Dieser Fall stellte Polizei und Ärzte vor ein Rätsel: Tagelang war nicht bekannt, wer der Mann ist, der auf dem Weg zwischen Radolfzell und Stuttgart sein Gedächtnis verlor. Jetzt ist das Rätsel gelöst. Nach Angaben der Polizei haben sich Verwandte des Mannes aus der Schweiz und Berlin gemeldet. Sie hatten ihn über ein Fahndungsfoto der Polizei in den Sozialen Netzwerken entdeckt, in denen auch der SÜDKURIER über den Mann ohne Gedächtnis berichtet hatte. "Übereinstimmenden Angaben und weiteren Überprüfungen zufolge handelt es sich bei dem bisher Unbekannten um einen 59-jährigen in der Schweiz lebenden Deutschen", heißt es in der Mitteilung der Polizei Konstanz.

Polizei suchte tagelang nach Hinweisen

Seit mehr als einer Woche hatte die Vermisstenstelle der Polizei nach Anhaltspunkten gesucht, nachdem sich der Mann bei der Bahnhofsmission Stuttgart gemeldet hatte. Bundesweit glich das Landeskriminalamt Daten ab, um Hinweise zu erhalten. Doch auch das blieb ohne Erfolg. Das Schicksal des Mannes bewegte auch zahlreiche SÜDKURIER-Leser.

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Dass ein Mensch gleichsam über Nacht sein Gedächtnis verliert, kann durchaus passieren. Mediziner sprechen dann von einer Amnesie, einem Gedächtnisverlust. Dieser Vorgang kann auf einer starken psychischen Erschütterung, einem Trauma fußen, wie der langjährige Allgemeinarzt Helmuth Uhl aus Lauchringen gegenüber dem SÜDKURIER erläutert. Denkbar sei auch eine neurologische Veränderung etwa infolge einer Durchblutungsstörung der entsprechenden Hirnregion.

Warum fuhr der Mann mit dem Fahrrad nach Stuttgart?

Zwar scheint die Identität des Mannes ohne Gedächtnis geklärt zu sein. Trotzdem gibt es noch Fragen in diesem Fall. Etwa die nach den Gründen für das Verschwinden des 59-Jährigen und warum er mit dem Fahrrad die weite Distanz von Radolfzell nach Stuttgart hinter sich brachte.

Ähnlicher Fall im Allgäu

Nachrichten über Menschen, die ihr Gedächtnis verloren haben, gibt es immer wieder. Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor drei Jahren, als ein Mann im Allgäu auftauchte, ohne noch zu wissen, wer er war. Auch hier führte die Öffentlichkeitsfahndung der Polizei nach kurzer Zeit zum Erfolg: Dabei handelte es sich um einen Lastwagenfahrer aus der Schweiz. Der Neurologe Martin Hecht vom Bezirkskrankenhaus in Kaufbeuren verwies damals in einem Interview ebenfalls auf eine ganze Reihe von möglichen Ursachen für den Gedächtnisverlust. Von diesen hänge es auch ab, ob ein Mensch wieder sein Gedächtnis zurückbekommen kann. Dabei können auch Angehörige helfen, so der Professor, beispielsweise wenn sie sich mit dem Menschen treffen. "Oft kommen, wenn ein Teil der Erinnerung aufgefrischt wird, auch andere Teile wieder zurück," sagte Hecht.