Radolfzell Belege für Perfidie von Nazi-Ärzten

Die Menschen hinter den Stolpersteinen: Georg Alfred Grein hat die Hölle des KZ Dachau erlebt.

Bevor die Nazis ihn holten, lebte Georg Alfred Grein in der Adolf-Hitler-Straße 37, die nach Ende der Terrorherrschaft in Schützenstraße umbenannt wurde. Hier, an seinem letzten Wohnort vor der Inhaftierung, erinnert seit einigen Wochen ein Stolperstein an die Verfolgung des Radolfzellers, dem eine „mutmaßliche Zugehörigkeit zur KPD“ vorgeworfen wurde.

Der Historiker Markus Wolter hat die Geschichte des Mannes, der 1906 in Konstanz geboren wurde und 1954 starb, recherchiert. Seine Eltern Johann und Emilie Grein geborene Kramer stammten aus Radolfzell, verheiratet war er mit Martha Grein – Kinder hatte das Paar nicht. Am 21. September 1937 wurde Georg Alfred Grein – von Beruf Monteur – verhaftet, bis Kriegsende war er den Schikanen und Bedrohungen der Nationalsozialisten ausgesetzt.

Perfides Vorgehen der Nazis im Arztkittel

Auf die Untersuchungshaftanstalten in Mannheim und Stuttgart folgte ab 1939 eine Zuchthausstrafe in Ludwigsburg. Noch im gleichen Jahr wurde Georg Grein „zur Beobachtung seines Geisteszustandes“ in die psychiatrische Abteilung des Gefängnisses in Bruchsal verlegt, nach der Rücküberstellung folgte 1940 die Einlieferung in die psychiatrische Abteilung des Zuchthauses Straubing. Das perfide Vorgehen der Nazis im weißen Arztkittel geht dabei unter anderem aus der Diagnose hervor, die dem Verfolgten „Verfolgungsängste“ attestierten – und dies in Kombination mit „wahnhaften Ideen“.

Nach einer weiteren Zeit im Zuchthaus Ludwigsburg verfügte das Reichssicherheitshauptamt die Verhängung einer „Schutzhaft“ im Konzentrationslager Dachau. Die Zeit vom 8. Januar bis 17. Juni 1942 verbrachte Georg Alfred Grein hier, bevor er zunächst in das Dachauer Außenkommando Bad Ischl und dann ins Konzentrationslager Dachau/Kommando Kempten überstellt wurde. Hier wurde er im April 1945 von der amerikanischen Armee befreit.

Danach lebte Georg Alfred Grein wieder in Radolfzell. Er war in der Böhringerstraße 25 gemeldet, die letzte Meldeadresse davor ist die Bollstetterstraße 35. Hier wohnte Josef Paul Bleicher (auch an ihn erinnert ein Stolperstein), den Georg Alfred Grein im KZ Dachau kennengelernt hatte. Es findet sich außerdem ein Vermerk über einen Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau nach 1947.

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