Vorsitzender muss als Privatperson haften

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Diese Erfahrung musste Oliver Preiser, Vorsitzender des FC Radolfzell, am eigenen Leib machen. Durch seine Funktion wurde er als Privatperson für die finanziellen Verfehlungen des Vereins vor drei Jahren haftbar gemacht. Vom Gericht wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Nur durch eine außergerichtliche Einigung entging Preiser knapp einer Vorstrafe. Diese hätte für ihn das berufliche Aus bedeutet. "Mit einer Vorstrafe wegen der Hinterziehung von Sozialleistungen hätte ich meinen Beruf in der Finanzbranche verlieren können", sagt er.

Spielergelder falsch abgerechnet

Eigentlich wollte der FC Radolfzell das Kapitel Zollfahndung abschließen und nach vorne blicken. Schon während der Hauptversammlung im vergangenen Jahr habe man den Abschluss der Geschichte verkündet. Man habe damals sicher Fehler gemacht, räumt der FC-Vorsitzender ein. Und das nicht mit kriminellen Absichten, sondern wegen fehlender Sachkenntnis und mangelnder Beratung. Am 16. September 2015 durchsuchten Zollbeamte Geschäftsräume des Fußball-Clubs. Dabei wurden einige Unregelmäßigkeiten entdeckt. Zum Beispiel hätten Spieler-Prämien ab einer Höhe von 450 Euro über eine Lohnabrechnung als Mini-Job abgerechnet werden müssen, was der FC versäumt hatte. Auch bei der Abrechnung von Kilometergeld habe man Fehler gemacht. Die Hinfahrt habe mit einem anderen Steuersatz berechnet werden müssen als die Rückfahrt, Fahrten zum Training wiederum anders als zu Spielen. Dies alles wolle man zukünftig besser machen.

Hinweis an den Zoll kam aus den eigenen Reihen

Doch der endgültigen Aufarbeitung steht nun eine neue Information im Weg, die Oliver Preiser in der diesjährigen Hauptversammlung den Mitgliedern eröffnet: "Ein nahestehendes FC-Mitglied hat uns anonym angezeigt." Dieser Schock sitzt tief. Denn die Liste der Vorwürfe des unbekannten Hinweisgebers sei lang und völlig frei erfunden, sagt Preiser. Unter anderem sollen Spieler Schwarzgeld erhalten haben, welches Preiser durch einen Privatkredit finanziert haben soll, die Einnahmen des Vereins aus dem Hausherrenfest seien ebenfalls in bar in die Taschen der Spieler geflossen und Spieler aus Konstanz, die mit dem Bus angereis wären, hätten dennoch Kilometergeld abgerechnet. Vorwürfe, die sich auch nach der Prüfung durch die Zollfahndung, nicht bestätigt haben.

Preiser warnt andere Vereine

Trotz allem ließ sich Preiser als Vorsitzender des FC Radolfzell wieder zur Wahl aufstellen und ist auch einstimmig wiedergewählt. Für ihn wiege die Verbundenheit zum Verein mehr als die juristischen Probleme, die er als Vorsitzender bekommen hat. Dennoch sei sein Beispiel eine Warnung für alle Vereine, findet Preiser. Laut dem FC-Vorsitzenden liefen fast alle Vereine, die mit Geld zu tun haben, Gefahr, Fehler in ihrer Finanzarbeit zu machen. Das Regelwerk sei kompliziert, für Laien kaum zu verstehen. "Die Trefferquote der Zollfahndung in Vereinen ist sicher sehr hoch", so Preiser. Eine Hilfestellung sollen Fortbildungen sein, die jedoch wieder in der Freizeit absolviert werden müssen. "Da verliert das Wort Ehrenamt ganz schnell an Bedeutung", sagt er. Der FC Radolfzell habe seine Lehren aus der Situation gezogen. Für Spieler gebe es maximal 200 Euro im Monat, das liege noch im steuerlichen Freibetrag.

Verein plant Neubau des Clubheims

Doch der Fußball-Club will trotz allem nach vorne blicken und hat auch schon neue Ziele und Pläne. Das größte Vorhaben ist der Neubau des Clubheims. Der FC möchte es gerne abreißen und neu aufbauen. Der Gemeinderat benötige für den Entschluss für eine Förderung eine konkrete Planung samt Kostenberechnung. Diese Architektenleistung kostet aber 80 000 Euro, wie Preiser erklärt. Als Kompromiss wolle der FC nun mit der Stadt aushandeln, dass diese den Betrag vorfinanziert und der Verein das Geld bei einer Realisierung des Projekts komplett erstattet. Kommt es nicht zustande, übernehmen Verein und Planer eine Hälfte des Betrages und die Stadt Radolfzell die andere Hälfte. Über diese Vorgehensweise wolle man nun einen Vertrag abschließen, so Preiser.

Erfolge und Probleme

  • Sportlich lief es beim FC Radolfzell in der vergangenen Saison sehr gut. Die 1. Mannschaft schaffte den Aufstieg von der Landes- in die Verbandsliga. Der FC setzt vor allem auf eigenen Nachwuchs und lässt auch junge Spieler zum Zug kommen. So hat der FC Radolfzell den jüngsten Kader der Liga. Das geringe Budget für Spieler scheint keinen Einfluss auf den sportlichen Erfolg zu haben.
  • Die Jugendmannschaften des FC Radolfzell haben in der vergangenen Saison herausragend gespielt. Vier von fünf möglichen Titeln gehen an den FC. Die B-, C-, D-, und E-Junioren konnten die Meisterschaft auf Bezirksebene für sich entscheiden. Die A-, B-, und D-Junioren konnten zwei Titel des Südbadischen Fußball-Verbands holen. Auch sind die C-Junioren in die Oberliga aufgestiegen. Der FC führt seit Jahren eine Kooperation als Talentschmiede für den SC Freiburg.
  • Spielfläche: Wie die meisten anderen Sportvereine in Radolfzell klagt der FC über akute Platznot. Gerade im Nachwuchsbereich sei die Platzsituation sehr angespannt. Ein neuer Kunstrasenplatz wäre dringend nötig, um den Trainingsbetrieb der Nachwuchsmannschaften auf dem Niveau halten zu können, sagt FC-Vorsitzender Oliver Preiser. Im Zuge des Sportentwicklungsprogramms habe er an mehreren Workshops teilgenommen, leider sei seitdem nichts mehr passiert. Preiser wünscht sich mehr Unterstützung vonseiten der Stadtverwaltung.
  • Neuwahlen: Der neu oder wiedergewählte Vorstand des FC Radolfzell: Oliver Preiser, Vorsitzender; Norbert Maier, Leiter Abteilung Event; Michele Angilletta, Leiter Abteilung Marketing; Reinhard Graf, Leiter Abteilung Sport; Patric Schmidt, Leiter Abteilung Jugend; Heinz Schmitt, Beirat; für die Abteilung Verwaltung wurde kein Nachfolger für Sascha Hain gefunden.