Von welcher Seite man diesen Garten auch betritt, vorne beim Haus oder hinten durch die schmale Pforte am Ried: Man ist sofort verzaubert. Die Wege sind fein geschwungen, der Rasen satt und grün, eingerahmt von hohen Stauden und filigranen Bäumen. Große Steine, rund wie Riesenkiesel und dick bemoost, wie Findlinge angespült oder als Trittsteine in den Teich gereiht, ziehen die Blicke auf sich. Bislang. Seit vergangener Woche lassen sich neue Kunstwerke im Gnädinger Garten entdecken.

Neue Strukturen: Die Holzkunst von Heike Endemann setzt Akzente in den Gnädinger Gärten.
Neue Strukturen: Die Holzkunst von Heike Endemann setzt Akzente in den Gnädinger Gärten. | Bild: Doris Burger

Die Holzbildhauerin Heike Endemann, den Radolfzellern vor allem als Erfinderin des Bildhauersymposiums auf der Halbinsel Mettnau bekannt, ging mit Gartenbesitzerin Birgit Gnädinger eine schöne Abmachung ein: Sie stellt im Schaugarten in Böhringen aus, sodass ihre Kunstwerke eine wundervolle neue Umgebung finden – und die Besucher doppelte Freude.

Bildhauerin Heike Endemann (links) und Landschaftsarchitektin Birgit Gnädinger freuen sich über die Ausstellung.
Bildhauerin Heike Endemann (links) und Landschaftsarchitektin Birgit Gnädinger freuen sich über die Ausstellung. | Bild: Doris Burger

Schon zur Vernissage kamen zahlreiche Garten- und Skulpturenfans, um "EinBlick" zu nehmen. So wurde die Ausstellung überschrieben. Albert Kümmel-Schnur, Medienwissenschaftler und Projektkoordinator an der Uni Konstanz, führte mit einem Ausflug in die chinesische Philosophie ins Thema ein. Er ermunterte die Besucher, weniger zu schauen, als vielmehr die Spannung zu spüren, die in der neuen und ungewohnten Kombination liegt.

Albert Kümmel-Schnur von der Uni Konstanz stimmt die Gäste bei der Vernissage auf die Ausstellung ein.
Albert Kümmel-Schnur von der Uni Konstanz stimmt die Gäste bei der Vernissage auf die Ausstellung ein. | Bild: Doris Burger

"Wenn ich zum Beispiel die grünen Kissen von Heike Endemann auf meiner Sandsteinmauer liegen sehe, wirkt das Grün des Gartens ganz anders", beschreibt Birgit Gnädinger ihre Faszination an Endemanns Kunst. Da ragt eine weiße Stele in den Himmel, dort formieren sich drei Orangerote wie zum Gespräch. Endemann, die bei ihren Werken aus Holz am liebsten mit der Kettensäge zu Gange ist, schafft luftige Skulpturen, die häufig durchblicken lassen und leicht wirken.

Drei Stelen im Gespräch – Die Holzskulpturen von Heike Endemann strukturieren die Gnädinger Gärten.
Drei Stelen im Gespräch – Die Holzskulpturen von Heike Endemann strukturieren die Gnädinger Gärten. | Bild: Doris Burger

Das Wohnhaus aus den 1960er Jahren, das damals noch allein auf weitem und topfebenem Ried stand, wird heute beschirmt von einer mächtigen Kiefer. Sie ist über die Jahrzehnte einfach so gewachsen. Die Raffinesse des Gartens liegt jedoch in der sorgsam modulierten Oberfläche. Die Prinzipien des englischen Landschaftsgartens, durch geschwungene Wege überraschende Blicke zu öffnen und den Garten mit der Landschaft scheinbar natürlich verschmelzen zu lassen, sind hier auf dem relativ kleinen Raum von rund 3000 Quadratmetern perfekt umgesetzt.

Kein Wunder, hat Willi Gnädinger doch in den 1960er Jahren auf der Mainau gelernt. Schon mit 20 Jahren machte er sich in Böhringen selbstständig, betrieb eine Baumschule und eine Staudengärtnerei. Der Privatgarten war sein Hobby. Jetzt liegen Geschäft und Garten in den Händen seiner Tochter Birgit, die nach 20 Jahren in aller Welt in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist und ihren privaten Garten für neugierige Besucher öffnet. Beim "Garten-Rendezvous" am Untersee ist sie seit Jahren dabei, in diesem Jahr sogar ohne Sommerpause.