Das Hausherrenfest ist ein Klassiker in Radolfzell, noch dazu ein sehr beliebter. Der Ablauf ist eng getaktet und ritualisiert, wie es sich für ein geistliches Fest gehört. Dieses Jahr, zur 750-Jahr-Feier der Stadt, ist dennoch alles ein wenig anders. Ohnehin ist die kirchliche Stadtgeschichte mit der weltlichen im Mittelalter eng verknüpft und kaum voneinander zu trennen: 1267 verlieh der Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein dem Marktflecken Radolfzell die Stadtrechte.

750 Jahre später hat sich der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic aus Berlin in Radolfzell angekündigt. Das ist eine hohe Ehre für die Kleinstadt, wie Stadtparrer Michael Hauser erläutert. Ein apostolischer Nuntius ist ein Gesandter des Heiligen Stuhls bei der Bundesrepublik Deutschland, er ist also diplomatisch tätig und gleichzeitig ein Bindeglied der katholischen Kirche in Deutschland zum Papst. "Eigentlich sind die Radolfzeller demütig und bescheiden", sagt Hauser, "Als Festprediger haben wir meistens Priester, die aus Radolfzell stammen". Der Kontakt zu Erzbischof Nikola Eterovic sei zufällig entstanden. Eterovic sei im Urlaub in der Umgebung gewesen, bei dieser Gelegenheit kam Michael Hauser mit ihm ins Gespräch und zeigte ihm das Münster. Dieser informelle Kontakt inspirierte Hauser, den hohen Geistlichen zum Hausherrenfest einzuladen – und es gab eine Zusage. Pfarrer Hauser selbst wird beim Festgottesdienst am Sonntag lediglich die Begrüßung sprechen, die Festpredigt liegt in den Händen von Erzbischof Nikola Eterovic. Welches Thema Eterovic dafür gewählt habe, wisse er nicht, sagt Hauser.

 

Zu Gästen und Fest

  • Reichenauer Bürgerwehr: Ihre erste urkundliche Erwähnung reicht bis 1108 zurück. Früher habe jeder Ort eine Wehr gehabt, erläutert Haselberger, durch den Klosterstandort sei die Wehr besser dokumentiert. Ihr gehören 40 Gewehrträger an, 35 Personen im Musik- und 20 Männer im Spielmannszug. Erst seit diesem Jahr dürfen auch Frauen Mitglied werden.
  • Zum Programm: Der Festbetrieb an der Promenade beginnt am Sonntag, 16. Juli, ab 11.45 Uhr. Das Kinderprogramm ist erweitert.

Einen ersten Eindruck vom Erzbischof kann er aber bereits jetzt weitergeben: Viele Bischöfe seien eher unnahbar und sich der Autorität ihres Amtes sehr bewusst. Dies sei bei dem gebürtigen Kroaten nicht der Fall, Nikola Eterovic gebe sich schlicht und gehe sehr gerne auf Menschen zu.

Zum zweiten Mal: Die Bürgerwehr der Reichenau war schon bei der 700-Jahr-Feier in Radolfzell. <em>Archivbild: Liedl</em>
Zum zweiten Mal: Die Bürgerwehr der Reichenau war schon bei der 700-Jahr-Feier in Radolfzell. Archivbild: Liedl

Es wird weitere Ehrengäste bei diesem Hausherrenfest geben: Die Bürgerwehr der Reichenau wird ebenfalls zum Fest erwartet. Auch dies ist nicht selbstverständlich, denn die Bürgerwehr verlässt in aller Regel die Insel nicht. Eine Ausnahme mache man dieses Jahr wie auch schon vor 50 Jahren zur 700-Jahr Feier, berichtet Willi Haselberger, Kommandant der Bürgerwehr. Der Kontakt sei durch Rainer Alferi zustande gekommen, der die Reichenauer Bürgerwehr zum Jubiläum einlud. Die Bürgerwehr wird am Sonntag um 8 Uhr mit dem Schiff ankommen und auf dem Marktplatz den apostolischen Nuntius mit dem Präsentiermarsch begrüßen. Danach wird eine Fahnenabordnung der hohen Geistlichkeit voraus das Münster betreten. Die Bürgerwehr wird auch an der Prozession nach dem Gottesdienst teilnehmen. "Für uns ist dieser Besuch eine Ehre", sagt Willi Haselberger, "die Bürgerwehr zeigt damit die Verbundenheit der Insel Reichenau zu Radolfzell". Ein Mitglied der Wehr erlebe diese Situation zum zweiten Mal: der 72-Jährige war 1967 bei der 700-Jahr-Feier dabei.

In ihrem 750. Jahr setzt die Stadt also auf wichtige Kontakte nach außen. Das ist der globalen Welt allemal angemessen und Radolfzell steht die Haltung gut zu Gesicht.