die Holzhauergilde sich vorwärts bewegte. Erst dann hat gutes Zureden genützt. „Etzt kummt de Narrebom“, ist in der Fasnacht 2018 ein ganz spezielles Ereignis in der Radolfzeller Innenstadt gewesen. Das Aufstellen des mindestens 36 Meter langen Narrenbaums brauchte dann auch seine längere Zeit. Kurz nach Fünf und fast schon duster am Himmel über dem Münster meldeten alle Beteiligten auf dem Marktplatz: „Etzt schtoht de Narrebom.“

Pfarrhaus-Session

Während unten auf dem Marktplatz die Holzhauergilde der Narrizella Ratoldi den fürstlichen Narrenbaum am Österreichischen Schlösschen in die Höhe zog, gaben sich einige Narren auf Einladung von Stadtpfarrer Michael Hauser im Pfarrhaus die Türklinke in die Hand. Im Empfangssaal im ersten Obergeschoss mit bester Aussicht auf den Narrenbaum in jeder Aufstellphase, Münster und Östereichischem Schlösschen fehlte nur noch etwas Musik. Denn die Narrenmusik der Narrizella spielte ja in Richtung Rathaus, das verhallte in den heiligen Hallen. Das Vakuum füllte – die Froschenkapelle.

Video: Becker

Doch mit viel Wehmut, wie Kapellmeister Tobi Franz gleich verkündete: Sie kämen zum ersten Mal beim Narrenbaumsetzen der Narrizella ins Pfarrhaus und gleich zum letzten Mal, so lange Michael Hauser hier noch Stadtpfarre sei. „Das tut schon weh“, sagte Tobi Franz, der sehr bedauerte, dass Hauser Radolfzell im Sommer verlassen wolle. Die Froschenkapelle, die extra von Pfarrer Hauser für diesen Anlass eingeladen worden war, revanchierte sich mit einem gefühlsbeladenen Stück aus dem Kölner Karneval, die „Superjeilezick“ von der Gruppe Brings, arrangiert für Bläser, Percussion und Froschenstimmen. Pfarrer Hauser hat die Musiker der Froschenkapelle übrigens bei der Weihe eines neuen THW-Wagens kennengelernt. Spontan habe er sie gefragt, ob sie „Großer Gott“ spielen könnten? Sie konnten und der Radolfzeller Stadtpfarrer wusste: „Das muss doch ein frommer Verein sein.“