Eine beschwingte musikalische Reise durch die Zeit und rund um die Welt erlebten die Besucher des Frühjahrskonzerts, das der Gemischte Chor Eintracht Böhringen und Canti Nova in der Mehrzweckhalle darboten. Das Repertoire der Chöre im Zeichen des Ortsjubiläums reichte vom 15. Jahrhundert bis in die Neuzeit, die Reise führte von der "Kleinen Kneipe" nebenan bis nach Samoa.

775 Jahre alt wird Böhringen dieses Jahr. 618 lange Jahre musste das Dorf warten, bis ein Gesangverein gegründet wurde. 1861 war es noch ein reiner Männergesangverein, heute ist die "Eintracht" ein Gemischter Chor, der mit 16 Sängerinnen und Sängern wie viele Gesangvereine in der Umgebung ums Überleben kämpft. Die Freude am Singen ist dennoch ungebrochen. Gekonnt und musikalisch einwandfrei machte der Chor mit "Tulpen aus Amsterdam" Lust auf Frühling, weckte die Sehnsucht nach der "Kleinen Kneipe in unserer Straße", wobei das Publikum immer wieder mitsang, und brachte mit "Abendwind" als deutsche Version von "One Way Wind" ein weiteres beliebtes Lied feinfühlig zu Gehör. In einem zweiten Block entführte der Chor das Publikum ans Mittelmeer und machte Lust auf Urlaub. Bei "Eviva Espana" klatschte und wippte das Publikum begeistert mit, die "Capri-Fischer" luden zum Träumen ein und die Liebe wurde mit "Amore mio" besungen, bevor "Die Loreley" den musikalischen Reigen des Gemischten Chors beschloss.

Den zeitlichen Bogen über die Jahrhunderte spannte Canti Nova unter Leitung von Jutta Horton. Der Chor, der in diesem Jahr auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist einer der wenigen Chöre in der Umgebung, die zum einen a-capella singen, zum anderen in mindestens 25 verschiedenen Sprachen. So präsentierte er scheinbar mühelos in Alt-Spanisch das "Pase l'agoa" aus dem 15. Jahrhundert, das durch seine komplexe Melodieführung bezauberte. Anschließend begeisterte er mit der "Bourree for W. A.", die Leopold Mozart 1762 für seinen Sohn Wolfgang Amadeus schrieb. Insbesondere die Swing-Version sorgte für großen Beifall. Mit "Freude schöner Götterfunken" gelangte Canti Nova in die Jahre 1785 und 1874, als Friedrich Schiller die neun Strophen reimte und Beethoven später das Gedicht vertonte. Mit diesem Lied, das auf der ganzen Welt gesungen wird, und seit 1972 offizielle Hymne des Europarates ist, berührte der Chor viele Zuhörer. Die Zeitreise endete im Jahr 1933, als Joachim Ringelnatz sein bekanntes "Liedchen" schrieb. Canti Nova brachte es vergnüglich zu Gehör, einschließlich zweier weiterer, selbst gedichteter Strophen zum Schmunzeln.

Nach acht Jahren gibt Jutta Horton die Leitung von Canti Nova ab. Der Vorsitzende Manfred Büchner verabschiedete die Chorleiterin im Rahmen des Frühjahrskonzertes. Bild: Kupferschmid
Nach acht Jahren gibt Jutta Horton die Leitung von Canti Nova ab. Der Vorsitzende Manfred Büchner verabschiedete die Chorleiterin im Rahmen des Frühjahrskonzertes. Bild: Kupferschmid

Als gelungener Kontrapunkt erwies sich der fetzige Showblock der Tanzschule Dance 4you aus Konstanz unter der Leitung von Ingrid Blomeier-Wittig. 30 Tänzer zeigten vielbeklatschte Choreographien aus den Bereichen Modern Dance, Contemporary Dance und Hip-Hop. Unglaubliche Beweglichkeit, Freude am Tanzen und Improvisieren gab es hier zu erleben – etwas, was man nicht alle Tage zu sehen bekommt.

Dann ging es mit einem radikalen Stimmungswechsel äußerst fröhlich mit Canti Nova weiter. Mit "Hambani-Kahle", einem Lied aus Südafrika, sang der Chor in der Sprache der Zulu und ließ erleben, wie sich die Zulu voneinander verabschieden. "Jamaica Farewell" führte musikalisch in die Karibik, bevor die Sänger gefühlvoll die Geschichte des Indianerhäuptlings "Shenandoah" zu Gehör brachten. Bei "Minoi Minoi" lief der Chor zur Hochform auf und zeigte, dass er auch fehlerfrei samoanisch singen kann.

 

Abschied

Der Abend endete mit bewegenden Momenten: Es war der letzte Auftritt von Canti Nova unter Leitung von Jutta Horton. Nach acht Jahren will die Chorleiterin beruflich kürzer treten. Zur Krönung der offiziellen Verabschiedung, die der Vorsitzende Manfred Büchner vornahm, ließ Canti Nova als persönliches Abschiedslied unter der Leitung von Joachim Schmidt die walisische Nationalhymne erklingen – für Jutta Horton eine Erinnerung an ihre Schulzeit in Wales. Die Nachfolge von Jutta Horton ist noch offen. Der Canti Nova-Chor ist weiterhin auf der Suche nach einer neuen Chorleitung.