Der Radolfzeller Kirsch versteht sich als interkommunaler Austausch zwischen Bürgermeistern aus dem Landkreis. Bei der sechsten Auflage der Veranstaltung im Strandcafé auf der Mettnau war auch der neue Landrat Zeno Danner erstmals mit von der Partie. Geredet wurde sich viel, aber eine wirkliche politische Botschaft kam beim Premierenbesuch des Neu-Landrates nicht herüber. Stattdessen richtete sich die Aufmerksamkeit beim lockeren Beisammensein der Bürgermeister auf die vier Gänge des Menüs im Strandcafé.

Der Aperitif

Sekt mit Kirschlikör. Mit dem ersten Zuprosten war man sich beim Radolfzeller Kirsch einig: Solch interkommunale Treffen seien wichtig, um den Landkreis fit für die Zukunft zu machen. Gerade um drängende Kreisthemen, die die Region bewegen, voranzubringen, wie Gastgeber OB Martin Staab betonte.

Die Chili bringt die Schärfe

Cremesuppe vom Hokkaidokürbis zur Vorspeise. Schärfe brachte lediglich die Chili in der Suppe. Ein kommunalpolitisches Säbelrasseln blieb aus. Stattdessen machte OB Staab gleich mehrere Haken an Projekte, die gemeinsam im Landkreis realisiert wurden. Etwa der Zusammenschluss zu einer landkreisweiten Volkshochschule, das Hospiz oder die Zentralisierung des Gesundheitsverbundes.

Keine Gräten im Hauptgang

Felchenfilet unter der Kürbiskruste samt Bandnudeln in Rieslingsauce. Gräten waren keine zu finden. Grätig reagierte Staab angesichts der viel diskutierten Schließung der Geburtsklinik am Radolfzeller Krankenhaus im Jahr 2018. „Die Schließung sitzt noch immer wie ein Stachel.“ Eine Antwort auf die Gretchen- und nicht die Grätenfrage stehe noch aus: „Es wird sich zeigen, wie wir den Gesundheitsverbund so fit bekommen, dass die jetzigen Standorte erhalten bleiben.“ Denn der Erfolg der Alternative für Deutschland bei den jüngsten Wahlen habe seiner Einschätzung nach zutage gebracht, dass Menschen nicht bereit seien, 60 Kilometer ins nächste Krankenhaus und 30 Kilometer bis zum nächsten Arzt zu fahren.

Statt Fisch eine Ente

Entenbrust mit Kirschsauce an Wirsinggemüse mit Dauphinkartoffeln: Knackig kam der Hauptgang daher. Krosse Haut, cremige Kartoffeln und bissfestes Gemüse, sagte Hans-Peter Lehmann, Bürgermeister von Mühlhausen-Ehingen. Nicht zu weich also. Von seiner weichen Seite zeigte sich hingegen Landrat Zeno Danner bei seiner Premiere beim Radolfzeller Kirsch. In beinahe allen Punkten pflichtete er seinem Vorredner OB Staab bei. Mit Blick auf den Gesundheitsverbund spüre Danner noch immer die alten Grenzlinien zwischen Singen, Radolfzell und Konstanz: „Ich will da hinkommen, dass wir sagen, wir haben ein Krankenhaus mit mehreren Standorten anstatt ein Krankenhaus, das zusammengeschlossen wurde.“

Regionales zum Nachtisch

Vanilleeis mit Kirschkompott im Hippenkörbchen. Regionalität, das Stichwort. Denn in der Region soll der Klimaschutz weiter gestärkt werden. Obgleich OB Staab betonte, dass er anders als sein Konstanzer Amtskollege Ulrich Burchardt keinen Klimanotstand sehe, sondern eine aktive Klimakrise. Staab bezeichnete Radolfzell als Vorbild im Klima- und Umweltschutz.

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Alleine vier von 14 Vorhaben in der Stadt hätten Klimaschutzziele. Zudem habe der Gemeinderat zusätzliche Mittel in Höhe von 900 000 Euro im städtischen Haushalt zur Verfügung gestellt. „Wir werden in Sachen Mobilität verstärkt auf das Rad setzen“, so Staab.