Nach dem ersten Semester unter einem Dach ziehen die Verantwortlichen der Volkshochschule eine positive Bilanz. Seit Juli 2016 ist die Radolfzeller Volkshochschule Teil der neuen Volkshochschule Landkreis Konstanz. "Es hat sich bewährt, den Zusammenschluss zu suchen", so das Resümee von Bürgermeisterin Monika Laule. Der Übergang sei gut vonstatten gegangen. Das bestätigt auch Uwe Donath, der ehemalige Leiter der Radolfzeller Volkshochschule, der nun als Hauptstellenleiter weiter die Bildungsangebote in Radolfzell verantwortet. "Die Fusion ist geglückt. Ich hatte zum Beispiel noch nie so schöne Materialien – das haben wir uns als kleine Volkshochschule einfach nicht leisten können."

Donath und seine Kollegin Irene Schüssler aus der Geschäftsstelle sind auch für die Dozenten und Teilnehmer der VHS-Kurse weiterhin die bewährten Ansprechpartner. Ein Umstand, der zum Beispiel Immacolata Labella-Gerardi, die seit über 20 Jahren in Radolfzell Italienisch unterrichtet, wichtig war. In all den Jahren hat sie eine Verbundenheit zur Bildungseinrichtung entwickelt. "Das ist meine VHS, das sind meine Teilnehmer im Kurs", sagt sie. Für sie sind die Vorteile der Fusion klar: "Gemeinsam sind wir stärker." Für Labella-Gerardi und ihre Kollegin Tina Wehde, die Sportkurse gibt, ist die Fusion mehr oder weniger geräuschlos verlaufen. "Da geht unser Dank auch an die Stadt Radolfzell", sagt VHS-Geschäftsführerin Nikola Ferling. "Wir konnten zum Beispiel problemlos in bestehende Verträge einsteigen, sodass Sportkurse weiter in den gleichen Räumen angeboten werden konnten."

Zum Pressegespräch hatten Ferling und ihre Stellvertreterin Dorothee Jacobs-Krahnen auch zwei VHS-Teilnehmerinnen aus Radolfzell eingeladen. Marianne Grünberg berichtete von der ersten Verunsicherung, als die Fusion anstand. "Ich habe mich schon gefragt, ob man sich noch zurecht finden wird. Und dann habe ich von der Fusion gar nichts gemerkt!" Genau wie Hildegard Priotto nimmt sie an einem wöchentlichen Sportkurs teil. Für beide Frauen ist die Volkshochschule Teil des Alltags, werden die Teilnehmer in den Kursen zu guten Bekannten. "Wir finden es schade, wenn die Halle in den Fasnachtsferien belegt ist und wir keine Fitness machen können", erzählt Hildegard Priotto. Dass die Volkshochschule neben dem Bildungsauftrag auch einen sozialen Auftrag hat, betont Nikola Ferling. "In den Kursen kommen Kontakte zustande."

Was bringt das neue Semester für Radolfzell? Das Programm ist wieder vielfältig. Beibehalten werden die Vorträge, die erst seit der Fusion in Radolfzell angeboten werden. Elf an der Zahl sind es im Frühjahr-/Sommersemester. Wegen des Stadtjubiläums, das Radolfzell das ganze Jahr in Atem hält, sind es etwas weniger als im vergangenen Semester, erklärt Dorothee Jacobs-Krahnen. Im Rahmen der neuen Reihe Literatur und Lesungen finden zwei Lesungen auch in Radolfzell statt.

Ein Schwerpunkt ist das Jahr der Religionen, vor dem Hintergrund des Konziljubiläums in Konstanz. Unter dem Motto "Du kannst die Welt nicht verstehen ohne die Religion(en)" finden zahlreiche Vorträge und Kurse im ganzen Landkreis statt, darunter auch "Himmlisch kochen mit der Bibel" – das Motto bietet viel Spielraum. Und wer die Sommerferien gern am Bodensee verbringt, statt in die Ferne zu schweifen, kann sich im Programm am Sonnensymbol orientieren – dieses zeigt das Sommerprogramm an. Das Ferienprogramm für Erwachsene gewissermaßen.


Der Semesterauftakt findet am Freitag, 3. März, 19.30 Uhr im Bürgerhaus Adler Post in Stockach statt. Dr. Wanja Wolff erklärt dort, wie Willensanstrengung im Kopf aussieht.


Zahlen und Hintergründe zur Volkshochschule im Landkreis

  • Die Fusion: Die Volkshochschule Landkreis Konstanz ist ein Verein und besteht aus den ehemals eigenständigen Volkshochschulen Singen-Konstanz und Radolfzell. Die Fusion wurde zum 1. Juli 2016 offiziell. Über den Zusammenschluss diskutiert wurde schon seit Jahren. Über Gespräche kamen beide Seiten indes lange nicht hinaus. Den Radolfzeller Kommunalpolitikern war die weiterbildungspolitische Eigenständigkeit stets einiges Geld wert.
  • Die Kosten: Geld kostet die Vereinszugehörigkeit in der Volkshochschule natürlich weiterhin: Der Radolfzeller Mitgliedsbeitrag liegt für das Jahr 2017 bei genau 113 377 Euro. Hinzu kommen Sonderzuschüsse für fusionsbedingte Kosten, und zwar für das laufende Jahr 24 000 Euro, für 2018 noch einmal 12 000 Euro. "Danach fallen laut Fusionsvertrag vom keine weiteren Sonderzuschüsse an", so die Information der städtischen Pressestelle. Die VHS des Landkreises finanziert sich zur Hälfte über Mitgliedsbeiträge, außerdem über die Zuschüsse der Städte Konstanz, Radolfzell, Singen und Stockach und des Landkreises. Projektgelder kommen aus Bundes- und Landeszuschüssen.
  • Die Bildungseinrichtung: Mit über 3000 Veranstaltungen im Jahr ist die VHS Landkreis Konstanz die größte Weiterbildungseinrichtung der Region. In 28 Außenstellen im ganzen Landkreis können 280 000 Einwohner die Bildungsangebote nutzen. Im kommenden Semester, das am Montag, 6. März beginnt, finden insgesamt 1719 Kurse statt, das entspricht 35 568 Unterrichtseinheiten. In Radolfzell alleine finden 240 Kurse statt. Darunter 21 aus dem Fachbereich Gesellschaft, 26 unter Kultur, 80 Kurse unter dem Oberbegriff Gesundheit und allein 28 Deutschkurse.
  • Mitmachen: Das umfangreiche Programm für das Frühjahr- und Sommersemester liegt zum Beispiel in der VHS-Hauptstelle in der Güttinger Straße 19 in Radolfzell, aber auch in Rathäusern und Ortsverwaltungen oder Banken und Sparkassen aus. Anmeldungen zu den Kursen sind vor Ort in den Geschäftsstellen (zu den jeweiligen Öffnungszeiten), telefonisch (in Radolfzell unter 07732/893 48-62) und auch über die Homepage der Volkshochschule möglich. (aa)
Informationen im Internet:  www.vhs-konstanz-singen.de