Können Menschen mit einer Behinderung und psychisch Erkrankte in einem Unternehmen in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden? Ja, das können sie. Das Stichwort heißt auf neudeutsch: Betriebliche Inklusion. Damit das möglich wird, hat die Caritas einen Fachbereich geschaffen, der als Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wirkt und Hemmschwellen absenken will – mit überraschend positiven Effekten für alle Beteiligten.

Das weltweit agierende Radolfzeller Hightech-Unternehmen Solar Semi expandiert und plant eine betriebliche Inklusion. Die Firma stellt Produktionsanlagen für die Halbleiter-Industrie sowie Prozessoren, Verstärker und Mikromechanikteile auf lithografischer Basis her. Das Unternehmen weist Strukturen von Vertrieb, Marketing und Entwicklung über Konstruktion und Montage bis hin zu Service und Kundendienst auf. Thomas Huber ist Montage- und Serviceleiter und hat durch die Vermittlung der Caritas Erfahrung mit einem Praktikanten gemacht, der psychisch erkrankt ist. Die Firma schnitt eigens einen Arbeitsplatz in der Baugruppen-Montage zu, den sie auf dessen Fähigkeiten abstimmte. Entgegen der Meinung des Montage-Leiters traute sich der Praktikant die Arbeitsstelle langfristig nicht zu und sagte ab – er hinterließ jedoch während seines Praktikums großen Eindruck. Durch die positive Erfahrung ist Huber davon überzeugt, dass sein Unternehmen vier weitere betriebliche Inklusionsstellen schaffen könnte.

Eine betriebliche Inklusion könne sich auf verschiedenen Ebenen rechnen, so Huber. Der Montageleiter war überrascht, welche positive Wirkung von dem Praktikanten auf dass Betriebsklima ausging. Die sonst rauen Montage-Kollegen reflektierten ihr Verhalten zu dem neuen Mitarbeiter. Das Arbeitsverhältnis war eine kollegiale Weiterbildung für seine Belegschaft, so Huber.

Begleitet wurden der Mechaniker und das Unternehmen von Margarethe Hauenstein, Job-Coach beim Caritasverband Konstanz. Sie stellte den Erstkontakt her und begleitete den Mechaniker zum Bewerbungsgespräch. Sie unterstützte sie ihn und das Unternehmen in der neuen Situation. Wie bei Christian Leo. Er ist psychisch erkrankt und arbeitet seit vier Jahren im Hospital zum Heiligen Geist als Aushilfskraft in der Hauswirtschaft. In seiner siebenstündigen Schicht bereitet er das Frühstück vor und hilft sowohl bei der Mittagsessenausgabe mit als auch bei den Aufräumarbeiten. Sein Ziel war es, in einem Krankenhaus oder Seniorenheim zu arbeiten. Er ist froh, dass die Menschen mit ihm normal umgehen und dass er in einem ganz normalen Arbeitsverhältnis untergekommen ist, das seinen Wünschen entspricht.

Das Angebot

Bei der Caritas engagieren sich 15 Personen für die berufliche Inklusion. Dabei begleiten sie Menschen mit Behinderung durch verschiedene Phasen: Sie führen vorbereitende Gespräche und entwickeln eine Motivation. Sie schauen, welche Wünsche, Ziele und Talente die Menschen mitbringen und suchen passende Erprobungsmöglichkeiten in den Betrieben. Sie begleiten sie bei der Einarbeitung und besprechen die Anforderungen und Abläufe. Das Angebot können Menschen mit Teilhabe-Hemmnissen in Anspruch nehen. Ein Schwerbehindertenausweis ist nicht erforderlich. (gla)