Das Amtsgericht Konstanz hat einen 26-jährigen Mann wegen Waffenhandels und Verbrechen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Während seiner Ausbildungszeit im Kreis Tuttlingen hatte der Mann vor fünf bis sechs Jahren zusammen mit einem Mittäter in der Schweiz über das Darknet insgesamt 77 illegale Waffen angeboten oder verkauft, von denen etliche auch unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fielen. Weil er damals erst 20 Jahre alt war, wurde er auch jetzt noch nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Wegen Jugendstrafe im Gefängnis

Ob sich der Angeklagte, wie er beteuerte, inzwischen tatsächlich ganz von seinem damaligen Waffenwahn distanziert habe, blieb für das Gericht zweifelhaft. Er hat zwischenzeitlich eine mehrjährige Jugendstrafe abgesessen, weil er unter anderem im Jahr 2013 nachts mit einem illegal erworbenen Magnum Revolver auf einer Kuhweide im Raum Tuttlingen vier Rinder angeschossen hatte.

Die Tiere, darunter eine trächtige Kuh, wurden so schwer verletzt, dass sie notgeschlachtet werden mussten. Bis sie gefunden wurden, erlitten sie große Qualen. Dem Landwirt entstand damals ein Schaden von rund 10 000 Euro.

Waffen, Sprengstoff und Kinderpornos versteckt

Nach seiner Festnahme stellte sich heraus, dass er ein fanatischer Waffensammler war, der sowohl in seiner damaligen Wohnung im Kreis Tuttlingen als auch im Raum Radolfzell mehrere scharfe Waffen und Munition gelagert hatte. Weitere Waffen und Sprengstoffe sowie hartes kinderpornografisches Material und Gewaltvideos fand die Polizei in verschiedenen Erdbunkern. Die Waffen und Datenträger waren in wasserdichten Spezialkoffern verpackt.

Damals wusste man noch nicht, woher er die Waffen bezogen hatte, mit denen er auch in eigens eingerichteten Waldgebieten um Tuttlingen und Radolfzell Schießübungen veranstaltet hatte. Dabei handelte es sich um acht verschiedene Lang- und Kurzwaffen, darunter eine Pump-Gun und ein Schweizer Sturmgewehr. Die nächtlichen Schüsse auf die Kühe schob er damals einem Unbekannten in die Schuhe, den er erfunden hatte. Den Waffenverkäufer aus der Schweiz nannte er Dave und behauptete, keinen Klarnamen zu kennen. Jetzt gestand er: „Das waren glatte Lügen.“

Erkenntnisse aus den Ermittlungen

Wie man heute weiß, handelt es sich bei dem Lieferanten um einen Zivilbeamten der Kantonspolizei Bern. Mit ihm zusammen bot der 26-Jährige damals insgesamt 77 illegale Waffen und Kriegswaffen im Darknet an, die zum Teil auch verkauft wurden. Er selbst sei nicht organisatorisch oder in Verkaufsverhandlungen eingebunden gewesen, behauptete er jetzt.

Er habe lediglich gegen eine finanzielle Beteiligung die bestellten Waffen in der Schweiz an die Käufer übergeben und abkassiert. Dabei sei es ihm nur darum gegangen Geld zu verdienen, mit dem er von dem Schweizer weitere Schusswaffen erwerben konnte. Er sei „naiv“ gewesen und ihm sei suggeriert worden, dass das nicht strafbar sei.

Verbindung zu München-Attentäter

Eine der im Darknet angebotenen Waffen stammte von dem Mann, der dem München-Attentäter die Pistole verkauft hatte, mit welcher dieser im Sommer 2016 neun Menschen erschoss und weitere schwer verletzte. Während dieser Mann längst inhaftiert ist, läuft gegen den Schweizer Waffenhändler derzeit immer noch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bern. Er soll an seinem Wohnsitz ein umfangreiches Waffenlager angelegt haben.

Vor Gericht stand er nicht als Zeuge zur Verfügung. Der 26-Jährige erklärte sein angeblich inzwischen erloschenes Interesse an Waffen mit seiner Bundeswehrzeit. Damals habe er eine hohe Affinität zu Waffen entwickelt. Diese stellte er als eine Art von Jugendsünde dar: „Einmal in der Woche Schießen genügte mir nicht.“ Er habe eigene scharfe Waffen besitzen und mehr schießen wollen.

Angeklagter wurde an Grenze geschnappt

Seine zweijährige Verpflichtung endete dann aber vorzeitig, nachdem er vom Standort Meßstetten aus illegale Schusswaffen bestellen wollte. Nach den Schüssen auf die Kühe Ende 2013 kam er in Untersuchungshaft, die über Weihnachten unterbrochen werden sollte. Doch die Freilassung nutzte er, um im Raum Tuttlingen gebunkerte Waffen über die grüne Grenze bei Ramsen in die Schweiz zu schaffen. Dabei wurde er erwischt und wieder ins Gefängnis gebracht.

Im früheren Prozess sprach ein psychiatrischer Sachverständiger sprach von einer ausgeprägten Fehlentwicklung, erklärte den damals 21-Jährigen aber als voll schuldfähig.

Die jetzige Strafe

Nachdem der Angeklagte einen Teil seiner 2015 rechtskräftig gewordenen Haft von drei Jahren und drei Monaten abgesessen hatte, setzte man die Reststrafe unter strengen Auflagen zur Bewährung aus. Ihm wurde jeder Kontakt zur Waffenszene und zu früheren Geschäftspartnern untersagt. Daran hielt er sich nicht, so dass er schließlich die gesamte Strafe absitzen musste. Auch die jetzt verhängten eineinhalb Jahre wurden nur unter ähnlich strengen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt.

Insbesondere darf der 26-Jährige innerhalb der nächsten drei Jahre die Schweiz nicht mehr betreten. Außerdem legt die Staatskasse die Hand auf die 2000 Euro, die er durch seine Beteiligung an den jetzt verurteilten Waffengeschäften eingenommen hat. Und er muss 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.