Rund 30 Zuhörer haben sich am vergangenen Sonntag versammelt, um an einem Rundgang über die Mettnau teilzunehmen, der im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals angeboten wurde. Christof Stadler, Stadtrat und Historiker, führte die Gruppe dabei vom Seebad bis zum Strandbad auf der Mettnau. Angesichts des ungemütlichen Regenwetters war ihm das Interesse der Zuhörer gewiss – wer sonst hätte sich freiwillig und ohne Not unter diesen Umständen ins Freie bewegt?

Belohnt wurden die Teilnehmer mit einem kurzweiligen Vortrag zur Entwicklung der Mettnau in den vergangenen 170 Jahren. Startpunkt war das Seebad, dessen Werdegang viele Radolfzeller in den zurückliegenden Jahrzehnten selbst verfolgen konnten. Doch der Ursprung des Seebades reicht weiter zurück bis ins Jahr 1845.

Getrenntes Baden für Männer und Frauen

Damals entstand der Wunsch nach einer koordinierten Bademöglichkeit. Am sanften Südhang der damals weitgehend unbebauten Mettnau wuchsen zu dieser Zeit Weinreben. Das Gewann „Hardt“, wie sich der Seebad-Bereich nannte, hatte seinen Namen erhalten, weil er im Gegensatz zum Rest der Mettnau keinen Morast aufwies und einen harten Untergrund besaß. Das Seebad erhielt ein zweistöckiges Gebäude und Kabinette, die ein getrenntes Baden von Frauen und Männern ermöglichten. Im Jahr 1873 zählte man bereits rund 5000 Eintritte.

Der zunehmende Tourismus, für den man bis ins Elsass Werbung machte, bescherte Radolfzell und dem Seebad auch in der Folgezeit viele Besucher. Eines der wenigen Überbleibsel aus dieser Zeit ist ein schmiedeeisernes Geländer, das die Nutzer des Seebades ins Wasser führt.

Relikt im Mettnaupark

Christoph Stadler führte die Teilnehmer weiter zu anderen Relikten aus der Radolfzeller Stadtgeschichte. Unter anderem erfuhren sie, dass eine Steinformation am Treppenzugang im Mettnaupark einst „Monte Carlo“ genannt wurde. Heute sind die Steine stark von Pflanzen umgeben, so dass sie kaum noch wahrgenommen werden.

Der Mettnau-Park in seiner heutigen Form entstand erst in den 60er Jahren. Große Teile waren damals noch mit Schilf bewachsen. Allerdings führte eine Pappelallee entlang des Ufers bis zur Scheffelvilla. Die heutige Maueranlage wiederum wurde zum Teil aus Abbruchelementen der Radolfzeller Stadtmauer errichtet. Dass die Mettnau heute auch vollkommen anders hätte aussehen können, dokumentieren die Pläne der Nationalsozialisten. Sie hatten auf der einstigen Anhöhe „Am hohen Kreuz“ auf der Mettnau (dort, wo sich heute der Minigolfplatz befindet) eine monumentale Festhalle geplant. Außerdem sahen ihre Pläne einen Flugplatz auf der Mettnau vor.

Gut, dass es nicht so weit gekommen ist, sonst kämen die Besucher der Mettnau heute nicht in den Genuss, in den Überbleibseln des einstigen „Bonz‘schen Gartens“ zu verweilen. Der vom „Ekkehard“-Verleger Adolf Bonz angelegte Garten reichte Ende des 19. Jahrhunderts von der genannten Anhöhe bis zum Ufer unterhalb der alten Konzertmuschel. Damals wurde der Bereich noch von keiner Straße durchtrennt. Er ließ 60 Bäume pflanzen, von denen vermutlich noch heute einige Exemplare existieren. Am höchsten Punkt ließ er einen Aussichtsturm errichten.

Als im Strandbad noch Schiffe anlegten

Der Wandel der Zeit wird auch am Strandbad sichtbar. Das 1928 vom Stadtbaumeister Zimmermann geplante Gebäude stand ursprünglich auf einem weitaus kleineren Gelände, das allerdings weiter nach Osten reichte. Bis in die 60er Jahre gab es im Bad sogar eine Schiffsanlegestelle und mit Wehmut schauen die Radolfzeller noch heute auf die Reste des einstigen Strandcafés, von dem nur noch der Sockel zu erkennen ist.