Die Bürgerbefragung soll Einblick in das Denken und Empfinden der Radolfzeller geben. Die Stadtverwaltung hat zusammen mit der Universität Konstanz zur großen Bürgerbefragung aufgerufen. Jeder Radolfzeller darf mitmachen. Abgefragt werden Themen wie Zufriedenheit, Wünsche für die Zukunft und Trends.

Teilnehmerin der Umfrage kann Zahlenfelder nicht ausfüllen

Spannend, dachte sich auch Marion Mihm, und wollte an der Umfrage teilnehmen. Ihr personalisierter Zugangscode kam wie angekündigt per Post. Doch als es darum ging, am Ende ihrer Befragung Angaben zu ihren Lebensumständen zu machen, also das Alter und die Größe der Wohnung in die dafür vorgesehenen Felder einzutragen, ging das nicht. Sie konnte diese Felder nicht füllen.

Mitarbeiter der Universität bieten ihr an, die Felder für sie auszufüllen

Sie wandte sich an den Fachbereich Soziologie der Universität Konstanz, dieser führt die Umfrage durch. Dort teilte sie ihr Problem per Mail mit und bat um einen neuen Code, um die Umfrage noch einmal vollständig ausfüllen zu können.

Die Antwort-Mail irritierte sie sehr: „Mir wurde mitgeteilt, dass das Problem bekannt sei und ich könne meine persönlichen Angaben und meinen Code per Mail senden, dann würde man die Daten zu meiner Umfrage hinzufügen“, gibt Marion Mihm den Inhalt der Mail wieder, die der Redaktion vorliegt.

Kritik am Datenschutz

Für sie tun sich damit gleich zwei Probleme auf: Ihre Befragung wäre durch den personalisierten Mail-Verkehr nicht mehr anonym, und wenn sie die Felder zu den persönlichen Angaben nicht ausfüllen kann, würden wichtige Kriterien zur Einordnung ihrer Befragung fehlen und das Ergebnis der Befragung verfälschen.

Wissenschaftliches Team weiß nichts von Unregelmäßigkeiten

Auf Nachfrage bei der wissenschaftlichen Abteilung der Uni Konstanz teilt der Projektverantwortliche Thomas Wöhler mit, dass anhand der Statistiken keine Unregelmäßigkeiten festzustellen sind, die auf einen technischen Fehler hindeuten. Bisher hätten mehr als 2000 Radolfzeller an der Umfrage teilgenommen. Etwa ein Dutzend hätten die Felder mit den offenen Fragen nicht ausgefüllt. Die Zahl sei allerdings zu gering, um auf einen grundsätzlichen Fehler zu schließen.

Verschiedene Geräte können zu unterschiedlicher Darstellung der Online-Umfrage führen

Viel mehr könne es an der Darstellung auf dem Computer, Handy oder Tablet liegen, wenn die Felder nicht korrekt angezeigt werden. Marion Mihm hält dies für keine plausible Erklärung. Sie hat laut eigener Aussage die Umfrage am heimischen Computer, einem neuen Modell, mit aktueller Software ausgefüllt.

Täglich kommen Anfragen zur Umfrage

Projektleiter Thomas Wöhler gibt weiter an, dass über die Service-Telefonnummer, die der Umfrage beiliegt, täglich etwa fünf Anrufe eingehen, die ein Problem mit der Technik haben. „Meistens können wir ihnen helfen, den Zugang zur Umfrage herzustellen“, so Wöhler. In Einzelfällen biete man Bürgern an, Antworten anonym per Telefon durchzugeben und diese der Umfrage anzufügen.

Die Anrufe würden nicht protokolliert und somit sei der Datenschutz gewahrt. Die Aufforderung per Mail sei ein „Kommunikationsfehler“ gewesen, wie Wöhler beteuert. Auch trotz einiger Ausfälle sei die Aussagekraft der Befragung noch immer gewährleistet, versichert der wissenschaftliche Mitarbeiter.

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Online-Umfrage

Die Bürgerbefragung kann nur online mit dem entsprechenden Zugangscode durchgeführt werden. So ist sichergestellt, dass nur Radolfzeller ab 16 Jahren an der Befragung teilnehmen. Der personalisierte Code sollte bereits per Post in allen Haushalten eingegangen sein. Wer Probleme mit der Internetbefragung hat, kann sich bei Birgit von Glan melden oder bei der Universität direkt. Die Ergebnisse der Befragung werden im Frühjahr 2020 veröffentlicht. Jeder Bürger kann nur einmal teilnehmen.

Link zur Befragung: buergerbefragung-radolfzell.de

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