Im eigentlichen Architektenwettbewerb gab es zwei erste Plätze. Der Radolfzeller Architekt Matthias Eck mit seiner Idee eines Aussichtsdecks auf dem Flachdach und das Büro Schaudt, das mit der Formensprache einer Hafen- oder Speicherhalle und einem Satteldach gearbeitet hat. Beide Büros waren nach dem Wettbewerb zu einer Überarbeitung ihrer Entwürfe aufgerufen worden, diese sind jetzt noch einmal von der Jury geprüft worden.

Wie Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz und damit auch der Bodensee-Hafengesellschaft – sie ist eine hundertprozentige Tochter, mitteilte, hat sich das Gremium für den Entwurf des Büros Schaudt ausgesprochen. Der Entwurf des Büros Schaudt sei bezüglich der Funktionen Ticketschalter Bodensse-Schifffahrtsbetriebe, Gastronomie und öffentliches WC besser organisiert und mit den örtlichen Gegebenheiten aus Hafen, städtebaulichen Achsen und Verkehrsströmen besser vernetzt. Und: "Die Leitmotive der Architektur sind besser mit diesem besonderen Ort verankert."

Eine Skizze aus Richtung Süden: Das neue Wirtschaftsgebäude auf der Hafenmole soll an Hafen- oder Speicherhallen erinnern. Bild: Büro Schaudt
Eine Skizze aus Richtung Süden: Das neue Wirtschaftsgebäude auf der Hafenmole soll an Hafen- oder Speicherhallen erinnern. Bild: Büro Schaudt

Helmut Hagmüller, verantwortlicher Architekt des Projekts im Büro Schaudt, erläutert: "Für uns ist die Mole eine oder die erste Adresse von Radolfzell." Deshalb solle das neue Wirtschaftsgebäude auf der Mole zwar modern sein, "es sollte aber auch die Tradition der Stadt aufnehmen". Diese Mischung will das Büro mit einem modernen Holzbau und durch die traditionelle Linienführung eines Satteldachs erreichen.

Die Idee eines Aussichtsdecks von Matthias Eck fand in der Jury zwar großen Anklang, doch trotz der hohen Bewertung im Wettbewerb wies Norbert Reuter als Geschäftsführer der Bodensee-Hafengesellschaft auf die Tücke dieser Idee hin. Das Aussichtsdeck auf dem Flachdach sei für mobilitätseingeschränkte Menschen kaum zu erreichen. "Das ist heute schwer zu vermitteln", sagte Reuter. Einen Aufzug hinauf aufs Dach wollte Architekt Eck im überarbeiteten Entwurf nicht einzeichnen: "Das hätte nicht gepasst."

Mit dem Entwurf des Büros Schaudt will sich die Hafengesellschaft als Eigentümer der Immobilie jetzt auf Päch­tersuche begeben. Die aktuellen Pachtverträge auf der Mole laufen Ende des Jahres aus. Den Baubeginn hat die Bodensee-Hafengesellschaft Anfang nächsten Jahres geplant. Als Etat hat Norbert Reuter einen Etat von knapp zwei Millionen Euro angegeben. Was noch fehlt, ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Vertreter der Stadt Radolfzell waren deshalb in der Wettbewerbsjury vertreten.

 

Aus der Begründung

Warum die Jury sich für das Büro Schaudt entschieden hat: "Der Entwurf zeigt einen lang gestreckten, ruhigen Baukörper mit einem flachgeneigten Satteldach. Das Bauvolumen erscheint der Mole angemessen. Die Auskragung des Satteldaches nach Süden über den Außenbereich erhöht die Funktionalität der Außenbestuhlung in der Übergangszeit. Die Grundriss-Organisation der Bereiche Gastronomie in EG und OG, öffentliches WC und Ticketschalter im EG wurde sehr gut gelöst."