Vorerst gute Nachrichten für den Badesommer am Böhringer See: „Bei der Beprobung letzte Woche wurden an der Oberfläche keine Cyanobakterien mehr festgestellt“, so Dr. Helmut Eckert, Leiter des Gesundheitsamtes auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Auf Sichttiefe und Schlieren achten

Bereits seit 19. Juli ist der Böhringer See nach einem neuntägigen Badeverbot wieder freigegeben. „Wir hängen natürlich mit der Auswertung der Ergebnisse immer hinterher. Vorhersagen für die Zukunft können wir nicht machen. Der See hat die Gefahr, dass Blaualgen auftreten können und jeder muss für sich entscheiden, ob er darin badet“, so Eckert.

Auf zwei Dinge sollte man achten: Bei einer Sichttiefe von weniger als einem Meter wird zur Vorsicht geraten, ebenso wenn typische bläulich-grüne oder rötliche Schlieren auftreten.

32 Verbote und 88 Warnungen

Böhringen ist mit der latenten Blaualgen-Gefahr im Böhringer See nicht allein. Zu viele Nährstoffe und die hohen Temperaturen führen dazu, dass an vielen Seen wieder Badeverbote ausgesprochen werden mussten.

Nach Recherchen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde im Zeitraum vom 1. Juli bis 12. August dieses Jahres mindestens an 32 Orten das Baden wegen Blaualgen verboten. An 88 weiteren Stellen wurde Warnungen ausgesprochen. Und der Sommer ist noch nicht vorbei.

Zahl der Vorfälle gestiegen

„Blaualgen sind ein deutliches Zeichen, dass unsere Gewässer in einem ökologisch kritischen Zustand sind“, erklärt Laura von Vittorelli, BUND-Expertin für Gewässerpolitik. Die Zahl der Blaualgenvorfälle sei in den vergangenen Jahren rasant angestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung des BUND Deutschland.

Waren es früher maximal 18 Vorfälle im Jahr, gab es 2018 insgesamt 47 Verbote – eine Zahl, die dieses Jahr vermutlich auch wieder erreicht werden wird. Überdüngung, insbesondere in Folge der industriellen Landwirtschaft, plus Hitzestress sei ein idealer Nährboden für Blaualgen und führe zu den Verboten und Warnungen.

Ökosystem See könnte umkippen

Laura von Vittorelli weiter: „Wir beobachten diese Entwicklung im zweiten Hitzesommer in Folge mit großer Besorgnis. Die konstant hohe Belastung kann zu einem Umkippen des Ökosystems See führen. Damit dieser Zustand in Zeiten der Klimakrise nicht zur Normalität wird, ist schnelles und umfangreiches Handeln aller Beteiligten erforderlich.“

„Wenn wir uns auch in Zukunft bei der Hitze abkühlen wollen, müssen wir dringend unsere Seen und Flüsse wieder in einen guten Zustand bringen. Der dringendste Schritt ist, den Düngeeintrag zu verringern“, so von Vittorelli. „Die bislang eingeleiteten Schritte im Düngerrecht reichen hierzu bei weitem nicht aus.“

Die BUND-Recherche und Chronik mit dokumentierten Blaualgenvorfällen im Zeitraum von 1. Juli bis 12. August 2019 kann im Internet in einer PDF-Datei nachgelesen werden.