Heute Freitagnachmittag, 19. Juli, hat Böhringens Ortsvorsteher bekanntgegeben, dass das Badeverbot im Böhringer See ab sofort wieder aufgehoben sei. Zuvor war die Blaualgen-Problematik und das Badeverbot Thema im Böhringer Ortschaftsrat. Er will noch vor der Sommerpause eine Sondersitzung mit Experten einberufen. Hingegen lehnte der Rat mit deutlicher Mehrheit den Antrag der örtlichen FDP-Fraktion ab, aufgrund des Badeverbots für den Böhringer See den „Seenotstand„ auszurufen. Insbesondere rieb man sich an der Formulierung „Notstand“, die Ortsvorsteher Bernhard Diehl als „irreführend und polemisch“ bezeichnete. Peter Lingg (CDU) warnte davor, mit einer solch krassen Formulierung eine Absage an den Badesee zu riskieren, ähnlich wie Konstanz durch den Klima-Notstand das Seenachtfest verloren habe. Robert Böhm (CDU) sieht ebenfalls keinen Notstand: „Von behördlicher Seite wird alles getan, um Badegäste vor Gesundheitsschäden zu bewahren“, erklärte er.

Forderung: Unverzügliche Sofortmaßnahmen

„Der Seenotstand beinhaltet unverzügliche Sofortmaßnahmen, wie die Hinzuziehung eines Limnologen zur Untersuchung des Sees und Ergreifen von Maßnahmen, die zur Beseitigung der Blaualgen beitragen und die Wasserqualität des Böhringer Sees wiederherstellen“ , hieß es im Antrag der FDP-Fraktion, die zudem ein umfassendes zeitnahes Sanierungspaket für die Infrastruktur des Freibads Böhringen forderte. Letzteres wird vom Rat unterstützt.

Bürger sammeln Unterschriften

Als Grund für den Antrag, bekräftigt durch eine Unterschriftenaktion der Bürger, nennt die Fraktion unter Vorsitz von Wolfgang Tieze den Beginn der Ferienzeit, zu der die Bevölkerung und die Gäste den Badesee ohne Gesundheitsgefährdung nutzen wollen, die finanzielle Bedrohung für die Pächterfamilie der Gastronomie und die Tatsache, dass bisher durchgeführte Maßnahmen erfolglos geblieben sind und auch die Infrastruktur des Bades unaufschiebbare Mängel aufweise.

Experten befassen sich schon lange mit dem Problem

Auf Unverständnis bei CDU und Freien Wählern stieß die Forderung, einen Limnologen hinzuzuziehen. Seit 2011 das Blaualgenproblem erstmals auftauchte und es bis 2014 immer wieder Badeverbote gab, beschäftigten sich Limnologen der Universität Konstanz, das Seenforschungsinstitut Langenargen, das Landratsamt, der Radolfzeller Umweltbeauftragte Rainer Bretthauer und das von der Verwaltung beauftragte Gutachterbüro Boos und Hydrodata mit dem Phänomen, so Bernhard Diehl. Seit 2012 sei die Zwangszirkulationsanlage in Betrieb und nach wie vor prüfe die Stadt zusätzlich zu den wöchentlichen Proben des Gesundheitsamtes alle zwei Wochen die Wasserqualität. „Blaualgen gibt es in allen Seen. Wir können die Organismen nicht beseitigen, nur eindämmen“, machte er klar. Christian Schütz (FWV) riet dazu, sich mehr auf die Phosphateinträge durch das Grundwasser zu konzentrieren. Peter Lingg sieht als neue Problematik den Biber am Mühlbach. Wieder andere machen den hohen Fischbestand im Böhringer See als Störfaktor aus, nachdem seit vergangenem Jahr das Angeln verboten ist. „Wir haben inzwischen reagiert“, informierte Bernhard Diehl.

Biberdämme sind abgebaut

Die zwei Biberdämme am Mühlbach konnten jetzt abgebaut werden, nachdem das Regierungspräsidium wegen des Blaualgenaufkommens eingelenkt habe. Dadurch sei der Wasserstand im Seelegraben um 25 Zentimeter gefallen und der See hat wieder einen besseren Abfluss. „Wir hoffen, dass der Biber Richtung Steißlingen zieht, wo er uns keinen Schaden anrichten kann“, so Diehl.

Seelegraben soll erneut gemäht werden

Auch wolle man eine Ausnahmegenehmigung erwirken, den Mühlbach und den Seelegraben vor Ablauf der Schutzfrist Mitte August schon jetzt erneut mähen zu dürfen. Die Sichttiefe im See habe sich inzwischen von 30 Zentimeter auf 1,40 Meter erhöht, wodurch sich gefühlt eine bessere Situation einstelle, so Diehl. Ergebnisse werden jetzt zum Wochenende erwartet.