Sanierung ist Wunsch der Bürger

Es sei ein Wunsch der Bürger gewesen, das Radolfzeller Seebad doch zügig neu zu gestalten. Aus diesem Grund hatten sich Gemeinderat und Stadtverwaltung einen sportlichen Zeitplan zurecht gelegt, das in die Jahre gekommene städtische Bezahl-Bad von Grund auf zu sanieren. Der Gemeinderat gab hierfür in der außerordentlichen Sitzung während der Sommerpause grünes Licht für das Projekt, welches laut aktuellen Schätzungen rund 1,8 Millionen Euro kosten soll.

Die Bagger kommen schon im Herbst

Der Abriss wird direkt nach Ende der Badesaison erfolgen. Der gesamte Gebäudekomplex muss abgetragen werden. Allein der Abriss kostet schon rund 160 000 Euro netto. Das künftige Seebad wird nur noch aus zwei Gebäuden bestehen, ein größeres für Gastronomie und die Sanitär-Anlagen, ein zweites für die DLRG. Und genau das zweite DLRG-Gebäude, welches mit 540 000 Euro Baukosten beziffert wird, wurde im Gemeinderat diskutiert.

So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen.
So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen. | Bild: Baudezernat Radolfzell

Giesela Kögel-Hensen (FGL) stellte die Frage, ob das kleine Gebäude im Seebad überhaupt die optimale Lösung für die DLRG sei. "Das Seebad ist nur ein Kompromiss", sagte sie. Schließlich sei auch der aktuelle DLRG-Standort in der Güttinger Straße nur eine verübergehende Lösung. Aus ihrer Sicht müsse man dieses Thema hinten anstellen und nur das Seebad machen, ohne die DLRG. Obwohl der Bau des Seebades und des DLRG-Gebäudes westlich auf dem Gelände im Rat getrennt abgestimmt wurden, stimmte ein Großteil der Stadträte dafür, den DLRG-Bau in den Bauantrag mit aufzunehmen.

DLRG soll im Seebad bleiben

"Zum Seebad gehört untrennbar die DLRG dazu, da profitieren alle von", sagte Norbert Lumbe (SPD). Auch OB Martin Staab sagte, er könne sich derzeit keinen anderen Standort für die DLRG vorstellen, weder an der Mole, noch im Strandbad, die beide verkehrstechnisch schlecht zu erreichen wären. Auch der Standort am Bodenseereiter sei ungeeignet, da man dieses Areal dem Naturschutz zuführen möchte.

Der Eingangsbereich des Überlinger Westbades mit Zugang zu den Sanitär-Anlagen. Das Ingenieurbüor Bohm aus Überlingen hat es gestaltet.
Der Eingangsbereich des Überlinger Westbades mit Zugang zu den Sanitär-Anlagen. Das Ingenieurbüor Bohm aus Überlingen hat es gestaltet. | Bild: Baudezernat Radolfzell

Ob das Gebäude für die Deutsche Lebensrettung Gesellschaft tatsächlich auch gebaut wird, hängt von den beantragten Fördergeldern ab. Laut OB Martin Staab habe er eine mündliche Zusage für etwa 225 000 Euro vom Land Baden-Württemberg, etwa 65 000 Euro würde die DLRG selbst aufbringen. Die Stadt Radolfzell müsste den Rest von 250 000 Euro finanzieren. Auch diese Fördergelder sind bereits in einem besonderen Eil-Verfahren beantragt. Wird diesem in diesem Jahr nicht stattgegeben, werde der Bau ohnehin verschoben, so Staab. Dann baue man nur das neue Seebad.

So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen.
So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen. | Bild: Baudezernat Radolfzell

Für die Gestaltung hat sich die Stadt Radolfzell das Überlinger Architektenbüro Bohm ins Boot geholt. Jörg Bohm hat schon die beiden Strandbäder in Überlingen, das Westbad und das Ostbad, neu gestaltet. So ähnlich soll nun auch das Seebad werden.

Die Terrasse im Überlinger Ostbad. Dieses Bad ist vom Ingenieurbüro Bohm aus Überlingen gestaltet worden und auch das Seebad in Radolfzell soll eine einladende Terrasse bekommen.
Die Terrasse im Überlinger Ostbad. Dieses Bad ist vom Ingenieurbüro Bohm aus Überlingen gestaltet worden und auch das Seebad in Radolfzell soll eine einladende Terrasse bekommen. | Bild: Baudezernat Radolfzell

Eine großzügige Holzterrasse soll den Gastronomie-Bereich aufwerten. Der Eingangsbereich mit Kasse trennt den Sanitär-Bereich von der Küche. "Wir haben versucht alle Wünsche der Anwohner zu berücksichtigen", sagte OB Staab. So bliebe das Gebäude eingeschossig, die Parkplätze auf der Westseite blieben erhalten und die Küche bekäme eine moderne Ausstattung, sodass die Essengerüche nicht die Nachbarn stören.

So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen.
So wie in Überlingen könnte das Seebad aussehen. | Bild: Baudezernat Radolfzell

Auch solle die Anlage komplett barrierefrei werden. Die Zugangsrampe zum Eingang sowie der Weg zum Steg zum Wasser hin werden so angepasst, dass sie den Bestimmungen für Rollstuhlfahrer entsprechen. Auch werden rund 200 Stellplätze für Fahrräder gebaut. Das Flachdach der Gebäude soll komplett begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet werden. "Der Zeitplan ist ehrgeizig, aber noch liegen wir darin", sagte OB Staab.

FDP versteht die Eile nicht

Weniger Verständnis für die Eile hatte Jürgen Keck (FDP), der während der Sitzung auf mögliche Kostenfallen hinwies. Durch den engen Zeitplan, den er nicht nachvollziehen könne, könnten die vollen Auftragsbücher der Handwerker die Kosten nach oben treiben. Allein für den Neubau sind derzeit rund eine Million Euro eingeplant. Dennoch sei er mit dem Entwurf zufrieden. Wenn alles nach Plan läuft, soll bereits im Frühsommer 2019 Eröffnung gefeiert werden.

Die Terrasse im Überlinger Ostbad. Dieses Bad ist vom Ingenieurbüro Bohm aus Überlingen gestaltet worden und auch das Seebad in Radolfzell soll eine einladende Terrasse bekommen.
Die Terrasse im Überlinger Ostbad. Dieses Bad ist vom Ingenieurbüro Bohm aus Überlingen gestaltet worden und auch das Seebad in Radolfzell soll eine einladende Terrasse bekommen. | Bild: Baudezernat Radolfzell