Der Musikverein Güttingen hatte bei seinem Frühjahrskonzert mit viel Konkurrenz zu kämpfen. Am gleichen Tag fand die Zeller Musiknacht statt und so waren die 180 Plätze der Buchenseehalle nur zur Hälfte besetzt. Nichtsdestotrotz boten die 28 Musiker unter der Leitung von Michael Maisch ein abwechslungsreiches Programm – anfangs mit eher klassischen Blasmusikthemen, im zweiten Teil mit lockerer moderner Musik – das Maisch, mal mit guten, mal mit mäßigen Witzen garniert, moderierte. Das tat der Unterhaltung keinen Abbruch, da seine offene Art die Zuhörer für sich einnahm und sie im Kopfkino auf eine musikalische Weltreise mitnahm. Eine Weltreise, die ohne große Showeinlagen auskam und die Musik angenehm im Vordergrund hielt.

Der Höhepunkt war das Stück "The great Locomotive Chase" von Robert W. Smith. Hintergrund ist die Entführung einer Lokomotive während des amerikanischen Bürgerkriegs. Die lautmalerische Verfolgungsjagd setzte das Blasorchester so gut um, dass man vor dem inneren Auge sah, wie eine Dampflok durch die Halle fuhr. Da bimmelte das Glockenspiel, als der Zug an einer Schranke vorbeifuhr, die Flöten ahmten mit viel Tongespür das Pfeifen der Lok nach, das Schlagzeug jagte den gesamten musikalischen Zug – die Stöcke gaben wie ein Metronom den treibenden Takt auf dem geschlossenen Hi Hat vor – immer schneller durch die Landschaft der Südstaaten. Die spannende und rhythmisch schwierige Verfolgungsjagd riss viele Zuhörer mit und war am Ende Konzerts als Zugabe sogar noch einmal zu hören.

Mit den Niederlanden bereiste das Orchester weiteres Land in der "Rhapsody from the Low Countries" von Henk van Lijnschooten. Sanfte liebliche Flötenklänge wurden abgelöst von einem aggressiveren Teil, der zu flotter Marschmusik überleitete. Nach Trauermusik und schräg-lustiger Marschmusik endete das Stück in einem lauten Finale. Eine Sammlung von Stücken, die offensichtlich beschrieb, wie vielfältig die Niederlande waren.

Auch der britische Prinz Philip, der wegen seines 90. Geburtstags durch die Medien ging, bekam auch einen flotten Marsch gespielt: "Soldiers of the sea", in dem das Xylofon einen besonderen Part hatte. Mit dem Dschungelbuch erklang unter anderem das berühmte Stück "Probiers mal mit Gemütlichkeit" und erinnerte sicher so manchen an den Kinofilm seiner Kindheit. Der "One Note Samba" brachte dann satten brasilianischen Bossa Nova mit Conga- und Big-Band-Klang in die Güttinger Buchenseehalle.

Unter den Flötistinnen spielte Patricia Merk mit, die seit 30 Jahren Mitglied im Musikverein Güttingen ist und dafür die goldene Ehrennadel von Hermann Buhl vom Hegau-Bodensee Blasmusikverband überreicht bekam. Silva Forster an der Klarinette und Clemens Aichem an der Trompete wurden für ihr zehnjähriges Engagement im Verein geehrt. Außerdem erhielt Jule Neubrand in ihrer Abwesenheit das bronzene Leistungsabzeichen.

 

Weiterer Auftritt

Blasmusik ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien und den Niederlanden wichtiger Bestandteil der Kultur. In seinem Jahreskonzert zeigten der Musikverein Güttingen und der Musikverein Stahringen ihr breites musikalisches Programm. Im Verein spielen derzeit 28 Musiker unter der Leitung von Michael Maisch. Vorsitzender des Vereins ist der Klarinettist Thomas Will. Das Promenadenkonzert am Konzertsegel findet am 7. Juni am 20 Uhr statt. (chg)