Bei dem Namen Friedenslicht könnte man meinen, dass am Gefallenendenkmal auf dem Luisenplatz künftig eine Kerzen brennen wird. Dem ist aber nicht so: Denn hinter dem Friedenslicht steckt eine Rosenart. „Im Arbeitskreis ist die Idee entstanden, das Denkmal mit Rosen zu bepflanzen, mit dem Ziel, ihm sein martialisches Äußeres zu nehmen“, sagte Oberbürgermeister Martin Staab im Rahmen eines Pressegespräches am Mittwoch.

Der Kulturausschuss habe dieses Bestreben unterstützt. Ende 2018 beschloss der Gemeinderat die Pflanzung von weißen Rosen.

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Wie Mario Jost von den Technischen Betrieben mitteilt, handelt es sich beim Friedenslicht um eine Strauchrose. Bis in zwei Jahren soll sie eine Höhe von fünf bis sechs Meter erreicht haben. „Wir bekommen sie schon groß gezogen“, verspricht er. Zusätzlich zum Strauch des Friedenslichtes wurden noch vier so genannte Ramblerrosen gepflanz, die ebenfalls sehr schnell wachsen.

Denkmal soll nicht versteckt werden

Dass die Stadtverwaltung die Pflanzung der Rosen auf den Mittwoch gelegt hatte, war kein Zufall, wie OB Staab betonte. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. „Der Tag wurde bewusst gewählt. Er erinnert jährlich an den Neuanfang in Deutschland und Europa sowie an die doppelte Befreiung von Krieg und den Nationalsozialisten“, sagte Staab.

Er bezeichnete die Umhüllung des Gefallenendenkmales als richten Schritt, dem eine jahrelange Diskussion in den verschiedensten Gremien vorausging. „Wir wollen das Denkmal nicht verdecken, sondern es auf eine andere Art und Weise sichtbar machen“, so Staab weiter.

Die Mitglieder des Präventionsrates wohnten der Pflanzung des Friedenslichtes vor dem Gefallenendenkmal bei. Bild: Matthias Güntert
Die Mitglieder des Präventionsrates wohnten der Pflanzung des Friedenslichtes vor dem Gefallenendenkmal bei. | Bild: Matthias Güntert

Auch für Bürgermeister Monika Laule ist die Pflanzung der Rosen auf dem Luisenplatz ein wertvoller Schritt, um sich mit der wechselhaften Historie von Radolfzell auseinanderzusetzen. „Dies ist auch insofern wichtig, weil man sich mit der Vergangenheit in Radolfzell längere Zeit nicht vorbildlich auseinandergesetzt hatte“, kritisierte sie.

Dies habe sich 2015 geändert, als der Kulturausschuss den ersten Leitsatz und sechs Leitlinien für ein zeitgeschichtliches Erinnern und Gedenken geschaffen habe. „An diesen Grundsätzen orientiert sich die gesamte Erinnerungskultur in Radolfzell„, so Laule weiter. Als Grundsatz gelte: Geschichte solle für die Bürger lebendig, erfahrbar und sichtbar gemacht werden.

Liste der Ideen war lang

Sowohl OB Staab als auch Bürgermeisterin Laule verwiesen darauf, dass es in der Vergangenheit viele Ideen gab, wie man mit dem Gefallenendenkmal umgehen solle: Von versetzen, im Boden versenken, abreißen oder den Platz mit erklärenden Tafeln versehen. „Im Zentrum unserer Erinnerungskultur steht immer das Kommentieren und Erklären, nicht das Verschweigen oder Entfernen“, betonte Laue.

So sei man auch bei weiteren belasteten Plätzen, wie etwa der Lettow-Vorbeck-Straße oder der Erinnerungsstätte beim RIZ, verfahren. Manche Ideen, so gab Laule unumwunden zu, habe einen allerdings auch zum Schmunzeln gebracht.

Laule will Volkstrauertag auf dem Luisenplatz

Eine deutliche Meinung vertrat sie mit Hinblick auf die Überlegung, den Volkstrauertag vom Luisenplatz zu verlegen. Das Vorhaben wurde im Gemeinderat diskutiert, fand dort aber keine notwendige Mehrheit. Der richtige Beschluss, wie Monika Laule befindet. „Der Luisenplatz ist der richtige Ort hierfür“, sagte sie.

Dennoch gehe sie davon aus, dass das Thema noch nicht abgeschlossen sei und bei den Akten liege. Vielmehr rechnet Laule mit weiteren Diskussionen.

Angesprochen auf die Tatsache, dass der Luisenplatz in der jüngsten Vergangenheit immer wieder einmal zum Treffpunkt für rechtsorientierte Gruppierungen wurde, entgegnete Laule: „Wir können und müssen dazu aufrufen, sich an Veranstaltungen wie dem Friedensfest zu beteiligen, sich so zu positionieren und dem Rechtsdruck zu entgegenzustehen.“