Die Begründung von Oberbürgermeister Martin Staab, warum er Thomas Nöken jetzt zum Leiter des Baudezernats in der Stadtverwaltung Radolfzell ernannt hat, kam für einige Stadträte überraschend. Auf Anfrage dieser Zeitung hatte Staab erklärt, die Änderung des Organisationsschemas sei "auf Wunsch des Gemeinderats" erfolgt. Bisher war Nöken stellvertretender Leiter und der OB offiziell Leiter des Baudezernats. Siegfried Lehmann von der Freien Grünen Liste (FGL) hakte in der Sitzung diese Woche nach. Er könne sich nicht erinnern, dass der Gemeinderat diesen Wunsch geäußert habe.

Doch OB Staab beharrte darauf: "In einem Schreiben an mich hat die Mehrheit des Gemeinderats mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter in der Verwaltung gefordert, dem bin ich nachgekommen." Helmut Villinger (CDU) sprang seinem Stadtratskollegen bei: "Ich finde diese Äußerungen nicht in Ordnung, es gibt keinen Gemeinderatsbeschluss in dieser Sache." Zudem sei Personal Sache des OB "und nicht die des Gemeinderats", sagte Villinger. Staab nahm in seiner Erwiderung offensichtlich Bezug auf den offenen Brief der 14 Stadträte im Dezember 2017, indem die Personalpolitik im Rathaus in einem "Weckruf" angeprangert wurde. In diesem Brief war erstmals von illegalen Gesprächsaufzeichnungen die Rede, die dann Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen OB Staab auslöste. Die Ermittlungen dauern an, die Polizei ist damit beschäftigt, beschlagnahmte Rechner aus dem Rathaus auszuwerten.