Ehrenamt wird großgeschrieben in Radolfzell. 44 Aussteller haben sich bei der ersten Ehrenamtsmesse im Milchwerk präsentiert: Vereine mit sozialen, medizinischen und kuturellen Zielen, Sportvereine und Selbsthilfegruppen. Die Idee zur Veranstaltung kam von den Vereinen selbst. Ihr Ziel war, sich vorzustellen, neue Ehrenamtliche zu gewinnen und sich untereinander zu vernetzen. Doch aller Anfang ist schwer, es trafen wenige Besucher ein. Dafür kam zwischen den Ehrenamtlichen viel Kontakt zustande.

Die erste Ehrenamtsmesse im Radolfzeller Milchwerk hatte noch nicht allzu viele Besucher. Der Austausch zwischen den Vereinen hingegen funktionierte gut. Bild: Natalie Reiser
Die erste Ehrenamtsmesse im Radolfzeller Milchwerk hatte noch nicht allzu viele Besucher. Der Austausch zwischen den Vereinen hingegen funktionierte gut. Bild: Natalie Reiser

Als weiteren Grund für die Messe nannte OB Martin Staab die Wertschätzung, die die Stadt allen Ehrenamtlichen entgegenbringe. Er sprach all denjenigen, die oft im Stillen ohne öffentliche Aufmerksamkeit arbeiten, ein herzliches Dankeschön aus.

Erikli: Gefühl von Zusammengehörigkeit und Heimat

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Nese Erikli meinte, zu den Herausforderungen zähle sicher manchmal die Enttäuschung, wenig wahrgenommen zu werden, doch zu einer lebendigen Stadt gehörten Vereine, die den Menschen neben einer sinnvollen Tätigkeit ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Heimat geben könnten.

Die erste Ehrenamtsmesse im Radolfzeller Milchwerk hatte noch nicht allzu viele Besucher. Der Austausch zwischen den Vereinen hingegen funktionierte gut. Bild: Natalie Reiser
Die erste Ehrenamtsmesse im Radolfzeller Milchwerk hatte noch nicht allzu viele Besucher. Der Austausch zwischen den Vereinen hingegen funktionierte gut. Bild: Natalie Reiser

Warum Ehrenamt glücklich macht

Der FDP-Landtagsabgeordnete Jürgen Keck bezeichnete Ehrenamtliche als unverzichtbar. Man stelle sich nur einmal vor, was man bei Unfällen ohne Feuerwehr, Technisches Hilfswerk oder DLRG täte. Und: Wer ehrenamtlich arbeitet, sei glücklicher, zufriedener und gesünder. Zahlreiche Studien belegten dies.

Und auch die Stimmung der Aussteller gab ihm Recht. Obwohl sie nicht allzu viele Besucher begrüßen konnten, blickten die meisten Ehrenamtlichen strahlend in die Runde und gaben gerne Auskunft.

Gegenseitige Hilfe

Mit der Vernetzung jedenfalls hat es gut geklappt. Sabine Buhl vom Freundes- und Förderverein der Tegginger Schule meinte: "Wir haben schon Akazienholz vom Filmclub für die Klepperle-Herstellung bekommen". Nicole Freitag und Stephan Tögel von der Rettungshundestaffel begrüßten im Foyer ihre Kollegen von der Tierrettung Südbaden. Und die Katzenhilfe sei auf gutem Weg, mit den Tierschützern eine Lösung für eine noch fehlende Räumlichkeit zu finden, meinte Jürgen Werner, Vorsitzender der Katzenhilfe.

Bei der Ehrenamtsmesse finden sich Tierfreunde zusammen. Die Hündin Sunce genießt die Aufmerksamkeit. Von links: Martina Rahm (Tierrettung Südbaden), Nicole Freitag und Stephan Tögel (Rettungshundestaffel) und Lothar Zieten (Besucher). Bild: Natalie Reiser
Bei der Ehrenamtsmesse finden sich Tierfreunde zusammen. Die Hündin Sunce genießt die Aufmerksamkeit. Von links: Martina Rahm (Tierrettung Südbaden), Nicole Freitag und Stephan Tögel (Rettungshundestaffel) und Lothar Zieten (Besucher). Bild: Natalie Reiser

Das Angebot vieler Ehrenamtlicher wird stark nachgefragt. Die Lebensmittel, die die Foodsharing-Gruppe dreimal pro Woche auf der Rückseite des Weltklosters anbietet, werden restlos abgenommen.

Zusätzliche Mitstreiter wünschen sich alle

Viel Zuspruch erfährt auch die Transgender-Selbsthilfegruppe Hegau. Christin Löhner, die sich nach einer Geschlechtsumwandlung heute in ihrem weiblichen Körper wohlfühlt, leitet die Gruppe. Im Umkreis von 100 Kilometern sei es die einzige Selbsthilfegruppe für Transpersonen. Mittlerweile besuchten 40 Personen die monatlichen Treffen.

Die jüngste Arbeitsgruppe auf der Ehrenamtsmesse: Alexandra Riedel (von links), Lillian Spielman und Dofina Jasari arbeiten an Vorschlägen für die Neugestaltung des Pausenhofs der Tegginger Schule. Bild: Natalie Reiser
Die jüngste Arbeitsgruppe auf der Ehrenamtsmesse: Alexandra Riedel (von links), Lillian Spielman und Dofina Jasari arbeiten an Vorschlägen für die Neugestaltung des Pausenhofs der Tegginger Schule. Bild: Natalie Reiser

Die Messe zeigte: Es gibt viele Gründe sich ehrenamtlich einzusetzen. Ein Anliegen allerdings vereint alle Gruppen. Cornelia Pudor vom Mehrgenerationenhaus meint: "Unterstützung von neuen Ehrenamtlichen wünschen wir uns alle."