Die Böhringer haben Angst, dass die Störche aus dem Ort vertrieben werden. Auslöser ist die Bauvoranfrage eines Investors, der mitten in der großem Storchenkolonie zwei Mehrfamilienhäuser bauen will.

Sowohl beim OB-Stammtisch in Böhringen als auch jüngst in der Ortschaftsratssitzung war zu spüren, dass das Vorhaben in der Paul-Gerhardt-Straße für Wirbel in der Bevölkerung sorgt. Das Grundstück mit einem Privathaus und einem Garten mit mehreren Bäumen, in denen die Störche ihre Horste gebaut haben, gilt als Herz der Storchenkolonie. Nach dem Tod der Besitzer soll nun das Haus abgerissen werden.

Flächen mit hoher naturschutzrechtlicher Bedeutung

An gleicher Stelle und in einer angrenzenden Baulücke wollte der Investor ursprünglich drei Mehrfamilienhäuser bauen. Doch bei den Grundstücken handelt es sich um Flächen mit hoher naturschutzrechtlicher Bedeutung und die Storchennester stehen unter strengstem Naturschutz. Außerdem birgt das Stellplatzproblem in der jetzt schon dichten Bebauung und durch die evangelische Kirche in direkter Nachbarschaft Konfliktpotenzial. Deshalb entschloss sich der Ortschaftsrat, ein Zeichen setzen.

Um eine gesteuerte Planung mit dem Bauherrn sicherzustellen, einhergehend mit einem Konzept zum Erhalt der Storchennester sowie dem Nachweis einer realistischen Stellplatz-Planung, wollte das Gremium die Aufstellung eines bislang für die Grundstücke nicht existierenden Bebauungsplanes beschließen. Überraschend für die Ortschaftsräte trafen zur Sitzung Stadtbaudirektor Thomas Nöken und Baurechtsamtsleiter Hans-Peter Fritschi ein. Sie informierten den Rat über eine modifizierte Bauvoranfrage des Investors, die nur noch zwei zweieinhalbgeschossige Mehrfamilienhäuser vorsieht und entsprechend viele Stellplätze. Es wäre auch nur ein Storchennest betroffen, für das der Bau eines Ersatz-Horstes angedacht ist.

Architekten sind mit Wolfgang Schäfle in Kontakt

Das Verfahren mit den Behörden und die artenschutzrechtliche Prüfung liefen noch. Die Architekten stünden in engem Kontakt mit Storchenvater Wolfgang Schäfle und dem Regierungspräsidium. Für das Grundstücks bestehe bereits Baurecht, machte Thomas Nöken deutlich. Nachdem sich das geänderte Vorhaben in die vorhandene Umgebung einfüge, gebe es keine Notwendigkeit einen Bebauungsplan aufzustellen.

Der Ortschaftsrat begrüßte diese Planung. "Es ging uns nie darum, das Vorhaben zu verhindern, zumal der Investor in Böhringen immer verträgliche Lösungen präsentiert hat", stellt Ortsvorsteher Bernhard Diehl klar. Aber die Störche seien ein Thema, das in Böhringen sehr sensibel gesehen werde. "Es ist einfach eine tolle Population. Mensch und Tier müssen hier verträglich miteinander umgehen", so Diehl. Ob das klappt, wenn die Bewohner in den oberen Stockwerken quasi auf Augenhöhe mit den Störchen in den Bäumen leben, wird sich zeigen müssen.