Radolfzell – Etwa 300 Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, sich über das Neubaugebiet im Tal am östlichen Rand Markelfingens zu informieren. Nachdem die Markolfhalle aufgrund eines Brands zurzeit nicht genutzt werden kann, lud die Stadt Radolfzell zur Bürgerbeteiligung ins Milchwerk ein. Trotz des großen Interesses sowie zahlreicher Einwände und Anregungen der Bürger behielt die dreistündige Veranstaltung einen sachlichen Charakter. Zum Teil war dies der souveränen Moderation von Thomas Nöken, Leiter des Fachbereichs Umwelt, Planen, Bauen, zuzuschreiben, der auch emotionale Beiträge humorvoll auffing, bevor er dazu Stellung nahm.

Bürger sollen Vorstellungen äußern

In erster Linie diente die Veranstaltung dazu, Überlegungen der Bürger zum Neubaugebiet aufzunehmen, um sie bei den weiteren Planungsschritten mitzuerwägen. Weil der mögliche Bau einer Umgehungsstraße östlich des Wohngebiets mit der Planung des Gebiets eng verbunden sei, sollten auch die Meinungen der Bürger hierzu gehört werden, erklärte Thomas Nöken.

Projektleiter Markus Toepfer erläuterte die Schritte, die zur Vorzugsvariante einer möglichen Ostumgehung geführt hatten. Auf der Grundlage von Verkehrsmessungen und anschließenden Berechnungen gehen die Planer davon aus, dass eine Umgehungsstraße den Verkehr im Ortskern um maximal 800 Fahrzeuge pro Tag in der Oberdorfstraße entlasten könnte. 4640 Quadratmeter Fläche würden durch den Straßenbau versiegelt. Die Kosten werden mit 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Die Breite der fertiggestellten Straße betrüge neun Meter einschließlich eines Banketts.

Im Milchwerk gaben Stadtplaner und Mitarbeiter der Stadt Radolfzell Auskunft zum Stand der Planung des Neubaugebiets im Tal in Markelfingen und einer möglichen Umgehungsstraße und nahmen die Anregungen der Bürger zu Protokoll. Von links: Philipp Reinders und Stefanie Burg (fsp. Stadtplanung), Thomas Nöken (stellvertretender Leiter des Baudezernats) und Markus Toepfer (Projektleiter). Bild: Natalie Reiser
Im Milchwerk gaben Stadtplaner und Mitarbeiter der Stadt Radolfzell Auskunft zum Stand der Planung des Neubaugebiets im Tal in Markelfingen und einer möglichen Umgehungsstraße und nahmen die Anregungen der Bürger zu Protokoll. Von links: Philipp Reinders und Stefanie Burg (fsp. Stadtplanung), Thomas Nöken (stellvertretender Leiter des Baudezernats) und Markus Toepfer (Projektleiter). Bild: Natalie Reiser

Sorge um Erhalt der Landschaft

Kontrovers sahen die Bürger in erster Linie das Thema der Erschließung. Während viele Anwesende sich für den Erhalt der Natur und gegen die Osttangente aussprachen, befürworteten anderen den Neubau einer Kreisstraße und erhoffen sich eine Beruhigung der Ortsmitte. Auf die Frage von Thomas Körner, Geschäftsführer des NABU-Bezirksverbands, wie es zur Planung einer Straße innerhalb eines Landschaftsschutzgebiets käme, bestätigte Nöken, dass die Grenzen des LSG geändert werden müssten. Allerdings stehe das Landratsamt den Verhandlungen bislang positiv gegenüber.

Vermutungen, dass bereits ein weiteres Neubaugebiet weiter östlich in Planung sei, widersprach Nöken. In Markelfingen waren Flyer verteilt worden, die dies vermuten ließen. Die darauf abgebildete Darstellung zeige lediglich eine Variante, die im Laufe der Planung berechnet worden sei. Es lägen keine konkreten Planungen dazu vor. Als weitere Erschließungsmöglichkeiten wurden der Bau einer verkehrsberuhigten Straße vom südlichen Ende des Baugebiets bis zur Radolfzeller Straße oder alternativ ein nördlicher Anschluss direkt an die B 33 vorgeschlagen.

Die Fragen zum Wohngebiet an sich betrafen hauptsächlich den Zeitplan und die geplante Vorgehensweise für die Vergabe der Grundstücke. Nöken gab an, mit der Vermarktung der Grundstücke sei im Frühjahr 2019 zu rechnen, mit dem Bau der Häuser im darauffolgenden Jahr. Vorstellbar bei der Vergabe der Bauplätze sei ein Punktesystem, das Markelfinger Familien begünstige.

Der Lärm war ein Thema, das interessierte: Sollte eine Entscheidung für die neue Kreisstraße fallen, würden Immissionsmessungen durchgeführt und das Wohngebiet je nach Ergebnis mit Lärmschutzwällen umgeben. Thomas Nöken versprach definitive Aussagen hierzu vor dem Grundstücksverkauf. Einige Bürger sahen weitere Risiken: die Kosten für eine Umgehungsstraße würden auf die neuen Grundstückseigner umgelegt werden.

Zur Planung

Stefanie Burg, Ingenieurin des Stadtplanungsbüros aus Freiburg, erläuterte den aktuellen Stand der Gestaltungsplanung des Neubaugebiets im Tal. Geplant sind 41 Einzelhäuser, acht Doppelhäuser, zwei Reihenhausgruppen mit je vier Einheiten und vier Mehrfamilienhäuser. Die neue Siedlung kann entweder an das bestehende Straßennetz angeschlossen oder zusätzlich durch eine östliche Umfahrung erschlossen werden. Innerhalb des Wohngebiets sollen die Häuser von einer verkehrsberuhigten Ringstraße aus erreichbar sein. Die Grundstücksgröße variiert von 200 bis 500 Quadratmeter. (rei)