Die Stadt Radolfzell ist mit ihrer Lage am Bodensee, ihrer Altstadt und ihren engagierten Bürgern für viele Menschen unumstritten attraktiv. Mit ihrem imposanten Kriegerdenkmal ist die Stadt am See aber auch vermehrt für Gruppierungen interessant geworden, die vom Verfassungsschutz des Bundes als rechtsextremistisch eingestuft wurden. Mit Ehrenbekundungen, Plakatierungen, Kranzniederlegungen und Aufklebern sorgt die Gruppe "Der Dritte Weg" seit zweieinhalb Jahren in der Radolfzeller Bevölkerung für Unruhe, Verärgerung und für eine Verunsicherung.

"Der erste öffentliche Auftritt rechtsextremistischer Orientierung auf dem Marktplatz war ein Wachrütteln für uns alle", bekennt Monika Laule im Zunfthaus der Narrizella Ratoldi. "Wir müssen uns bewusst sein, wie wichtig die Demokratie und ein Rechtsstaat ist", appelliert die Radolfzeller Bürgermeisterin an die Teilnehmer der ersten Demokratie-Konferenz in Radolfzell. Im Zunfthaus trafen sich 50 engagierte Bürger, die sich für die Demokratie einsetzen wollen. Sie dachten über Modellprojekte nach, die Wege in der Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention aufzeigen können. Das Projekt "Demokratie leben" wird vom Bund mit Fördermitteln von 100 000 Euro unterstützt.

"Mein Wunsch ist es, dass sich Bürger gemeinsam für ihre Demokratie aktiv einsetzen und dass sie sich an Aktionen beteiligen, sie selbst initiieren und ein Zeichen gegen Rassismus, Extremismus und jegliche Form von Diskriminierung und Gewalt in unserer Stadt setzen", ruft Monika Laule die Radolfzeller Bürger auf. Kriege, die Flucht aufgrund von Gewalt und widerfahrenem Unrecht, die weltweiten Festnahmen von Kritikern und Journalisten seien Signale und deutliche Zeichen, die aufrufen sich mit dem hohen Gut Demokratie zu befassen. Das Glück, in einer Demokratie zu leben, fordere den einzelnen Bürger auch auf, sie zu leben, sie zu diskutieren und sie sich von niemandem wegnehmen zu lassen. Bürgermeisterin Monika Laule möchte mit Hilfe der Projekte zu einem gemeinsamen Verständnis von Demokratie kommen.

Radolfzeller Bürger machen sich Sorgen um die Demokratie und engagieren sich bei der ersten Demokratiekonferenz im Zunfthaus der Narrizella für eine Demokratisierung der Gesellschaft. Dabei entwickelten sie Handlungskonzepte für die Sensibilisierung der Bürger. Weitere Akteure sind willkommen.
Radolfzeller Bürger machen sich Sorgen um die Demokratie und engagieren sich bei der ersten Demokratiekonferenz im Zunfthaus der Narrizella für eine Demokratisierung der Gesellschaft. Dabei entwickelten sie Handlungskonzepte für die Sensibilisierung der Bürger. Weitere Akteure sind willkommen.

Die Konferenzteilnehmer entwickelten innerhalb von zweieinhalb Stunden erste Ansatzpunkte für ein Handlungskonzept zur Sensibilisierung der Radolfzeller für die Demokratie. Dessen konzeptionelle Ausrichtung wird vom Begleitausschuss der Initiative im Anschluss der Konferenz zusammengefasst, aufgearbeitet und dem Gemeinderat zur Begutachtung vorgelegt. Die Teilnehmer erarbeiteten erste nützliche Schritte für junge Menschen, damit sie sich für die Demokratie engagieren können. Sie entwickelten Konzepte der Quartiersarbeit und dachten über Schritte nach, wie die Zivilgesellschaft auf Aktionen von Extremisten reagieren könnte. Die Workshop-Teilnehmer überlegten sich, wie das Wissen von Demokratie an die Bevölkerung vermittelt werden könnte, wie man die Anerkennung unterschiedlicher Lebensformen fördern und ein vielfältiges Zusammenleben in Radolfzell ermöglichen könnte.

Sie entwickelten Konzepte gegen die Angst und den Umgang mit der eigenen Geschichte.

Das Handlungskonzept ist Grundlage künftiger Demokratiekonferenzen in den nächsten zweieinhalb Jahren und soll interessierten Akteuren eine Anleitung für ihre persönlichen Aktionen geben. "Der Prozess soll demokratisch gestaltet und nicht von der Stadt vorgegeben werden", erläuterte die Vhs-Ansprechpartnerin, Randi von Stechow. Städtische Ansprechpartnerin ist Sabine Grünfelder. Die Zivilbevölkerung soll durch weitere Demokratie-Konferenzen die Möglichkeit erhalten, das Konzept zu vervollständigen. Die Stadt und der Gemeinderat stellen hierbei die Struktur für die Umsetzung der Aktionen zur Verfügung.

Randy von Stechow, städtische Koordinatorin des Projektes "Demokratie leben": Der Prozess soll demokratisch gestaltet und nicht von der Stadt vorgegeben werden
Randy von Stechow, städtische Koordinatorin des Projektes "Demokratie leben": Der Prozess soll demokratisch gestaltet und nicht von der Stadt vorgegeben werden

Das Projekt

Seit Mitte des Jahres besteht in Radolfzell eine lokale Partnerschaft für die Stärkung der Demokratie, bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung, der VHS, dem Präventions-, Senioren- und Jugendgemeinderat sowie dem Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie (BRD). Das Bundesprojekt "Demokratie leben" mit seinen daran angeschlossenen Demokratie-Konferenzen soll helfen, die bestehende Vielfalt bürgerschaftlichen Engagements sichtbarer und funktionstüchtiger zu machen. Dabei sollen lokale Gruppen und Vereine vernetzt werden. Ideen und Projekte zur Demokratisierung der Gesellschaft können mit dem Programm finanziell unterstützt werden. Städtische Ansprechpartnerin ist Randi von Stechow. Weitere Informationen unter www.radolfzell.de