Mit 2000 Musikerkollegen eine Weltpremiere zu spielen, das ist auch für geübte Musikvereine und Kapellen etwas Besonderes. Beim Verbandsmusikfest in Singen am vergangenen Wochenende haben sich rund 380 Musiker aus Radolfzell beteiligt, außerdem etwa ein halbes Dutzend Vereine mit noch mehr Musikern aus Gaienhofen, Öhningen oder Moos.

Im Rückblick schildern sie ihre Erfahrungen von einem aufregenden Wertungsspiel mit Bestnoten bis zum Umzug bei praller Hitze oder dem abschließenden Gesamtchor-Auftritt samt einer Uraufführung des eigens von Rolf Rudin komponierten Titels "Friedvoller Weg".

Der Musikverein Böhringen beim Festumzug beim Verbandsmusikfest in Singen.
Der Musikverein Böhringen beim Festumzug beim Verbandsmusikfest in Singen. | Bild: Helmut Arndt

Einbringen konnten sich die Musiker beim Verbandsmusikfest vielfach: Am Samstag mit einem Platzkonzert in der Singener Innenstadt oder beim Wertungsspiel, am Sonntag beim Festumzug unter dem Thema "Facetten der Marschmusik" oder zum Abschluss beim Gesamtchor auf dem Rathausplatz. Der Musikverein Liggeringen hat sich als eines von 42 Orchestern für das Platzkonzert entschieden.

Vorsitzender Christian Weber äußert sich zufrieden angesichts toller Temperaturen und vieler Besucher. Anschließend habe er noch einige andere Musiker gehört und sich mit ihnen austauschen können. Dabei sehe man auch den Leistungsstand von sich und anderen, sagt Helmut Arndt vom MV Böhringen.

Jury gibt wertvolle Tipps

Bewertet wurde dieser Leistungsstand beim Wertungsspiel, was den Teilnehmern positiv in Erinnerung bleibt: "Wir hatten eine sehr kompetente Jury", sagt Dirigent Kuno Rauch. Vier Experten lauschten am Samstag den Werken einer der 22 Kapellen, die sich für eine Kategorie von eins bis sechs angemeldet hatten – eins war das leichteste Niveau, sechs das schwerste.

Für die Stadtkapelle freuen sich (von links) Gabriel Deufel, Dirigent Kuno Rauch und Vize-Vorsitzender Marc Burger. Bild: Stadtkapelle
Für die Stadtkapelle freuen sich (von links) Gabriel Deufel, Dirigent Kuno Rauch und Vize-Vorsitzender Marc Burger. | Bild: Stadtkapelle Radolfzell 1772 e.V.

Die Wertung "Ausgezeichnet" für den Musikverein Markelfingen, das Jugendblasorchester (beide Kategorie vier) sowie die Stadtkapelle Radolfzell (Kategorie fünf) bedeutet laut Kuno, dass sie mindestens 96 von 100 Punkten erreicht haben. Auch Helmut Arndt vom Musikverein Böhringen ist zufrieden: Nach zehn Jahren Pause traten 56 Musiker wieder vor die Jury und erhielten in der Kategorie vier ein "sehr gut".

Es brauche ein wenig Überredungskunst, um ein Stück bis zur Perfektion immer wieder zu proben, erklärt Arndt die Pause. Außerdem gebe es die Gelegenheit zum Wertungsspiel nur im Fünfjahrestakt. Was dem Böhringer Vorsitzenden besonders gefiel: Ein Jurymitglied habe den Musikern anschließend Tipps gegeben. Dadurch hätten sie Ansatzpunkte für die künftige Arbeit erhalten – und bis die bewertet wird, sollen laut Arndt nicht wieder zehn Jahre vergehen.

Beim Festumzug waren dann auch Nicht-Musiker gefragt, so spazierten einige Mitglieder der Trachtengruppe Alt-Radolfzell mit. "Das gibt immer ein farbenfrohes Bild", sagt Vorsitzender Wolfgang Weidele – auch wenn es mit dem traditionellen Mantel bei hochsommerlichen Temperaturen ganz schön heiß geworden sei. Ein ungewohntes Bild war es für die Musiker dann auch, mit 2000 anderen auf dem Rathausplatz zu spielen.

Der MV Schienen läuft in kompletter Uniform beim Festumzug in Singen mit – zum Leidwesen mancher Männer, die bei sommerlichen Temperaturen mit Jacke und Hut spielen. Die Frauen haben es im Dirndl ein wenig angenehmer. Bild: Bettina Vestner
Der MV Schienen läuft in kompletter Uniform beim Festumzug in Singen mit – zum Leidwesen mancher Männer, die bei sommerlichen Temperaturen mit Jacke und Hut spielen. Die Frauen haben es im Dirndl ein wenig angenehmer. | Bild: Bettina Vestner/MV Schienen

"Das war sehr beeindruckend", sagt Birgit Dietrich, Schriftführerin des Musikvereins Schienen. Bei einem Gesamtchor ihres Bezirks würden ungefähr neun Kapellen spielen, schildert Dietrich, und am Sonntag waren es etwa 50. Stimmung sei bereits zuvor beim Umzug aufgekommen: Sie hätten sich für das Stück "Fischerin vom Bodensee" entschieden, weil "das singen die Leute erfahrungsgemäß gerne mit".

Auftakt in musikalischen Sommer

Für viele der Musiker war das Verbandsmusikfest ein Auftakt für einige Wochen und besonders Wochenenden, die musikalisch geprägt sein werden: Promenadenkonzerte und Hausherrenfest am Sonntag, 15. Juli, sind dabei nur zwei Termine. "Wir haben bis zu den Sommerferien jedes Wochenende einen Auftritt", sagt Helmut Arndt vom MV Böhringen und zählt auch eine Hochzeit sowie Frühschoppen auf. Und für den MV Schienen geht es bald sogar in die Ferne: Sie spielen im September bei der Steubenparade in New York.