Mindestens ein Biber scheint derzeit im Strandbad auf der Mettnau eine neue Nahrungsgrundlage gefunden zu haben. Zumindest deuten Fraßspuren an mehreren jungen Pappeln darauf hin, dass sich der Biber dort verköstigt hat. Heinrich Holewa, zuständiger Arborist (Baumpfleger) bei der Stadt Radolfzell, deutet die Fraßspuren als ein untrügliches Zeichen eines Bibers, wie er auf Nachfrage des SÜDKURIER sagte. "Vermutlich handelt es sich um ein Jungtier, das sich einen neuen Lebensraum erschließt", führte er weiter aus.

Die zum Teil unterarmstarken Triebe der Pappeln hat das Tier anscheinend mühelos durchgebissen, um an die frischen Triebe zu gelangen, die im Herbst und Winter seine Nahrungsgrundlage darstellen. Obwohl sich Biber vorzugsweise an Fließgewässern aufhalten, können sie auch an anderen Stellen auftauchen. Heinrich Holewa vermutet, dass es sich bei diesem Biber um einen Nachkommen der Biber handelt, die am Bachzulauf im Markelfinger Winkel und beim Sportlerheim leben. Auf der Rückseite des Areals der Technischen Betriebe hatten sich vor geraumer Zeit offenbar Biber niedergelassen.

Schäden gelten bislang als unproblematisch

Den Schaden im Strandbad sieht der Arborist derzeit gelassen: "Biber stehen unter Naturschutz und deshalb dürfen wir gar nichts machen. Aber die Schäden sind bisher auch unproblematisch", sagte er. Sollte sich der Biber an größeren Bäumen zu schaffen machen, die dann eine Gefahr für Menschen darstellen, könnte man zudem noch eine Paste auf die Baumstämme auftragen. Der darin enthaltene Quarzsand würde das Anbeißen der Bäume zu keinem Vergnügen für den Biber machen.

Population in ganz Radolfzell wird auf zehn Tiere geschätzt

Insgesamt schätzt der Arborist die Zahl der Biber in Radolfzell und den Ortsteilen aktuell auf knapp zehn Tiere. Etwa drei scheinen in Markelfingen zu leben, weitere zwei auf der vorderen Mettnau und etwa drei in Böhringen. Dort schwankt die Zahl jedoch ständig, da sich immer wieder einmal Tiere vom Aachried aus aufmachen, um bei Rickelshausen in Richtung Böhringen auf Nahrungssuche zu gehen.