Es war einfach phänomenal. Obwohl die Böhringer nicht gerade Glück mit dem Wetter hatten und ihr Dorffest zur 775-Jahrfeier ausgerechnet auf den ersten Regentag seit Wochen fiel, erlebte die Bevölkerung ein Fest, wie es seinesgleichen sucht. Die pulsierende Ortsdurchfahrt, gesäumt von Ständen mit wohlschmeckenden Angeboten, gefüllt mit feiernden Besuchern unter großen Schirmen und Zelten, jauchzenden Kindern auf dem Narren-Bähnle, toller Musik und guter Laune bot ein einzigartiges Bild. Vor allem aber zeigte der Tag eines: Die Böhringer können feiern.

Pünktlich zu Beginn des Dorffestes setzten die ersten Regentropfen ein. Doch lange konnten sich die Vereine an den Ständen nicht mit bangen Blicken zum Himmel aufhalten. So mancher kam früh, um sich einen Platz im Trockenen ebenso zu sichern wie den Fisch mit Herdöpfelsalat vom Gesangverein, der beim letzten Dorffest viel zu früh ausgegangen war. Auch Vatertagsausflügler und Besucher aus der Kernstadt ließen sich das Fest nicht entgehen. Viel Bewegung ins Geschehen brachten die beiden Bühnen am Anfang und Ende der Flaniermeile zwischen Rathaus und St. Nikolaus-Kirche, die immer unterschiedlich und nie gleichzeitig bespielt wurden. Vormittags sicherte die Jugendkapelle des Musikvereins unter neuer Leitung von Florian Fritschi den Besuch vieler Eltern und Großeltern, nachmittags die Tanzgruppen des Turn- und Sportvereins. Und dann war natürlich die Froschenkapelle ein Riesenzugpferd. Unter Leitung von Marc Baumgartner gab sie kräftig Gas und kredenzte den „normalen Froschenwahnsinn“ von rockiger Blasmusik, über Schlager und Polkas bis hin zu „unnützem Vatertagswissen“ als Beiwerk. Die vielen klatschenden und im Takt mitwippenden fröhlichen Besucher gaben eine schöne Kulisse für die Musiker ab, die auch gegen Ende des Festes noch einmal so richtig aufdrehten.

Die Froschenkapelle gibt auf der Ostbühne musikalisch kräftig Gas und hält das Böhringer Publikum  in Festlaune. Bild: Marina Kupferschmid
Die Froschenkapelle gibt auf der Ostbühne musikalisch kräftig Gas und hält das Böhringer Publikum in Festlaune. Bild: Marina Kupferschmid

OB Martin Staab: "Böhringen nimmt eine wunderbare Entwicklung“

Bei der offiziellen Eröffnung, zu der neben den Vorstehern aller Ortsteile auch die beiden Landtagsabgeordneten Andreas Jung und Jürgen Keck sowie Bürgermeisterin Monika Laule in den größten Radolfzeller Ortsteil gekommen waren, lobte Oberbürgermeister Martin Staab „das große Engagement und den Gemeinsinn der Böhringer Vereine“, die dieses besondere Dorffest erst ermöglicht haben. „In Böhringen tut sich viel. Böhringen nimmt eine wunderbare Entwicklung“, erklärte der Oberbürgermeister und verwies auf die Sanierung der Mehrzweckhalle, auf den starken Wohnungsbau im Ort und die anstehende Bahnsteig-Erhöhung.

Im Rahmen der Eröffnung gab es auch eine große Spendenübergabe: Das Böhringer Spielzeugmarkt-Team schüttete seine Einnahmen aus den letzten drei Jahren in Höhe von 2900 Euro an neun Vereine, die Jugendarbeit betreiben, und an die beiden Kindergärten im Ort aus. Eine schöne Geste, die für großen Beifall sorgte. Tobias Klumpp, Vorsitzender des Turn- und Sportvereins, sprach Ortsvorsteher Bernhard Diehl ein großes Lob dafür aus, dass er für das Dorffest die schwierige Sperrung der stark frequentierten Ortsdurchfahrt durchgesetzt hat.

Ortsvorsteher Bernhard Diehl (links) bedankt sich beim Böhringer Spielzeugmarkt-Team für die große Spende an neun Vereine und die beiden Kindergärten. Bild: Marina Kupferschmid
Ortsvorsteher Bernhard Diehl (links) bedankt sich beim Böhringer Spielzeugmarkt-Team für die große Spende an neun Vereine und die beiden Kindergärten. Bild: Marina Kupferschmid

Von Worten wie „Das ist der Hammer“ über „schön heimelig“ bis hin zu „einfach genial“ spannten sich die Eindrücke der Festbesucher. Daniel Franz, der mittlerweile in Berlin wohnt, legte eigens wegen des Dorffestes einen Heimatbesuch außer der Reihe ein. „Ich möchte zeigen, dass ich meine Wurzeln hier habe und immer gerne wiederkomme. Es ist einfach schön hier die vielen alten Bekannten zu treffen, aber auch spannend zu sehen, wie sich die Vereine entwickelt haben.“

Böhringer und Gäste erleben ein besonderes Wir-Gefühl

„Wir können mehr als zufrieden sein“, erklärte Markus Schellinger vom engeren Organisationsteam mit Blick zum Himmel. „Super, alles passt“, sagt Helga Keller, die als rechte Hand von Ortsvorsteher Diehl, FC-Präsidentin und Organistin der evangelischen Kirche gleichzeitig an mehreren Ständen im Einsatz war. „Es ist einfach toll, wie die Vereine zusammenhalten und sich unterstützen. Das macht Dorfleben aus!“, erklärte Manfred Büchner, Vorsitzender des Gesangvereins. „Ich bin überwältigt von diesem guten Besuch und stolz darauf, dass hier elf Vereine gemeinsam kochen und Programm machen“, so Bernhard Diehl beim Weinausschank mit den Ortschafträten.

775 Jahre Böhringen werden im Gedächtnis bleiben. Für den einen, weil man sich einfach mal Zeit zum ausgiebigen Feiern genommen hat und man Böhringer treffen konnte, die man sonst nie sieht, für den anderen dieses „Wir-Gefühl“, das deutlich spürbar war. Oder auch das Erlebnis, das Dorf autofrei zu erleben. Es war einfach ein unbeschwerter Tag für Böhringen.

Die Beteiligten

Auf die Beine gestellt haben dieses zum 775. Ortsjubiläum besonders große Dorffest gemeinsam mit der Ortsverwaltung der Musikverein, der FC Böhringen 03, die Bengelschiesser-Zunft, der Gemischte Chor Eintracht Böhringen und Canti Nova, der Turn- und Sportverein, der Tennisclub, der Verein der Hundefreunde, die Feuerwehr, die katholische Kirche und die evangelische Kirchengemeinde. Stadtbibliothek und Ortsteilbücherei boten Basteln und Malen für Kinder an.