Eine gespannte Erwartung gab es in der Menge, als Xuanhan Xu mit ihrem Cello die Matinee-Bühne am Mettnausteg betrat. Und tatsächlich: Die 14-jährige aus China interpretierte großartig und intensiv die Sacher-Variationen von Witold Lutoslawski (1913-1994) und eine Caprice von Alfredo Piatti (1822-1901). Ihr Auftritt gehörte zur Radolfzeller Sommerakadmie, eine Reihe mit Meisterkursen und Konzerten.

Das erste Stück ist rhythmisch sehr zerhackt, bedient sich verschiedener Spieltechniken – nicht zuletzt auffälliger Glissandi – und ist in mit einem großen Tonumfang höchst anspruchsvoll. Lutoslawski komponierte es zum 70. Geburtstag für den Schweizer Musikwissenschaftler und Dirigenten Paul Sacher.

Mit ihrer großartigen und intensiven Interpretation der Sacher-Variationen von Witold Lutoslawski beeindruckte Xuanhan Xu aus China am Cello die Zuhörer zum wiederholten Mal.
Mit ihrer großartigen und intensiven Interpretation der Sacher-Variationen von Witold Lutoslawski beeindruckte Xuanhan Xu aus China am Cello die Zuhörer zum wiederholten Mal.

Xu zeigte nicht nur hervorragende Spieltechnik, sondern auch ausgeprägte Mimik. Auch die scherzhafte Caprice Nr. 9 von Piatti interpretierte sie mit viel mimischem Einsatz und erntete nach dem Vortrag Bravo-Rufe.

Lokalmatadorin gibt ein hingebungsvolles Heimspiel

Besonders ist bei dieser Sommerakademie, dass die Radolfzellerin Jana Morgenstern teilnimmt. Mit dem hingebungsvoll interpretierten Preludio – Fantasia aus der Suite per Violoncello von Gaspar Cassadó (1897-1966), weckte sie mit melancholischem Klang eine unbestimmte Sehnsucht. Eine Sehnsucht, welche durch das Open-Air-Ambiente des Konzerts noch verstärkt wurde.

Cassadós in Klang, Rhythmus, Technik und Lautstärke sehr abwechslungsreichen Teile spielte Morgenstern sehr differenziert – mal mit langem Bogenstrich, mal abgehackt.

Experimentelle und treibende Klänge des zeitgenössischen Komponisten Aleksey Igudesman entlockte Sara Schlumberger-Ruiz ihrem Instrument.
Experimentelle und treibende Klänge des zeitgenössischen Komponisten Aleksey Igudesman entlockte Sara Schlumberger-Ruiz ihrem Instrument.

Abgehackt ist auch das Stück "Appelmania" des zeitgenössischen Komponisten Aleksey Igudesman, das Sara Schlumberger-Ruiz spielte. Cellisten waren bei der Matinee stark vertreten: Carla Arndt interpretierte ein Stück von Bertold Hummel und die Südkoreanerin Yumin Lee spielte ein Stück aus der Suite in D-Dur von Johann Sebastian Bach und eine Caprice von Alfredo Piatti.

Am Klavier traten Mariana Röhmer-Litzmann mit einer Sonate von Wolfgang Amadeus Mozart und Leon Xu aus China mit der Französischen Suite von Johann Sebastian Bach auf.