Das Corona-Virus stellt alle vor neue Aufgaben. Es gilt Infektions-Ketten zu unterbrechen und so die Ausweitung der Pandemie zu verlangsamen. Auch für Arbeitgeber ist bes eine ungewohnte Herausforderung. Sie müssen jetzt darauf achten, dass sie ihre Arbeitnehmer schützen.

Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell, schildert eine Maßnahme, die für jeden Bürger nun sichtbar ist. Nach wie vor betreiben die Stadtwerke für die Südbadenbus-Gesellschaft den Stadtbus in der großen Kreisstadt mit sieben Linien. Die Busfahrer haben dabei fast unausweichlich Kontakt zu vielen hundert Nutzern der Busse, zumal durch das neue Fahrpreissystem die Stadtbusse immer stärker von der Bevölkerung angenommen worden sind. Jetzt müssen Busfahrer und Fahrgäste gleichzeitig vor Infektionsmöglichkeiten geschützt werden, und das auf einem sehr begrenzten Raum.

Der Zugang durch die vordere Türe ist abgesperrt. Fahrscheine können beim Fahrer nicht mehr eingelöst werden.
Der Zugang durch die vordere Türe ist abgesperrt. Fahrscheine können beim Fahrer nicht mehr eingelöst werden. | Bild: Michael Jahnke

Ab sofort ist für Fahrgäste ein Einstieg bei der vorderen Tür der Busse nicht mehr möglich. Hinzu kommt jetzt noch, dass der Sicherheitsabstand zwischen Fahrer und Fahrgästen durch Flatterbänder auf den Mindestabstand von 1,5 Metern abgegrenzt ist. Man kann daher beim jeweiligen Busfahrer keinen Fahrschein mehr einlösen. Ein am Bahnhof auf den Bus der Linie 6 Wartender weiß davon noch nichts. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Aber ohne gültigen Fahrschein den Stadtbus benutzen, das will er auch nicht. Er macht sich wenige Minuten später zu Fuß nach Liggeringen auf.

Udo Rothmund, kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken, sagt dazu: „Treffen wir auf einen Fahrgast ohne gültigen Fahrschein, werden wir ihn auf die Möglichkeit des Handy-Tickets hinweisen.“ Das bedeutet aber auch, dass der Fahrgast im Besitz eines Smartphones sein muss – und nicht jeder hat ein solches. Wie könne also Bewohner der Ortschaften den Stadtbus benutzen, wenn sie nicht im Besitz eines gültigen Fahrscheines sind? Müssen sie damit rechnen, als Schwarzfahrer mit einem erhöhten Fahrentgeld belegt zu werden und so 60 Euro bezahlen zu müssen?

Es ist ein ungewohnter Einstieg für die Fahrgäste. Die vordere Tür des Busses bleibt verschlossen. Die Massnahme soll dazu dienen, Infektionsketten zu unterbrechen.
Es ist ein ungewohnter Einstieg für die Fahrgäste. Die vordere Tür des Busses bleibt verschlossen. Die Massnahme soll dazu dienen, Infektionsketten zu unterbrechen. | Bild: Michael Jahnke

Rothmund sagt: „Wir befinden uns ja in einer besonderen Situation, die in den Beförderungsbedingungen nicht bedacht worden sind. Wir müssen das den jetzigen Gegebenheiten anpassen.“ Wenn also ein Fahrgast keinen gültigen Fahrschein vorweisen kann, den Fahrschein aber bei den Stadtwerken oder der Tourist-Info nachträglich erwirbt und dann den Stadtwerken vorlegt, werde es keine weiteren Schwierigkeiten für den Fahrgast geben.

Bleibt die Frage nach der Hygiene in den Bussen. Udo Rothmund erläutert: „Ergänzend zur täglichen Busreinigung werden nun vor Dienstbeginn alle Haltestangen und die Haltestellenknöpfe desinfiziert.“ Das bedeutet aber nicht, dass deshalb Fahrgäste auf Handhygiene verzichten können. Wie bei allen Kontakten der Hände mit irgendwelchen Gegenständen, bleibt regelmäßiges Händewaschen von mindestens 30 Sekunden ein Gebot der Stunde. Die Fahrer der Stadtbusse haben sich inzwischen darauf eingestellt. Sie haben Hygienesprays und -tücher an Bord. Sie reinigen damit sowohl ihren Arbeitsplatz als auch ihre Hände.

Auch wenn man in den Bussen keinen Fahrschein mehr einlösen kann, die Fahrausweispflicht bleibt dennoch bestehen.
Auch wenn man in den Bussen keinen Fahrschein mehr einlösen kann, die Fahrausweispflicht bleibt dennoch bestehen. | Bild: Michael Jahnke

„Das ist jetzt ein zwingendes Muss“, sagt Panagiutis Papadakis, einer der Fahrer, die die Fahrgäste durch Radolfzell befördern. Es gibt zwar keine vorgeschriebenen Labor-Untersuchungen für die Fahrer. Falls ein Busfahrer aber Symptome aufweist, muss er dies unverzüglich melden und muss vom Dienst fern bleiben. So gesehen unternehmen die Verantwortlichen und die Fahrer alles, damit die Busse nicht zu einer Drehscheibe der Virus-Übertragung werden.

Dennoch werden die Stadtbusse aktuell sichtlich weniger von Fahrgästen benutzt. Udo Rothmund kann diesen Eindruck anhand der Fahrgastzahlen bestätigen: „Wir gehen davon aus, dass die Fahrgäste auf Grund einer höheren Ansteckungsgefahr momentan vermehrt auf das Fahrrad oder das Auto umsteigen.“ Hinzu käme noch der Aspekt, dass auch andere Arbeitgeber verantwortungsbewusst handeln und Berufstätige deshalb von zuhause aus arbeiten würden.